Full text: Hessenland (41.1930)

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gestaltet und unter Anpassung an die modernen Be 
dürfnisse im Stile der alten Baukunst hergestellt. Auch 
die Einpassung der Beleuchtung, die in der Palle von 
geschmiedeten Leuchtern getragen wird, während sie 
im städtischen Ätzungssaale in die holzgetäfelte Decke 
eingelassen ward, ist ein Vorbild neuer Raumkunst. 
Der trübe Tag drängte zum Aufbruch; wieder zu 
rück bis Dörnberg und von da weiter auf der Wolf- 
hagerstraße über Ehlen und vorüber an der Domäne 
Burghasungen ging die Fahrt. Steil geht der Seiten 
weg hinauf zum Dorfe Burghasungen. Von dort be 
gann der Aufstieg zu Fuß, zuerst zur Kirche des Dor 
fes. Es ist ein schlichter Bau aus den Tagen der 
Biedermeier, ein einfacher Predigtsaal mit hohen Fen 
stern und einem kleinen Dachreiter. Durch geschickte 
Farbengebung des Wandstriches und durch weiße Be 
malung des Gestühls und der Pfeiler, aus Ersparnis 
gründen mit Gelb statt mit Gold abgesetzt, hat das 
Kircheninnere freundliche Wirkung. Einige Bauteile 
mit Skulpturen sind in die Mauer einbezogen, sie ent 
stammen den Trümmern des Klosters und wohl auch 
z. T. der Kapelle, die vor dieser Kirche dem Vrte als 
Gotteshaus diente und ihm leider weichen mußte. 
Vergeblich aber suchte man die Grabplatte des 
Mainzer Erzbischofs Siegfried von Eppenstein, der das 
Kloster gründete und dort auch seine letzte Ruhestätte 
gefunden. 
Nach Verlassen der Kirche bestieg man den Berg, 
und in der Nähe der Trümmer des Turmes sprach 
Zolldirektor Woringer über die Geschichte des Klosters 
aus dem pasunger Berge. Der erste Begründer einer 
Zelle an dieser Stätte war der pl. peimerad, eine et 
was sondrbare Gestalt des Mittelalters. Er stammte 
aus dem Schwabenlande, war nach Jerusalem gewall- 
fahrtet, hatte sich dann nach Norden gewandt und zu 
erst in persfeld im Kloster eine bleibende Stätte ge 
sucht. Aber die Brüder dort konnten sich mit ihm 
nicht sonderlich gut stellenso zog er weiter und ließ 
sich in Kirchberg und, als er auch von da vertrieben 
wurde, in Kirchditmold nieder bei der dortigen Kapelle. 
Aber auch hier verschaffte ihm sein Eharakter allerlei 
Feinde, so daß er mit punden aus dem Dorfe gehetzt 
wurde. Er wanderte weiter bis in die Gegend von 
Paderborn, ließ sich an den Externsteinen nieder, suchte 
dann aber wieder den Bischof Meinwerk von Pader 
born und den Grafen D o d i c o von Warburg 
auf und ließ sich an der Südgrenze der damaligen 
Grafschaft Warburg auf dem Burghasunger Berge 
nieder. Pier lebte er als hochverehrter Einsiedler. 
Vor seinem ( 0(9 erfolgten Tode prophezeite er, daß 
sich über seinem Grabe bald eine größere Zufluchts 
stätte erheben würde. Patte Erzbischofs Aribo von 
Mainz {022 über dem Grabe peimerads ein Bethaus 
errichtet, so ließ doch der Bau eines größeren peilig- 
tums noch auf sich warten. Die Zeiten waren noch 
nicht danach angetan. In den damals herrschenden 
Kämpfen Kaiser peinrichs IV. mit den Sachsen zog 
peinrichs stärkster Gegner, Gtto von Nordheim, nach 
dem er (070 den Grafen Rütger von Bilstein bei Esch- 
wege geschlagen hatte, von dort nach Westen und 
lagerte sich 1071 auf dem Burghasunger Berg, wäh 
rend peinrich IV. aus dem naheliegenden Dörnberg 
ein befestigtes Lager aufschlug. Mehrere Monate lagen 
sich beide peere gegenüber, ohne daß es zu Kampfhand 
lungen kam. Dann einigte man sich im Wege der 
Verhandlung. 
