Full text: Hessenland (41.1930)

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dreißiger Jahre nachweisen ließen. Es ist wohl 
eher ein Ausdruck des damals allgemeingültigen 
Zeitstiles, welcher auch in Dielmanns Bildern zum 
Durchbruch kommt und der gleichzeitigen Kunst in 
München (Lier, Schleich, Spitzweg), in Berlin 
(Blechen), in Hamburg (Ruths) und in Düsseldorf 
(Burnier) die gleichen Tendenzen verleiht. In 
Frankfurt ist es wie gesagt zuerst Dielmann ge 
wesen, bei dem sich eine neuartige Erfassung des 
Landschaftlichen eindeutig zeigt; vor allem in den 
Bildern aus den fünfziger Jahren tritt dies klar in 
Erscheinung. Die Motive interessieren jetzt den 
Künstler weniger durch ihre Gegenständlichkeit, 
sondern das Thema wird — echt malerisch — zum 
bloßen Anlaß einer rein tonig-farbigen Gestaltung, 
bei der die Wirkungen von Licht, Schatten und 
Reflexen auf den Gegenständen das eigentliche 
malerische Problem ausmachen. In den Land 
schaften dieser Epoche, mit denen Dielmann zugleich 
die neue Art des Sehens und Auffassens land 
schaftlicher Vorwürfe mit dem besonderen Charak 
ter der Frankfurter Kunst in eine enge Verbin 
dung gebracht hat, liegt wohl auch die bleibende, ge 
schichtliche Bedeutung des Künstlers. Bei aller 
malerischen Beweglichkeit aber blieb seine Arbeits 
weise exakt und in gewissem Sinne mühevoll, sodaß 
er oft an bereits vollendeten Bildern aufs neue 
Korrekturen vorgenommen hat. Darum ist wohl 
auch die Anzahl der erhaltenen größeren Ölgemälde 
nicht sehr groß. 
Die meisten von Dielmanns Bildern befinden 
sich heute in Frankfurter Privatbefitz, mehrere von 
ihnen find in die Städelsche Galerie gelangt 
(„Burgtor der Ruine Eppstein" (1858), „Motiv 
aus Aßmannshausen" (1858), „Stadttor von 
Münzenberg", „Hessischer Dorfweg"). Minde 
stens ebenso starke Neigung wie für die Ölmalerei 
hatte der Künstler für das Aquarell, das seiner 
minutiösen Art sicher auch technisch besonders ent 
gegenkam. Manche von Dielmanns Aquarellen 
gehören sogar zu dem Schönsten, was uns das 
19. Jahrhundert in dieser Maltechnik überliefert 
hat. Im Städel befindet sich wohl jetzt das Meiste 
davon. So die dreißig Aquarelle mit Ansichten 
von Frankfurt, welche in den Jahren 184z—45 
entstanden sind und die zu einem, im Verlag von 
Karl Jügel 1845 erschienenen Album von Frank 
furt in Stahlstichen Verwendung gefunden haben. 
Weiterhin ist der etwa zweihundert Blatt um 
fassende Nachlaß an Zeichnungen und Aquarellen 
Bauer aus Wallau, Bez. Wiesbaden 
Aquarell von Dielmann 
nach des Künstlers Tode in den Besitz des Städel- 
jchen Kupferstichkabinetts übergegangen. Man 
kann aus dieser geschlossen gebliebenen Sammlung 
die mannigfache Begabung Dielmanns für die ver 
schiedenen Techniken der Handzeichnung erkennen,
	        

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