Full text: Hessenland (41.1930)

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Platten. Zugleich bildete sich die Gewohnheit, daö 
Hemd mehrere Finger lang unter den Röcken her 
abhangen zu lassen. Zuerst erwähnt Ed. Duller 
1847 diese Gewohnheit, indem er bemerkt: „unter 
den Röcken blickt auch noch das feine, mit einem 
handbreiten Saum besetzte Hemd hervor." Das 
Hemd war also damals ein Trachtenschmuckstück. 
Landau 1842 und Lange 1852 erwähnen in der 
Trachtbeschreibung diese kostbaren Strumpfbänder 
noch nicht, auch finden wir sie nicht in den Diel- 
von Gerhard von Reutern gemaltes Bild, eine 
Trauung in Mällingshausen 1827/28 (in Hessen- 
kunst 1927 veröffentlicht), zeigt, daß man auch an 
den alten Sitten und Gebräuchen bei Schmückung 
der Braut, Anbringung des Brautkranzes 
(Schappels) nicht festgehalten hat. Der alte 
Brautgürtel, an dem unzählige bunte Bänder 
hingen, ist abgelegt, an feine Stelle traten die 
Schürztuchschnüren mit den bunten Bändern. Der 
Flitterputz des Brautkranzes saß um den Haar- 
Di e l in a n n . Dorfschmiede 
mann/chen Bildern. Ludwig Knaus 1849/50 
gibt sie in seinen Bildern wieder. 
Damit find die markantesten Veränderungen der 
Schwälmer Frauentracht genannt, die Tracht, wie 
wir sie heute sehen, ist also nicht alt, sie hat sich 
vielmehr erst um die RVtte des vorigen Jahrhun 
derts entwickelt, blieb freilich von da an im großen 
und ganzen unverändert. Ferner hat sich noch die 
alte, aus dem 18. Jahrhundert stammende Tracht 
der „geschappelten" und der „gebretterten" Schwäl- 
merin erhalten, die Karl Bantzer und Wilhelm 
Thielmann öfters bildlich dargestellt haben. Ein 
schnatz wie in anderen hessischen Trachten, man 
kannte den harmonikaartig gesteckten Bänderputz 
um die Stirne herum damals noch nicht. 
Die Vcännertrachten in der Schwalm sind mit 
Ausnahme des langen blauen Leinenkittels, der 
durch den roten (für den Burschen) oder grünen 
(für den Mann) Stehkragen geschmückt ist, alt. 
Fast alle Trachtenstücke waren aber nicht auf oie 
Schwalm oder Hessen beschränkt, sondern waren 
Gemeingut vieler deutschen Volkstrachten. Drei 
master zeichnet schon Albrecht Dürer (1471 bis 
1528), Hans Schäuffelin im Trostspiegel 1520,
	        

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