Full text: Hessenland (41.1930)

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Der Grundriß ist also rechnerisch völlig durchsich 
tig und geschlossen, so daß die Ableitung der Ein- 
zelmaße von einem andern Bauwerk gar nicht in 
Frage kommt. Rtur das zu Grunde liegende Vie 
rungsmaß könnte zu einem Vergleich mit der Ge- 
burtskirche herangezogen werden. Aber ob man 
berechtigt ist, auf Grund der annähernden Überein- 
stimmung dieses einen 9 VaßeS, wenn sie sich bei der 
unerläßlichen Nachprüfung an dem palästinensi 
schen Bauwerk als tatsächlich herausstellen sollte, 
die Abhängigkeit des RÜarburger Grundrisses von 
Bethlehem zu behaupten, erscheint mir sehr zwei 
felhaft. Wahrscheinlicher ist doch, daß es sich um 
eine rein zufällige Übereinstimmung handelt, der 
keinerlei Bedeutung zukommt. Ebenso wenig läßt 
steh m. E. das RÜarienpatrozinium der Geburts 
kirche im Sinne einer Beziehung zwischen den bei 
den Bauwerken oder auch nur zwischen dem Deut 
schen Orden und der Geburtskirche verwerten. 
Es ergibt sich, daß die von Wachtsmuth ange 
führten Argumente keineswegs ausreichen, tun 
eine direkte Ableitung der Elisabethkirche von Beth 
lehem zn erweisen oder auch nur wahrscheinlich zu 
machen, zumal die viel näher liegende ^Möglichkeit 
einer Herleitung aus dem Westen besteht. 
Ein anderes wäre es, Gründe dafür beizubrin 
gen, daß der Deutsche Orden ganz allgemein eine 
Vorliebe für den Dreikonchengrnndriß gehabt habe, 
wobei auch eine Erinnerung an den berühmten pa 
lästinensischen Bau mitsprechen könnte. In der 
Tat gibt es einen anderen Kirchenbau des Deut 
schen Ordens, der, nur wenig älter als die Elisa 
bethkirche, ebenfalls die Dreikonchenanlage aus 
weist. Der Danziger Architekturprofessor Her 
mann Phlepö hat 1927 in der Zeitschrift für 
Banwesen eine sehr interessante frühgotische Drei- 
konchenkirche in Tartlau (Siebenbürgen) veröf 
fentlicht, die er für den Deutschen Ritterorden in 
Anspruch nimmt und die er auch gleichzeitig in 
engere Beziehung zn der Marburger Elisabeih- 
kirche setzt"). Der Deutsche Orden hatte bekannt- 
5 ) Hermann Phlepö, Auf Spuren der ersten Bauten 
des deutschen Ritterordens im Burzenland in Siebenbürgen. 
Zcitschr. für Bauwesen 77 (1927) S. 56 ff. Vgl. auch Bericht 
über einen gleichbetiteltcn Vortrag: Denkmalpflege und 
Heimatschutz 29 (1927) S. 200.
	        

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