Full text: Hessenland (42.1931)

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riet aber mit Wetzlar, das inzwischen dem rheini 
schen Städtebund beigetreten war, ans geringfügi 
gen Ursachen in Streit und entzweite sich auch mit 
seinem Vetter Otto von Braunfels. Die Reichs 
stadt nahm den Fehdehandschuh ohne zu zögern auf, 
hatte sie doch jetzt die ganze Macht des Städte- 
bundeö hinter sich. Im Verlauf des nun folgenden 
Krieges wurde 1384 Burgsolms zerstört. Graf 
Johann versuchte noch einmal auf dem Greifenstein 
festen Fuß zu fassen, wurde aber auch von dort 
Handel von Köln nach Frankfurt und umgekehrt 
über Limburg; die Hohe Straße hatte ihre Bedeu 
tung eingebüßt. Damit aber war auch das einstige 
Kampfziel wertlos geworden. Man begann allent 
halben den Krieg abzubrechen und sich anderen Un 
ternehmungen, die sich an die neubelebte Handels 
straße über Limburg anlehnten, zuzuwenden. Im 
Jahre 1391 trat der Graf von Nastau-Dillenburg 
dem Solmser Grafen Johann den Greifenstein ab. 
Mit Hesten aber einigte man sich dahin, daß das 
durch den Dillenburger Grafen mit Hilfe König 
Wenzels vertrieben. Das Schicksal der Graf 
schaft schien besiegelt. 
Auffallenderweise wurde der Kampf jetzt aber 
von allen Seiten sehr lässig betrieben, und zwar 
aus folgenden Gründen: Bereits um die Mitte 
des 14. Jahrhunderts war die Bedeutung der 
Stadt Wetzlar merklich zurückgegangen. Bei ihrem 
kleinen Territorialbesttz und dem nicht sehr reichen 
Hinterlande war die Reichsstadt vornehmlich auf 
den Durchgangshandel angewiesen. Das wurde ihr 
nun verhängnisvoll. Da durch die unendlichen, nie 
abreißenden Fehden die Straßen, vornehmlich die 
Hohe Straße, zu unsicher geworden waren, begann 
der Handel nachzulassen. Dazu kam, daß die 
Stadt durch schlechte Finanzwirtschaft in schwere 
Schulden geriet und 1371 die Zahlung der Zinsen 
einstellen mußte. Kein Wunder, wenn sich die 
Kaufleute anderer Städte unter diesen Umständen 
bessere Absatzplätze und sicherere Straßen aus 
suchten. Es dauerte nicht lange, so ging der ganze 
Gebiet, in dem die Landgrafen eingedrungen waren, 
unter gemeinsame Verwaltung kam. Hohensolms 
wurde Amtssitz des solmstschen, Königsberg der des 
hessischen Amtmannes. Da sich im Laufe der Zeit 
Verwaltungsschwierigkeiten herausstellten, wurde 
das Gebiet im Jahre 1629 geteilt. 
So hat das Haus Solms, wenn auch mit gro 
ßen Opfern, seine Selbständigkeit bewahrt. Frei 
lich die Stammlande waren durch das Veröden der 
Kölner Straße in ihre ursprüngliche Bedeutungs 
losigkeit zurückgesunken und sollten noch lange darin 
beharren. Aber große Erwerbungen in der Wet 
terau, die die Grafen von Solms bald darauf 
machten, brachten neue politische Möglichkeiten, 
zugleich aber auch neue Konfliktstoffe, von denen 
die mit Hessen nicht die geringsten waren. Wie 
diese ausgefochten wurden, haben wir an anderer 
Stelle in großen Zügen darzustellen versucht *). 
1) Vgl. Uhlhorn, Grundzüge der Wetterauer Territorial- 
geschichte (Friedberger Geschichtsblätter VIII, 1926/27, 
©. i 45 ff): auch als Sonderdruck erschienen.
	        

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