Full text: Hessenland (41.1930)

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barvorfe Äcnborf, Henne Ostheim uno Werner 
Beur. 
Diese wurden nach den Formen des damaligen 
Prozesses eingehend vernommen und bestätigten oie 
Angaben der Gemeinde Singlis: die Vernehmung 
fand vor dem Sekretarius Haxthausen am 21. Mai 
1668 statt. 
Nach verschiedenen Verhandlungen, in denen 
anscheinend nocbmals auf gütliche Einigung hin 
gewirkt war, erging am 20. Februar 1669 der 
Konststorialbescheid dahin, daß die Felsberger nach 
dem Vorschlag den Singlisern ihre kleine Glocke 
an Stelle der andern geben und noch 17 Rthlr. 
außer den bereits bezahlten 83 Rthlrn. zuzahlen 
sollten. 
Unter dem 12. Marz 1669 stellten beide Teile 
— für Singlis Pfarrer Notarius, für Felsberg 
Bürgermeister Eubel und Ratsverwandter Jo 
hannes Seidelmann — Reverse aus, worin sie sich 
gegenseitig zur Einhaltung des Bescheides ver 
pflichteten. 
Zum Schluffe schreibt dann noch Pfarrer No 
tarius nachrichtlich: 
P. S. Nach Erhaltung dieses Bescheidts 
vom Fürst!. Confistorio zu Caßel habe ich neben 
Castenmeister Curt Malckus, Hans 
undt Philips Werner den Befehl ahn Pfr. 
sambt Br. und Rath (welche dazumahl auf 
vem Rathhause zu Felsberg zusammen) insi- 
nuiret welche dan intentissime ahngehalten, wir 
selten ihnen die 17 Rthlr zu Behuf einer andern 
Glocken verehren undt schenken, weswegen wir 
auch in Ansehnung der Stadt, weiln sie in 2 
Jahren 2 Glocken aus ihrem Thurn haben 
müßen herausgeben, wihr dehnen Felspergern zn 
Behuef einer anderen Glocken 6 Rthlr ge 
schenkt und 1 Rthlr dehnen Felspergern, welche 
uns dieselben von dem Thurn hergehohlet und 
gelanget, seindt also mit gutem accord von FelS- 
perg den Sonnabend nemblich den 13. Martii 
abgezogen und gegen Abent gen Sünglisch ahn- 
komen mit großem frolocken, daß sie den folgentS 
die Woche hernach zu unßerm Thurn aufge- 
hengt ist worden, der Allerhöchste wolle seine 
Kirche für feind und fewers noth behüten und 
uns sembtlich geben, was nützlich und gut sei, 
hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. 
Singlis, 14. Martii 1669. Johann 
Notarius. Curt Malckus, Casten 
meister. Hans Norwig, Philips 
Werner, Vorsteher zu Sünglis. 
*) Die andere war eine Glocke der Gemeinde Lohne. 
Notiz: Die Zinsen des Glockenkapitals bezog der Pfarrer 
auf Derwilligung des Conststoriums vom Zabre 1690. 
Ein einzigartiges Naturdenkmal. Drei junge Störche im alten Nest. 
Von der Zweigstelle Homberg der Vogelwarte 
Helgoland wird geschrieben: 
Wenn man von Kassel nach Fritzlar das Dörf 
chen W e r k e l auf seiner Wanderfahrt berührt, 
dann steht man zur linken Hand nahe an dem 
Hause der Witwe auf einer alten knorrigen 
Weide das Nest Adebars. Eine Seltenheit sonder 
gleichen ist dieses schöne Naturdenkmal. Frau Mey, 
die alles beobachtet, weiß genau, wann ihr Nachbar 
aus dem fernen Süden zurückkehrt: auch kann sie 
über ihre Beobachtungen allerlei erzählen. Die 
ganze Gemeinde wacht mit großem Interesse, daß 
ihren Dorfgenossen kein Leid geschieht. Dies konnte 
man Pfingsten feststellen, als die Beringung der drei 
jungen Störche vorgenommen werden sollte. Nach 
der Beringung würden einige Aufnahmen gemacht, 
und dann wurden die Kleinen in ihre Wohnung zu 
rückgebracht. Die Störchin hatte auf einer nahen 
Tanne ihren Beobachtungüposten eingenommen und 
erschien nach wenigen Mmnten wieder auf ihrem 
Posten im Nest. 
Die Störche führen ein sehr interessantes Fami 
lienleben. Gegen Mitte bis Ende April findet man 
das Gelege vollzählig und nach 28 bis 31 Tagen 
abwechselnden Brütens kriechen die Jungen aus. 
Der Hauptanteil fällt der Störchin zu, während 
das Männchen für Nahrung sorgt. Sind die 
Jungen ausgeschlüpft, dann werden sie vom ersten 
Tage an schon an das Aufnehmen des Futters ge 
wöhnt. Auch wird das Nest nie von beiden Stor- 
cheneltern verlassen; in der Regel ist es das Weib 
chen, das mit der größten Wachsamkeit über ihre 
Kinder wacht. Wenn die Sonne sehr stark scheint 
und ihre brennenden Strahlen auf die Jungen 
wirft, dann stellt sich das Weibchen so, daß ihre 
Kleinen im Schatten liegen. 
Jetzt kommen wir aber an den wichtigsten Punkt 
der ganzen Sache: 
unser Storchennest ist in großer Gefahr, 
da Witterungseinflüsse den Nestträger fast zer 
mürbt haben und durch einen Sturm sehr leicht das
	        

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