Full text: Hessenland (41.1930)

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punkte ist das Hospital, wie auch heute noch, aus der 
Stadtverwaltung herausgenommen und wieder einer 
besonderen ‘Kommission überantwortet, wie dies bis 
(800 ftiftungsmäßig geschah. Sofort setzen die erfor 
derlichen Arbeiten zur Verbesserung der Pospitalver- 
hältnisse ein. Eine Geschäftsordnung für die Verwal 
tungskommission wird beraten. Das Grund- und Ka 
pitalvermögen des Pospitals wird aufgenommen. Für 
eine „gehörige Beköstigung und Pflege" der Pospitali- 
ten wird Sorge getragen. Zu diesem Zwecke wird 
eine Pausmeisterin bestellt, der die gesamte Wirt 
schaftsführung des Pospitals obliegt. Doch damit ist 
nun keineswegs alles zur besten Zufriedenheit geord 
net. Die Klagen der Pofpitaliten gegen die paus- 
Meisterin wollen nicht verstummen. Endlich wird der 
allgemeine Wunsch: die Übertragung der Wirtschafts 
führung des Pospitals an barmherzige Schwestern, 
von der kurfürstlichen Regierung genehmigt. Am ich 
April \862 übernehmen die beiden Schwestern Domi 
nica Wieber aus Niederklein und Augustina Kind aus 
Fulda die innere Verwaltung des Pospitals. Bald 
erweist sich die Arbeit für die beiden Schwestern als 
zuviel. Am (Oktober ¡876 wird eine dritte und 
^900 eine vierte Schwester eingestellt. 
Bald ist das Pofpital wirtschaftlich so erstarkt, das; 
es sich selbst ohne Zuschüsse der Stadt finanziert. Das 
ist auch heute noch der Fall. Neben der verantwor 
tungsbewußten Arbeit der Pospitalverwaltungskom- 
Mission ist das in erster Linie der aufopferungsvollen 
Pingabe der den Pospitalhaushalt führenden barm 
herzigen Schwestern zu verdanken, die ihren Lebens 
zweck in der tätigen Pilfe und Fürsorge für die 
Armen und Kranken sehen. Seitdem ist Ordnung in 
die Anstalt und Wohlergehen bei den Pfleglingen im 
pause eingekehrt. Sparsamkeit und Fleiß der Schwe 
stern haben die Leistungsfähigkeit der Anstalt gehoben. 
Sie fühlen sich allezeit als eine Gemeinschaft mit de» 
Pfleglingen. So konnte auch durch Zusammenarbeit 
mit denselben die Landwirtschaft für die Bedürfnisse 
der Anstalt voll ausgenutzt werden. 
Das Statut des Pospitals erhielt ^924 nach den 
Auswirkungen der Inflation eine neue Fassung. Als 
Zweck der Anstalt wird fetzt angegeben, alte unbe 
scholtene Leute, ohne Rücksicht auf die Konfession, aus 
Stadt und Kreis pünfeld aufzunehmen. 
Die beiden Wintervorträge des Vereins erfreuten sich 
eines recht guten Besuches. Es waren äußerst leben 
dige Geschehnisse aus der Väter- und Vorväterzeit, die 
in beiden Vorträgen erzählt wurden. Lokalgeschicht- 
lich interessiert unter anderem auch die Aufzählung der 
Männer mit alten pünfeldern Familiennamen, die im 
vergangenen Jahrhundert als hessische Landstände und 
Deputierte, als Senatoren und Pospitalsvorstände, als 
pandwerker und Geschäftsleute mitten in den, in den 
Vorträgen behandelten Ereignissen standen. 
Das Programm der Veranstaltungen des neuen 
Jahres steht noch nicht fest. Die Ortsgruppe wird 
aber sich bemühen, wie im abgelaufenen Jahre 
ihren Mitgliedern auf geschichtlichen Exkursionen und in 
Abendveranstaltungen interessante geschichtliche Ereig 
nisse aus unserer engeren Peimat vorzutragen. 
