Full text: Hessenland (41.1930)

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oder zum Pfand gegeben, um durch erneu Trunk 
aus Ntimirs Ouell tiefste WAöheit zu erlangen. 
Die Bilder in Sontra und Blankenheim find 
nicht die einzigen in Hessen, welche mit vem Heiden 
tum zusammenhängen. Auch an der Kirche in 
Langenstein bei Kirchhain befinden sich an Eckqua 
dern Bilder, welche schon Kolbe (Heidnische Alter 
tümer in Oberhessen) wohl mit Recht als Darstel 
lungen heidnischer Gottheiten erklärt hat. Dort 
(s. Abb.) erscheint Wotan als Wanderer, gekenn 
zeichnet durch den Wanderstab, mit seinen beiden 
Hunden Geri und Freki; zu seiner Eigenschaft als 
Wanderer, als welcher er ja in der Mythologie er 
scheint, stimmt es, daß über Langenstein eine uralte 
Straße führte. Weiter war die in Langenstein 
erbaute Kirche dem heiligen Zakobus, dem Schutz 
patron der Wanderer und Pilger, geweiht. Also 
auch hier eine Überleitung heidnischer Erinnerungen 
in christliche Anschauungen! Auch das weiter unten 
angebrachte fratzenhaft entstellte Bild wird als ein 
heldischer Dämon anzusprechen sein. Zwei weitere 
Köpfe finden sich an der Nordseite der Kirche, 
Westecke, und an der Westseite, Nordecke; einer 
davon, mit langen hängenden Haaren, ist sicher ein 
Frauenbild, und könnte als eine Darstellung der 
Freia, der Ehegattin Wotans, angesehen werden. 
Ein merkwürdiges Bild befindet sich auch über 
dem Portal der Kirche in Bellnhausen a. d. Lahn 
Parzival. 
(Alö ich aus dem Walde trat und von ferne das 
Herr Ritter, rittet Tage schon! 
Habt Ihr im Walde Euch verirrt, 
Hat einer süßen Feie Ton 
Euch Sinn und Weg zumal verwirrt? 
Die Sonne schreibt die Abendzeit 
Mät Feuer an der Kiefern Stamm. 
Aufspringt die Waldespforte weit, 
Rot glühn die Berge Kamm bei Kamm. 
Zn Flammenströmen quillt zur Erd' 
Der Gottesliebe Gnadenschein. 
Der Ritter packt sein gutes Schwert 
Und preßt aufs Kreuz die Lippen fein. 
bei Fronhausen, Kreis Marburg. Auffallender 
weise gar nicht verwittert, ist es aus einem Spitz 
bogen über der Tür herausgearbeitet. Dieser Teil 
der kleinen Kirche ist offenbar älter als der andere, 
sich nach Osten anschließende; er ist aus Hausteinen 
errichtet und hat teilweise noch Vas sog. Fischgräten- 
inauerwerk. Das Bild zeigt eine dem Beschauer 
die Zunge herausstreckende Fratze und daneben das 
Brustbild einer Frau, deren rechter Arm in einer 
heraldischen Linie endigt. Analog mit den anderen 
Darstellungen wird man auch hier an Dämonen 
bilder denken müssen. Ob auch ein Kopf an einem 
Außenpfeiler der Kirche in Wäesenfeld, Kreis 
Frankenberg, in dieser Weise zu deuten ist, mag 
dahin gestellt bleiben. 
Kolbe erwähnt noch u. a. ein steinernes Relief, 
das sich früher an der Kirche in Allendorf a. d. 
Lumda (bei Gießen) befunden haben und ein 
Götzenbild darstellen soll. Eö sei bereits 1739 auf 
der Universitätsbibliothek in Gießen aufbewahrt 
worden. Dort befindet es sich nun nicht mehr, doch 
ist ein Bild davon (s. Abb.) in dem Buch von 
Zoh. Friedr. Konr. Retter, Heßische Nachrichten, 
2. Sammlung, Frankfurt a. M? 1739, erhalten. 
Sollten die 4 Kleeblatt-ähnlichen Ranken in den 
Ecken alö stilisierte heraldische Lilien zu deuten sein, 
welche als altgermanische Licht- und Heilssymbole 
ebenfalls von der Kirche als heidnisch verdammt 
wurden? 
Marburger Schloß sah.) 
Im Waldeödunkel klagt es weh 
Und reckt die schemenhafte Hand. 
Der Ritter achtet'ö nicht; denn jäh 
Steigt auf ein Schloß am Himmelörand. 
Gleich eines Wunschbilds Gaukelspiel, 
Bon Meisterhand in Gold gemacht, 
Winkt selig nah der Sehnsucht Ziel, 
Dahin 's ihn zog bei Tag und Nacht. 
Wem Herz und Sinne allzeit stehn 
Zn treuer Hut des Herren Christ, 
Kann nimmermehr verloren gehn 
Und ob er tief verwirret ist. 
Gertrud Zimmermann.
	        

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