Full text: Hessenland (41.1930)

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bis zum Tode Napoleons. Die in Marburg unglück 
lich verheiratete Thriftiane Eleonore von Wurmb 
trennt sich von ihrem Gatten, nach dessen Tod sie sich 
in Paris mit dem Grasen von Maupeou vermählt. 
Nach ihrem Tod (J 770 ) zieht sich ihre Tochter Friede- 
ricke zunächst als Pensionärin in ein Kloster zurück, 
nimmt später lebhaften Anteil am gesellschaftlichen 
Leben in Paris, wird aber dann, durch die Ncvolution 
aus Paris vertrieben, Erzieherin am Pose des Her 
zogs Maximilian von Psalz-Zwcibrücken; sie stirbt 
s 826 als Gberhofmeisterin des perzogs von Leuchten 
berg in München. Auch die Schicksale ihrer hessischen 
Brüder sind eng mit dem ihren verbunden. Das Buch, 
das sich wie ein Roman liest und mehr als siebzig 
Jahre deutschen und französischen Kulturlebens auf 
dem pintcrgrund des großen historischen Geschehens 
sich vor uns abspielen läßt, sei allen hessischen Lesern 
warm empsohlen. Pb. 
Ehristian Waas, Siegfried Schmid 
aus Friedberg in der Wetterau, der 
Freund pölderlins ^ 859). p epische 
Volksbücher herausgegeben von Wilhelm Diehl 66 bis 
69. Darmstadt Selbstverlag des Perausgebers J928. 
VI, 309 S., 3 Tafeln 8°. 3.50 Mark, geb. ^.50 Mark. 
Gbwohl wir es bei Siegfried Schmid durchaus mit 
einer Größe zweiten Ranges zu tun haben und von 
seinen Werken nur Wenige Kenntnis haben, ist eine 
Darstellung seines Lebenslanges kein müßiges Unter 
nehmen. Ist doch Schmid geradezu ein Typus der 
,Forcierten Talente" des ausgehenden t.8. Jahrhun 
derts. Seine Beziehungen zu Schiller und pölderlin, 
die vielen Wechselfälle seines Lebens und sein bei 
allen Eigenheiten vornehmer Charakter laden gleicher 
weise zu einer Schilderung ein. Mit glücklichem Spür- 
Personalien. 
sinn und mit unendlicher Mühe und Geduld hat Waas 
den weitverzweigten Stoff zusammengetragen und in 
lebendiger Darstellung zu einem anschaulichen fesseln 
den Bilde seines Pelden und dessen Umgebung gestal 
tet, ohne je der Gefahr zu erliegen, dessen Person 
zu überschätzen. Da viel neues Material herangezo 
gen ist — neben einigen noch unveröffentlichten Brie 
fen und Aktenauszügen wird zum ersten Male 
Schmids Silhouette aus einem der Gießener Univer 
sitätsbibliothek gehörenden Stammbuche veröffent 
licht —, findet nicht nur der pistoriker und Germanist 
von Fach allerlei Belehrung, sondern auch jeder 
Freund der heimischen Geschichte wird an dem schmuk- 
ken Bändchen seine Freude haben. Erstehen doch z. B. 
die letzten Jahre der alten freien Reichsstadt Fried 
berg wieder plastisch vor unseren Augen und werden 
wir bei der Beschreibung des weithin bekannten Spi 
tals Paina daran erinnert, wie schlimm es damals 
noch um die Pflege Gemütskranker bestellt war. Auch 
zur Geschichte der Universität Gießen erfahren wir 
allerhand neues, besonders über den bekannten Stu 
dentenauszug vom Juli t 792 und die Besetzung der 
Professur der Eloquenz im Winter ^oo/oj. Lin 
reichhaltiges erläuterndes Register ermöglicht es, den 
reichen Stoff des Bandes bequem auszuschöpfen, von 
dem sein Verfasser in der Vorrede viel zu bescheiden 
urteilt. G. Lehnert-Gießen. 
Die vier s 0 l in s i s ch c n Archive in der 
Wetterau, Braunfels, Lich, Laubach und Afsenheim, 
sind setzt seit Juni ^930 vereinigt in eine Zentral 
stelle der solmsischen Archive in der Wetterau, Mar 
burg (Lahn), Lothringer Str. 20. Alle Anfragen sind 
nicht mehr an die beteiligten Rentkammern zu richten, 
sondern an die oben genannte Zentralstelle. 
80. Geburtstag von Metropolitan Kltmüller. 
Um 18. Juni beging Perr 
Metropolitan Rltmüller 
im Stadtteil Wilhelmshöhe 
(Kassel), Landgraf Karlstr. 8 
die Feier seines 80. Geburts 
tages und konnte, körperlich 
und geistig noch außerge 
wöhnlich rüstig, auf ein reich 
gesegnetes Leben zurück 
blicken. Groß ist die Zahl sei 
ner Verehrer, die er sich durch 
seine herzensgute Freundlich 
keit und pilfsbereitschaft er 
warb, die ihm ihre Glück 
wünsche darbrachten. Lr 
wurde am 18. Juni 1830 in 
Solz, woselbst sein Vater als Pfarrer tätig war, geboren, 
kam später mit seinen Eltern nach pomberg und Breite- 
nau, studierte Theologie, wurde 1875 Pfarrer in Völkers 
hausen bei Wanfried, kam 1882 nach Geismar bei Fritzlar 
und 1902 als Metropolitan nach Gudensberg. Pier ver 
blieb er bis zum Jahre 1918 und trat sodann in denRuhe- 
stand. 1925 konnte er mit 
seiner Gemahlin, einer Toch 
ter des Taubstummeninspek 
tor Schafft in pomberg, die 
goldene pochzeit feiern (siehe 
Bild). Der Ehe entsprossen 
fünf Kinder, zwei Sohne und 
drei Tochter, von letzteren 
sind zwei auch an Pfarrer 
verheiratet. Vreifeiner direk 
ten vorfahren waren Pfar 
rer, davon Vater und Groß 
vater Metropolitane. Der 
Dichter unseres so ergreifend 
schönen pessenliedes: „Ich 
weiß ein teuerwertes 
Land " war der Gnkel des Geburtstagskindes, das auch 
mit seltener Treue an seinem pessenlande hängt, es 
nach allen Richtungen frohgemut durchwandert hat, dies 
heut noch tut, und oft schriftstellerisch seiner geliebten 
peimat gedachte. Gott segne feinen ferneren Lebensabend. 
Th. Schäfer 
Photo-Melier 2. Lberth, Kassel
	        

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