Full text: Hessenland (41.1930)

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Ehemaliges Bencdiktinerkloster (jetzt Schulgebäude der Staatl. Aufbauschule). 
Phot. PH. u. W. Freund, Schlüchtern und Gelnhausen. 
Kreise weniger der Fall, und so finden wir vielfach, 
daß die Grenzlinien dieser Verwaltungsbezirke nicht 
nur alte Territorien willkürlich zerschneiden, son 
dern auch ein buntscheckiges Gemisch der verschie 
densten Herrschaftsgebiete umschließen. 
Auch der Kreis Schlüchtern ist, wie viele andere 
Kreise und namentlich seine beiden Nachbarn, die 
Kreise Gelnhausen und Hanau, mit denen er von 
1821, bezw. 1830 bis 1866 die knrhesfische Pro 
vinz Hanau bildete, kein Bezirk mit einheitlicher 
geschichtlicher Entwickelung, sondern eine lediglich 
im Interesse der Landeöverwaltnng ins Leben ge 
rufene Zweckschöpfung und begreift politische und 
historisch gewordene Bestandteile mannigfaltiger 
Art in sich, die dem Fernstehenden nicht ohne wei 
teres ins Auge fallen und verständlich find. Eö soll 
deshalb in Nachfolgendem versucht werden, etwas 
Licht in diesen scheinbaren Wirrwarr zu bringen. 
Über die Urzeit des Kreiögebieteö liegt allerdings 
noch ein dichter Schleier, der bis jetzt nur in unzu 
reichender Weise gelüftet wurde. Die Entdeckung 
verschiedener prähistorischer Gräber sowie einige 
Funde von Werkzeugen und Waffen lasten jedoch 
vermuten, daß auch unser Kreis bereits von der 
jüngeren Steinzeit ab bewohnt war. Immerhin 
können es nur spärliche Siedlungen längs der alten 
Verkehrswege gewesen sein, in denen Menschen der 
Stein-, Bronze-, Hallstatt- und La Töne-Zeit 
hausten. 
Wahrscheinlich war das Kreiögebiet, das ja 
landschaftlich gänzlich in die mitteldeutsche Gebirgs- 
schwelle und in die Silva Bacenis hineinfällt, noch 
im Anfange der geschichtlichen Zeit eine Wald 
wüste, in der sich auch die Germanen, als fie von 
Norödeutschland aus jene Gebirgöschwelle über 
schritten und die Kelten zurückdrängten, sicherlich 
nicht in größeren Verbänden niederließen. 
Nachdem dann die Römer das untere Mam- 
land und die Wetterau besetzt und durch den Limes 
gesichert hatten, wurde auch unser Gebiet in die ge 
waltige Odgrenze einbezogen, die zum weiteren 
Schutze vor germanischen Angriffen vor den Limes 
gelegt wurde und das ganze Vogelsberg- und Spes 
sartgelände umfaßte, ja mutmaßlich sogar bis nach 
Fulda gereicht haben soll. Die Römer sahen diesen 
Odgrenzgürtel als ihr Interessengebiet an und dul 
deten in ihm keine Ansiedelungen, wenn sie selbst 
darin auch mancherlei Spuren hinterlassen haben. 
Erst als die Alemannen im Z. Jahrhundert n. 
Eh. im Mainlande erschienen, mögen Ansiedler 
auch in unser Gebiet eingedrungen sein; denn der 
Name der Kinzig ist sicher alemannisch, gibt eö 
doch im Schwarzwalde, dem jüngeren SiedelungS- 
gebiete dieses Volkes, einen Fluß gleichen Na 
mens. Ebenso dürfte der Name Steinau (Stei- 
nahi) alemannischer Herkunft sein und dem ale 
mannischen Steinach entsprechen. Eö war wahr 
scheinlich der Stamm der Bucinobanten, der sei 
nen Namen ja von seinem Wohngebiete, der 
Buchonia, dem Buchenlande, führte, der sich hier 
und in den benachbarten Gebieten niedergelasten 
hatte. Durch unser Gebiet lies sogar ein Stück der 
Grenze zwischen den alemannischen Teilkönigrei- 
chen des Makrian und des Hariobaud von der 
Iosta über den Bellinger Berg und den Ohl das 
Steinaubachtal hinauf, die dann nicht nur 
Saalegau und Wetterau, sondern auch die Fran- 
cia orientalis und die Francia Rhenenfis, ferner
	        

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