Full text: Hessenland (41.1930)

307 
der gefunden haben, denn glücklicherweise find die 
Menschen noch nicht auögestorben, denen solche aus 
einem lebendigen Vollmenschentum gewachsenen 
Schöpfungen des Geistes dauernde Freude bereiten. 
Zu diesen Menschen hat auch Kaiser Wilhelm II. 
gehört, der seinerzeit eine „Gänsewiese" von Mul- 
ler-Cassel gekauft hat, um sie im Wilhelmshöher 
Schloß aufhängen zu lassen, damit er sie dort alle 
Tage vor Augen habe, und später noch eine „Thü 
ringer Landschaft". Einen „Thüringischen Bauern 
hof" hat der Herzog von Coburg-Gotha erworben, 
der dem Künstler auch die Goldene Medaille für 
Kunst und Wissenschaft verlieh, eine andere Land 
schaft, „Vor dem Dörfchen" betitelt, hängt in der 
Berliner National-Galerie, ein „Markttag am 
Wittenbergplaß" in Berlin" gar im Canadischen 
Museum zu Toronto. Hierbei mag erwähnt sein, 
ein hervorragender Jurist und nach der Annexion 
des Kurfürstentums Heffen-Kaffel durch Preußen 
Sachwalter des Kurfürsten Friedrich Wlihelm I. 
im Prozeß gegen Preußen. Der Großvater Le 
onhard Müller, als Architekt ein Schüler Küs 
sows, hat sich als kurhessischer Baurat besondere 
Verdienste um Hersfeld und um die Erhaltung 
der dortigen Stiftsruine erworben; an ihn als 
einen Ehrenbürger der Stadt erinnert ein Denk 
mal in den von ihm geschaffenen Stadt-Anlagen. 
Zwei Brüder dieses Baumeisters waren Maler 
und hießen merkwürdigerweise Beide mit Vorna 
men Friedrich. Der ältere, Professor an der Kas 
seler Kunst-Akademie, gehörte in Rom zu dem 
Kreis der Nazarener, der jüngere, zum Unterschied 
von ihm der Rote genannt, ist als Landschafter 
viel gerühmt worden, aber früh gestorben. Von 
Adolf Müller-Cassel, Skizzenblott. 
daß Müller-Cassel nicht mit eigentlichen Land 
schaften angefangen hat, sondern mit der Darstel 
lung großstädtischer Motive; seine eigentümliche 
Begabung für die Landschaft ist erst später zum 
Durchbruch gekommen. 
Übrigens entstammt Adolf Müller einer Fa 
milie, deren Glieder Generationen hindurch bedeu 
tende Rollen im hessischen Kunst- und Geistesleben 
gespielt haben. Der Vater, Julius Müller, war 
den Söhnen des älteren sind zwei als Journalisten 
in Kassel wirksam gewesen, und der ältere von 
diesen hat seine Begabung auf seinen Sohn Max 
Müller vererbt, der lange Jahre die „Kasseler 
Allgemeine Zeitung" redigiert hat; von den anderen 
Brüdern ist der eine Sänger, der jüngste Mönch 
geworden. Adolf Müller selbst, in Kassel am 2. 
August 1864 geboren, hat dort die Akademie be 
sucht, vieler Herren Länder gesehen, auch ein Jahr
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.