Die Grafschaft Warburg war nach dem Tode des 
Grafen Dodico in das Eigentum des Bistums Pader 
born übergegangen, das aber den südlichen Teil mit 
pofgeismar und pasungen an das Erzbistum Mainz 
abtreten mußte. Der Mainzer Erzbischof Siegfried von 
Eppenstein schuf nun im Jahre (07^ über peimerads 
Grab ein Kollegialstift, das er (082 in ein Mönchsklo 
ster umwandelte und mit Mönchen aus pirsau be 
setzte. Reiche Schenkungen fielen dem Kloster zu. Um die 
Mitte des 1(3. Jahrhunderts wurde auch Landgraf pein 
rich I, ,,das Kind von pessen", von seiner Mutter 
Sophie den Mönchen von pasungen zur Erziehung 
übergeben. Zu Beginn des ( 4 . Jahrhunderts hatte 
das Kloster, 1(307 und 1(330, unter einer Fehde mit 
der Stadt Jierenberg zu leiden; im letztgenannten 
Jahre verbrannten die Bürger von Zierenberg das 
Kloster und mußten, nach Urteil des Landgrafen zu 
pessen, vier Jahre lang polz zum Neubau fahren und 
300 an der Zahl, einen Büßgang mit brennden Ker 
zen zum Kloster unternehmen. Bei der Reformation 
waren die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters 
ungünstig, so daß sich die Mönche leicht abfinden lie 
ßen ; der Abt, Johannes Amelung, wurde mit dem 
Dorfe Bründersen und zwei päusern in Kassel abge 
funden, von denen das eine in der Obersten Gaste 
noch eine darauf bezügliche Inschrift trägt. Das an 
dere paus, die spätere Superintendentur, ist bei An 
lage des Philippsplatzes abgerissen worden. Im 
Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster völlig zer 
stört; aber schon vorher hatte Landgraf Moritz (630 
den Plan gefaßt, es zu einem Lustschloste auszubauen, 
wovon noch eine pandzeichnung auf der Kasseler Lan 
desbibliothek Kunde gibt. — Der über vierzig Meter 
hohe Turm der Klosterkirche mit seinen gekuppelten 
Säulchen in den Fenstern der Glockenstube war der 
letzte Zeuge der alten perrlichkeit: 1(876 vom Blitz 
getroffen und gespalten, stand er noch bis zum Fe 
in nar (896, in welchem Jahre er vom Sturm nieder 
gelegt ward. Die Zisterne für das Wirtschaftswasser 
des Klosters, vor einigen Bäumen umstanden, ist der 
letzte Rest der untergegangenen Siedlung der Elunia- 
censer aus pirsau; die Sage erzählt, der kleine Teich 
stehe mit der Fulda in Verbindung und sogar ein 
Gardducorps sei in ihn hineingefallen und in der 
Fulda wieder herausgekommen. 
Es dämmerte schon, als der Wagen sich wieder in 
Bewegung setzte, und bei völliger Dunkelheit wurde 
das Wirtshaus zum Ahnatal erreicht. Die Rast wurde 
noch durch eine launige Ansprache des Pfarrers 
Meyenschein gewürzt, der seinen Dank an Zolldirektor 
Woringer aussprach und auch ein treues Mitglied des 
Vereins, Fräulein Bode, als eine Nachkommin des 
Landgrafenhauses ansprach, deren Geschlecht aus Land 
graf Ludwig II. zurückreicht. — Gegen 9 Uhr hatten 
die Teilnehmer der Fahrt wieder die heimischen Pena 
ten erreicht. 
Zweigverein Iltarburg. 
Nachdem zweimal ein Versuch, den Vereinsmitglie- 
dern das Salzbödetal zu zeigen, durch einen 
kräftigen Regen vereitelt worden war und ein größerer 
Ausflug, der nach dem perzberg geplant war, wegen 
mangelnder Beteiligung abgesagt werden mußte, ge 
lang endlich am Mittwoch, dem 27. August der erste 
Sommerausflug mit dem Staufenberg als Ziel. 
Trotz dem strahlenden Sonnenschein hatten sich aber nur 
\2 Damen und perren zusammengefunden, die nach 
kurzer Bahnfahrt von Friedelhausen zunächst nach 
Kirchberg wanderten. Für den verhinderten perrn 
Pfarrer übernahm perr Amtsgerichtsrat von Baum 
bach aus Fronhausen die Führung in der Kirche und
	        

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