Ortsgruppe Arankenberg (($)♦ 
Die (Ortsgruppe hielt im verflossenen Jahre vier 
Versammlungen ab, von denen drei Vortragsabende 
waren. Dem ersten Vortragsabend lag das Thema 
„Familienforschung und Familienstammbaum" zu 
grunde. Der Referent (Lehrer Fritz Pimmelmann- 
Rosenthal) gab zunächst eine Übersicht über Ziele und 
Wege der Familienforschung überhaupt, ging dann vor 
allen Dingen auf die Schwierigkeiten der Forschung, 
insbesondere in die ältere Zeit bis ^500, ein und be 
leuchtete die einzelnen (Ouellen (Kirchenbücher, Fami 
lienchroniken, Akten der örtlichen Gemeinde usw.) in» 
bezug auf ihren Wert als Nachweismaterial. Im 
zweiten Teile seines Vortrages brachte der Vortra 
gende ein Beispiel und die Ergebnisse einer zweijäh 
rigen Forschung: den Familicnstammbaum seines 
Schwiegervaters (Pappel-Rosenthal). Ls war gelun 
gen, die Gcnerationsfolge bis tief in den 30jährigen 
Krieg zu finden, von da ab liegt Dunkel über der Fa 
miliengeschichte: nur Mutmaßungen ohne Beweise. 
Reichen Beifall erntete der Redner, die anschließende 
Aussprache brachte noch manches Wertvolle und rückte 
die hohe Bedeutung der Familienforschung überhaupt 
auf den ihr gebührenden Platz. — Der zweite Abend 
war mehr geschäftlicher Natur, an ihm fanden Be 
richte über die Jahreshauptversammlung und Bespre 
chungen über die kommende große Versammlung in 
Marburg (7. bis \2. Sept. 30) ihre Erledigung. 
Reichlicher und wertvoller 'gestalteten sich die letzten 
beiden Versammlungen, die beide bis auf den letzten 
Platz besetzt waren. Der in Aussicht gestellte Licht 
bild-Vortrag „Frankenberg im Mittelalter", hatte das 
Interesse weiterer Kreise erregt und außer den Mit 
gliedern eine Reihe von Gästen hinzugeführt. Unser 
jüngstes Mitglied (damals noch Oberprimaner) peinz 
Mentzcl-Frankenberg war vor seiner Absolvierung der 
Edertalschule mit großer Liebe und emsigen Studie» in 
die Vergangenheit seiner Vaterstadt eingedrungen und 
hatte aus Akten, Schriften, Bildern, Urkunden der 
Archive, sowie aus mündlichen Überlieferungen, Er 
zählungen und Sagen, viel wertvolles Material zu 
sammengetragen. Wegen des großen Umfanges des 
Stoffes konnte die Darbietung nur in zwei Vorträgen 
erledigt werden. Es würde hier zu weit führen, auf 
Einzelheiten näher einzugehen. Mögen hier nur ein 
zelne Gliederungspunkte angegeben werden: Das 
Alter Frankenbergs, Frankenberg in: ersten Jahrhun 
dert nach seiner Gründung, Kunst und Künstler, 
Zünfte, Wirtschaft und Reichtum, der wirtschaftliche 
Niedergang gegen Ende des Jahrhunderts und im 
(5. Jahrhundert, Stadtrecht und Verfassung im aus 
gehenden Mittelalter. Zum Vortrage selbst hatte 
perr Meutzel 60 photographische Ausnahmen herge 
stellt, die mit pilfe der Kreislichtbildstelle Frankenberg 
fast durchweg in Lichtbilder umgewandelt wurden. 
Daneben konnten reichliche Bilder, Karten, Schrift- 
auszüge usw. auf die Leinwand projiziert werden. 
Alles in allem: Vortrag und Lichtbild haben ihren 
Eindruck nicht verfehlt. Mögen auch künftighin in 
unseren Vortragsabenden Wort und Bild dazu beitra 
gen, immer tiefer in das Werden und Sein unserer 
peimat einzudringen und Liebe und Vertrauen zu ihr 
weiter pflegen. Denn gerade diese beiden Abende 
haben der Ortsgruppe gezeigt, daß ein interessanter 
Stoff allein noch lange nicht die Anziehungskraft be 
sitzt, die das Bild als Pilfe mit sich bringt. Die 
wertvolle Bildseric ist in das Eigentum der Kreis 
lichtbildstelle Frankenberg übergegangen, die die Per 
stellung finanziert hatte. 
Die Ortsgruppe zählt zur Zeit 30 Mitglieder, 
darunter 2 korporative. 
Ortsgruppe Kirchhain. 
Ein Bericht ist nicht erstattet worden.
	        

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