Full text: Hessenland (41.1930)

348 
geschossen, was man auch immer über diese Politik 
sagen mag (und man kann sehr viel darüber sagen, 
und der Verf. hat das auch getan), so viel ist sicher, 
daß man der hessischen Finanzpolitik doch die Existenz 
unseres paus- und Staatsschatzes verdankte, während 
in anderen Ländern das aus Subsidienverträgen gelöste 
Geld meist dahin geschmolzen ist, wie der Schnee in 
der Sonne. Interessant in dem Sauerschen Buche ist 
der Nachweis, daß die eigentliche hessische Finanzpoli 
tik unter Landgraf Friedrich II. beginnt. Ihren 
Höhepunkt erreichte sie unter dessen Sohne, dem ersten 
hessischen Kurfürsten, der der fürstliche Großbankier 
seiner Zeit war, aber, was nicht vergessen werden darf, 
auch privaten und notleidenden Gemeinden in seinem 
Lande Darlehn zu sehr billigem Zinsfuß gab. Sauer 
gibt über die einzelnen hessischen Finanzgeschäfte ge 
naue Zahlen und verfolgt ihre Geschichte bis zur fi 
nanziellen Auseinandersetzung von ^ 830 , die zur Bil 
dung des paus- und Staatsschatzes führte. Dessen 
traurige Geschichte ist in dem Schlußkapitel kurz be 
handelt. Sauers Arbeit stützt sich hauptsächlich auf 
Marburger Akten; daneben ist aber auch das wert 
volle Familienarchiv der Buderus v. Earlshausen zu 
Altenhaßlau benutzt und ferner sind Berliner, Mün 
chener und Karlsruher Archivalien herangezogen wor 
den, so daß das Buch als eine wertvolle quellenmäßige 
Bereicherung der neueren hessischen Geschichtsliteratur 
bezeichnet werden kann. PH. L. 
„Das Stammesgebiet der Hessen" (zur 
Neugliederung Deutschlands) von Earl peßler. Ver 
lag Ernst pühn, Kassel t 930 . 
Die bisher von politischen Theoretikern geforderte 
Vereinsnachrichten. 
Verein der Kurhessen Berlin t 8 9 0. 
Donnerstag, den 2. Oktober fand in dem neuen Ver 
einslokal, dem Gesellschaftszimmer des Friedenauer 
Ratskellers, die zweite Monatsversammlnng statt. 
In Ergänzung eines früheren Vortrages über geistiges 
Leben in Hessen am Vorabend der Reformation ent- 
warf der Vorsitzende ein Lebensbild Ulrichs von 
Hutten. In großen Zügen zeichnete er zunächst 
Aus der Heimat. 
Amtsgerichtsrat i. R. Bohne 70 Jahre 
a l t. Am 22. September vollendete Amtsgerichtsrat 
i. R. Bohne, der Vorsitzende des Vorsteheramtes des 
Evangl. Waisenhauses in Hanau, sein 70 . Lebens 
jahr. Richard Bohne, in Kassel geboren, besuchte die 
Universitäten Marburg, Leipzig und Berlin. In seiner 
Vaterstadt Kassel verbrachte er seine Referendarzeit, 
in Arolsen seine Assessorjahre. Als Amtsrichter war 
er zunächst sechs Jahre in Windecken tätig; am \. 
Oktober ^899 erfolgte seine Versetzung an das Aints- 
gericht Hanau. Hier wirkte er bis zu seinem am 
{. Oktober {925 erfolgten Rücktritt in den Ruhestand. 
Von J9J3 ab war er aufsichtführender Richter. Be 
reits zwei Jahre nach seiner Uebersiedlung nach Ha 
nau, also l9vl' wurde Amtsgerichtsrat Bohne durch 
Verfügung der Regierung in Kassel zum Mitglied des 
Vorsteheramtes des Evangel. Waisenhauses bestellt. 
Neugliederung Deutschlands scheint infolge der kata 
strophalen Kassenverhältnisse des Reiches einer schnel 
leren Lösung entgegenzugehen, als man bisher erwarten 
konnte. Mit der wirtschaftlichen Not wächst auch die 
Gefahr, daß die Frage der Neugliederung mehr nach 
gegenwärtigen und somit veränderlichen wirtschaft 
lichen Rücksichten als nach den unveränderlichen, stam 
mesrechtlichen Grundsätzen erfolgt. 
Umso verdienstlicher ist es, wenn ein Kenner des 
Hessenlandes wie Earl Heßler, der Herausgeber der 
vorzüglichen dreibändigen „Hessischen Laich es- und 
Volkskunde" zu dieser Frage das Wort nimmt. Er 
tritt entschieden für eine Berücksichtigung der natür 
lichen Zusammengehörigkeit ein und befürchtet, daß bei 
einer Gliederung Deutschlands nur nach Handels- und 
Wirtschaftsgebieten das inhaltreiche Wort „Heimat" 
seine Bedeutung gänzlich verlieren und die deutsche 
Volksseele geradezu veröden und verkümmern werde. 
Mögen auch einige der vpn ihm angeführten ge 
schichtlichen Vorgänge, z. B. der Ort der Salzschlacht 
im Jahr 58 n. Ehr. von der Wissenschaft noch stark 
umstritten sein, so hat der Verfasser doch mit der Be 
hauptung einer das Gebiet des späteren Niederhessens 
erheblich überschreitenden Ausdehnung des Stammes 
sicherlich recht. Lin so kleines Völkchen, das ständig 
seine Nord- und Ostgrenze gegen Sachsen und Her 
munduren verteidigen mußte, hätte nicht gleichzeitig 
Jahrhunderte hindurch der Schrecken der Römer sein, 
große Feldzüge nach Süddeutschland und Belgien 
machen und endlich die starke römische Verteidigungs 
linie des Limes zu Falle bringen können. 
w. Kürschner. 
die Welt des deutschen Humanismus und schilderte 
anschließend, wie H. zum Herold des erwachenden 
deutschen Nationalbewußtseins wurde, dann aber schei 
terte an der Vermittlung zwischen der nationalen und 
der religiösen Bewegung. Ein früher Tod brach die 
verheißungsvollen Anfänge seines zu jenem Zweck be 
gonnenen deutschen Schrifttums jäh ab. Beß. 
In dieser Eigenschaft entfaltete er eine segensreiche Tä 
tigkeit, der er sich noch heute, seit \<) 2 Q als Vorsitzen 
der des Vorsteheramtes, unterzieht. Große Verdienste 
hat sich Amtsgerichtsrat Bohne auch um das Krieger 
vereinswesen erworben. 
Line alte Dorfkapelle wiederherge- 
st e l l t. In Hailer ist die ehemalige, aus den Jahren 
um J 700 stammnde, Dorfkapelle einer umfassenden 
baulichen Erneuerung unterzogen und nach einem Ent 
wurf des Architekten Franz Schneider (Gelnhau 
sen) mit Genehmigung der staatlichen Denkmalspflege, 
unter deren Schutz der Bau steht, in den alten Formen 
renoviert worden. 
Hersfeld gehört 500 Jahre z u Hessen. 
In diesem Jahre sind 500 Jahre verflossen, seit Hers- 
fcld zu Hessen gehört. Nach den geschichtlichen Urkun 
den schlossen Ratsmeister, Rat, Schöffen und Bürger
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.