Full text: Hessenland (41.1930)

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Avolj^Nlüller-Cassel, Gänsewiej e. 
in Rom und, wie gesagt, lange in Düsseldorf ge 
lebt; 1902 zog er in die Reichshauptstadt. Hat sich 
in ihm trotz aller Umtriebe in der großen Welt 
die Anhängigkeit an die hessische Heimat, dieser 
Lebensborn seines Wesens nie gemindert, sodaß 
dieser Weltmann von einem Künstler durchaus ein 
Hesse geblieben ist, so hat sich in ihm und in seinem 
Wirken auch ein Grundzug des Familiencharak 
ters bedeutsam offenbart, die Anlage zu einer- 
schöpferischen Tätigkeit, durch welche sein Lebens 
werk gewissermaßen zur Krönung des geistigen 
Schaffens einer bedeutenden hessischen Familie sich 
entfaltet hat. Denn die Wirkungen seiner Vor 
fahren sind nurmehr geschichtlich zu erfassen; seine 
Bilder aber haben im besten Gelingen eine Ge 
genwärtigkeit, die ohne Zweifel auch der Nach- 
welt manches zu sagen haben wird. 
Das I^ahl'sche Haus in KafselH. Von Bruno Jacob. 
Das Nahl'sche Hans an der Oberen König 
straße zu Kassel ist bekanntlich eines der reifsten 
Werke des norddeutschen Rokoko, vielleicht sogar 
das wertvollste dieser Architekturstücke überhaupt. 
Es besteht aber leider die Gefahr, daß es niederge 
legt wird, wenn nicht alle kulturell interessierten 
Kreise des Hessenlandes ihre Stimme erheben und 
wenn nicht JVittel und Wrge gefunden werden, 
das Grundstück der Bauspekulation zu entziehen. 
Denn es gehört zur Konkursmasse des Bankiers 
Georg Zahn, der es durch einen wenig durch 
sichtigen Kauf in der Inflationszeit aus den Händen 
eines Fräulein von Griesheim erwarb. *) 
*) Abbildung stehe Hessenland 1930 Nr. 5 Mai. 
Johann August Nahl (geb. 1710 zu 
Berlin, gest. 1781 zu Kassel) dessen Kunst das 
Schloß W ilhelmsthal zu jenem 
Schmuckkästchen feinsten Rokokos gemacht hat und 
der auch die Schlösser von Charlottenburg, Pots 
dam und Sansouci ausgeschmückt hat, erbaute sich 
gleich nach der Niederlegung der Festungswerke 
Kassels dies Haus i. I. 1771 nach den Plänen 
von Simon Louis du Ry und schuf selbst die 
Stückarbeiten der Front wie der Jnnenräume. Zu 
der Innenausstattung des Gebäudes gehören auch 
Gemälde, die, in Nischen eingelassen, einen inte 
grierenden Bestandteil des Hauses darstellen. — 
Leider ist ja schon längst die feinabgewogene Archi 
tektur der Gesamtanlage zwischen Königöplatz und
	        

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