Full text: Hessenland (41.1930)

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Großer Büchcrsaal 
wurde, verzichtet haben. Daß Buch bei der Be 
gründung der Bibliothek mitgewirkt hat, wissen 
wir aus einer Rechnung vom 29. März 1580, die 
er durch seine Unterschrift als richtig bestätigt — 
bei dem guten persönlichen Verhältnis, das ihn mit 
seinem fürstlichen Schüler verband, darf man wohl 
annehmen, daß ihn der Landgraf auch als Bera 
ter herangezogen und nicht nur zur Verwaltung 
seiner Ankäufe bestellt hat. 
Von den Nachfolgern Wilhelms IV. hat 
eigentlich keiner der Bibliothek ein wirkliches Ver 
ständnis entgegengebracht. Sie begnügten sich 
durchweg damit, der Bibliothek die unentbehrlichen 
Mittel zur Verfügung zn stellen, griffen wohl 
auch einmal ein, wenn Raumnot und andere Mrß- 
stände allzu sehr hemmten und schädigten. Dieser 
Mangel an Interesse zeigte sich auch in der Aus 
wahl der mit der Verwaltung betrauten Persön 
lichkeiten, die in den meisten Fällen ohne Rücksicht 
auf ihre Vorbildung ans persönlichen und höfischen 
Gründen zu ihrer Stellung kamen. Wenn trotz 
dem eine Reihe von wirklich tüchtigen Biblio 
thekaren die Geschäfte geführt haben, wenn dies 
vielfach Mariner waren, die mit guten Geistesgaben 
ausgestattet aus den ihnen gebotenen Möglichkeiten 
herausholten, was überhaupt herauszuholen war — 
so ist dieses im Ganzen erfreuliche Bild nicht so sehr 
landgräflicher Sorgsamkeit in der Auswahl der 
Bibliothekare, als deren zunächst unbekannter Tüch 
tigkeit zu danken; Männer wie Johannes Buch, 
Rudolphus Scholasticus, Michael Angelocrator, 
Johann Hermann Schmmcke, Johann Arckenholtz, 
Friedrich Wilhelm Strieder, Ludwig Völkel und 
nicht zuletzt die Brüder Grimm haben ihre z. T. 
hervorragenden Leistungen recht häufig im iWider- 
stre-'t mit dem Landesherrn vollbringen müssen. Die 
Befähigung und das Interesse, damit aber auch 
das Verdienst der meisten Landgrafen des 17. und 
18. Jahrhunderts lag eben auf anderem Gebiet und 
fand in der Bibliothek nicht den Raum zur Betäti 
gung, durch die ihre Entwicklung in ganz anderem 
Umfang hätte gefördert werden können, als das 
tatsächlich der Fall war. So hat z. B. Moritz, 
den die Geschichte den „Gelehrten" nennt, seiner 
Bibliothek im Grunde teilnahmlos gegenübergestan 
den. Und doch hat er durch eine Maßnahme erheb 
lich in den Gang der Entwicklung eingegriffen und 
das Fortbestehen der Bibliothek gesichert: in seinem 
Testament hatte er die Unteilbarkeit der Bibliothek 
festgelegt, nachdem er in dem zur Sicherung seiner
	        

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