Volltext: Hessenland (41.1930)

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Grund eingetriebener Eisenrohre Betonsäulen gebaut, 
die in einen: bestimmten Abstand zu einander dem 
Oberbau nunmehr eine kräftige Stütze bilden. Die 
oberen Enden der Betonsäulen, die auf beiden Seiten 
der Mauer in die Erde eingebaut sind, greifen in die 
zu diesem Zwecke ausgezahnte Grundmauer. Die 
Betonsäulen reichen durch den Kiesboden hindurch bis 
auf den festen Lettengrund so daß nach den neuesten 
Erfahrungen alles getan ist, um den außerordentlich 
schönen und kunstgeschichtlich wertvollen Teil der Burg 
zu erhalten. Außer diesen Unterfangungsarbeiten am 
Kallas wurde die Stützung durch einen Strebepfeiler 
aus Beton vervollständigt an einer Stelle, wo das 
alte Maucrwerk überhaupt keine Rostgrundlage hatte. 
Zn nächster Zeit wird der vortragende weitere Gra 
bungen vornehmen, um die Reste der östlichen Ab 
schlußmauer des Pallas und des im östlichen Teil der 
Anlage vorhandenen Restes einer runden Mauerung 
— ob Turm oder Brunnenanlage — näher zu unter 
suchen. 
Zn der Besprechung stellte Oberstleutnant von 
Earlshausen die vielfach vorhandene, irrige Einnahme 
von der Verwendung von Baumaterial aus der Burg 
beim Bau des v. Earlshausenschen Besitztums in 
Altenhaßlau dahin richtig, daß es sich um Abbruch 
material alter, nicht zum Palast gehöriger Baulich 
keiten gehandelt habe. — Bürodirektor Kreuter machte 
ausmerksam aus ein altes, in der Umgegend vorhan 
denes Bild, auf dem die Burg mit einem kleinen 
Rundturm im östlichen Teil der Anlage dargestellt ist. 
Für den mit lebhaften Beifall aufgenommenen Vor 
trag dankte Rektor Kaufmann und bat den vortra 
genden um weitere Unterstützung bei den Staatsbehör 
den in der Unterhaltung dieses geschichtlichen Denk 
mals, besonders würde es der Zweigverein begrüßen, 
wenn der Eintritt zur Besichtigung der Burg für 
Schulkinder im Znteresse des heimatkundlichen Unter 
richts ohne Bezahlung gestaltet würde. Rektor Kauf 
mann teilte ferner mit, daß Katasterdirektor pölzer- 
kopf, fetzt zu Koblenz, dem Zweigverein eine Samm 
lung von Zeitschriften und Zeitungen aus den Zähren 
des Weltkrieges in dankenswerter Weise gestiftet habe, 
durch die die bisherige Sammlung von Briefen und 
Karten Gelnhäuser Weltkriegsteilnehmer wesentlich er 
weitert werde. Innerhalb des Zweigvereins hat sich eine 
aus den perren Kreuter, Frey und Drusche! bestehende 
Gruppe für Familienforschung gebildet, die mit der 
Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und 
Waldeck in Kassel in Verbindung steht. 
6 . Uber den in der Monatsversammlung vom 3. 
März J930 von Oberstleutnant von Earlshausen- 
Altenhaßlau gehaltenen Vortrag über den kurhessischen 
Geheimrat Buderus v. Earlshausen, den der Redner auch 
in anderen Zweigvereinen hielt, ist bereits dort be 
richtet worden. — Lehrer Drusche! machte aus einige 
Reuerwerbungen für das Heimatmuseum aufmerksam: 
ein auf polz aufgezogenes Mitgliederregister der Geln 
häuser Schuhmacherzunft aus den ^830er Zähren, 
Stahlstiche hessischer Städteansichten, ein Amulett mit 
den Segen verschiedener peiligen, in wasserdichten 
Umschlag enthaltene sarbige wundertätige Teilchen 
aus Tier- und Pflanzenreich, die aus dem früheren 
pofrockschen pause am Ziegelturm stammen. — perr 
Zoh. Kreuter machte Mitteilung von der Auffindung 
der Fundamente eines alten Turms, wahrscheinlich des 
in Urkunden mehrfach vorkommenden alten Turms, 
der sich an der Stadtmauer am alten Graben befand, 
und Zuschriften, die gelegentlich der Kinzigregulierung 
und Abdämmung der Burg entdeckt wurden. 
7 . Monatsversammlung am April 1930 . Nach 
dem der Vorsitzende, Rektor Kaufmann, die zahlreich 
Erschienenen begrüßt hatte, hielt perr Zulius Frey 
einen Vortrag über die in der zweiten pälfte des ^8. 
Zahrhunderts in Gelnhausen tätig gewesenen preußi 
schen und österreichischen Werbekommandos. Beide 
Teile hatten nach Beendigung des siebenjährigen 
Kriegs das Bedürfnis nach Vervollständigung ihrer 
peere und sandten deshalb Werbekommandos überall 
hin, um neue Truppen ihren peeren zuführen zu 
können. Die (Österreicher hatten allein von 39 deut 
schen Regimentern Werbekommandos ausgeschickt. 
Gelnhausen wurde als Sitz der Komanndos wohl des 
halb ausersehen, weil es damals noch freie Reichs 
stadt und eine kleine Residenz (der Pfalzgrafen von 
Zweibrücken-Birkenfeld) war. Ls sind dann aus der 
Gelnhäuser Gegend auch zahlreiche Anwerbungen er 
folgt. Da den Angeworbenen gestaltet war, Familie 
mit zur Truppe zu nehmen, wurden damals viele 
Trauungen in Gelnhausen geschlossen und durch die 
Eintragungen im Kirchenbuche sind viele Namen der 
Brautleute und Trauzeugen erhalten geblieben, aber 
auch Angehörige der Werbekommandos fanden hier 
ihre Ehefrauen und hielten hier ihre Trauung ab. Als 
Angehörige der Werbekommandos werden u. a. ge 
nannt Kapitän de pallavicini, Frhr. v. Strutz v. 
Stympel, Graf zur Lippe-Biesterfeld, Gberlt. v. Zanda, 
Oberst. v. Monegatta, Unteroff. David Frey, v. Mas 
senbach, von den preußischen v. Dolne, Fabritius. Der 
vortragende hat eine sehr eingehende und erfolgreiche 
Forschung auf diesem Gebiete entwickelt. Um die 
verworrene Rechtsgeographie der damaligen Zeit in der 
Gelnhäuser Umgegend zu kennzeichnen, hatte er eine 
farbige Karte der Gegend angefertigt, in der nicht 
weniger als ^5 Landesherren und Rechte verzeichnet 
sind, dazu in der Mitte Gelnhausen als freie Reichs 
stadt an die Grafen von panau verpfändet. Die Zu 
hörerschaft folgte mit großer Spannung den Ausfüh 
rungen des Redners, dem Rektor Kaufmann herzlich 
im Namen des Zweigvereins dankte. Anschließend 
machte perr Kreuter auf die für Gelnhausen wich 
tigen Akten im österreichischen Reichsarchiv in Wien 
aufmerksam, die eine noch unerschlossene, reiche Ge 
schichtsquelle für Gelnhausen darstellen und durch 
Erschließung ein recht erfolgversprechendes Betäti 
gungsfeld für den Forscher sein würde. Leider kann 
das Studium nur an Ort und Stelle erfolgen, weil 
die Akten nicht versandt werden. — Rektor Kaufmann 
zeigte eine ihm zur Ansicht geschickte Bronzemedaille 
mit dem Bild des in Gelnhausen geborenen bayerischen 
perzogs vor, die zu erwerben beschlossen wurde. 
Lehrer Drusche! verlas eine Eingabe des Burg 
mannen Abraham pirsch an den perrn Gremp von 
Freudenstein um Erlaß einer Abgabe und dessen Ent 
scheidung in dieser Angelegenheit und eine Anweisung 
ini Auftrag des Generals Kellermann, die auf Papier 
aus der in Gettenbach in Betrieb gewesenen Papier 
fabrik von Katz ausgestellt war, und kam auf die Pa 
pierindustrie in der Gelnhäuser Gegend zu sprechen, 
die in Gelnhausen, Gettenbach, Steinau betrieben 
wurde. Aber die Glas- und Kleineisenindustrie, die 
aus der Gelnhäuser Gegend gänzlich verschwunden 
sind und sich nach Schmalkalden und Thüringen ver 
zogen haben, sprach Rektor Kaufmann. — Pfarrer 
poffmann bereitete der Versammlung eine kleine feier 
liche Stunde durch Vortrag von Gedichten seiner ver 
storbenen Frau, welche in dem Gnadhelm- puttener 
peimatblatt, das er während seiner dortigen Amts 
zeit herausgab, erschienen sind.
	        

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