Full text: Hessenland (41.1930)

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230&£; ein hessischer Dichter. 
Ein rechtes Sonnenkind ist Friß Bode. Aus 
seinen Schriften und Dichtungen lacht dem Leser 
überall Heller Schein und lachende Herzensfreude 
entgegen; in freundlichstem Lichte erstrahlen Hei 
mattreue, Burschenlust und ewige Liebe. Sind 
Bodes Gedanken auch nicht himmelstürmend und 
seine Gedichte nur einfach und schlicht, so ist doch 
alles von Bode Geschaffene tief empfunden, ergrei 
fend und darum echt und wahr. Die neuere Zeit 
hat bekanntlich in Malerei, Bildhauerei, Musik 
und Dichtung Gebilde hervorgebracht, vor denen der 
Beschauer, Hörer oder Leser kopfschüttelnd stehen 
mußte und noch stehen muß, vor denen aber Zei- 
tungö-Kunstberichterstatter die Knie gebeugt und die 
Kunstbegeisterten oder Kunstbeflifsenen glauben ge 
macht haben, alles andere sei „Kitsch"! Was gilt 
heute noch bei ihnen Rudolf Baumbach, was ist 
heute noch Viktor Scheffel mit seinem „Trompeter 
von Säkkingen", was Gottfried Kinkel mit „Otto 
der Schütz", was Julius Wolff mit seinem „Wil 
den Jäger" oder „Rattenfänger von Hameln"?! 
Und doch, haben nicht tausende und abertausende 
kunsthungrige Menschen ihre helle Freude an diesem 
lieblichen Kunstschaffen gehabt, haben sie nicht in 
trüben Lebenstagen gerade durch diese Bücher 
Sonne ins Haus bekommen? 
Wir Hessen können stolz darauf fein, in Fritz 
B o d e einen Dichter aufweisen zu können, der 
immer seinen eigenen, ebenen, den obengenannten 
Dichtern vergleichbaren Weg gegangen ist und aus 
dem Füllhorn seiner Kunst Blüten gestreut hat, 
deren Duft Labsal geworden ist für zahlreiche 
Kattenherzen, aber auch für manche verwandte 
Seelen des großen deutschen Vaterlandes. Denn 
unaufdringlich, aber meisterhaft quellen seine für 
Ohr und Herz gleich wohltuenden Gesänge hervor 
wie das Morgen- oder Abendlied einer sommer 
seligen Schwarzamsel. 
Wie lieblich lautet gleich der Anfang des ersten 
Sanges „Bilstein" (Leipzig, Verlag von Georg 
H. Wiegand, 1883): 
Ein würzig Duften wogte durch die Welt, 
Der weiße Frühlingsgott, der leuchtende 
Entwandelte den gold'nen Hallen Asgards 
Und zog mit leisem Schritt durch Wald und Au'. 
Und unter seinen Füßen regte stch'ö 
Von wunderbarem Leben und Erblühn. 
Da wachten all' die Blumen auf, die kleinen, 
Die holden Frühlingskinder. Zaghaft fast 
Lugt eine nach der andern aus dem Gras, 
Als wollte sie mit Vorsicht erst erkunden, 
Ob wirklich ihre Zeit gekommen sei. 
Von Johann Lewalter. 
Da hört sie schon die bunten Freunde fingen, 
Die ersten heimgezog'nen Wandervögel, 
Star schon und Drossel, Fink und Heidelerche, 
Da steht sie rechts und links und über sich 
Die Waldesbäume grüne Blätter treiben, 
Da summt ein Bienlein ihr um'ö Angesicht 
Und sucht den Kuß ihr auf den Mund zu drücken, 
Da fühlt so warm sie einen Sonnenstrahl, 
Und husch! eh' man's gedacht, bricht sie die Hülle 
Und streckt vertrauensvoll das Köpflein vor, 
Schaut mit dem blauen Auge in die Höhe, 
Als wollt' sie sagen: „Sieh mich doch! Hier bin ich!" 
Aufm von Hofphotograph Fr. Langhammer, Kassel. 
In abwechselndem Strophenbau tritt dann die 
alte Sage vom Bilstein beim Meißner vor Auge 
und Seele der Leser bis zur gewaltigen Todesfahrl 
des Gaugrafen Otto mit seiner getreuen Tochter 
Irmgard ins tiefe Höllental hinunter. 
Im Jahre 1890 erschien als zweites Werk 
Bodes bei Georg Wiegand in Kassel „S t 0 l - 
b e r g. Eine Geschichte aus dem ig. Jahrhun 
dert." Der Hintergrund der dichterischen Erzäh 
lung bildet den heldenhaften Sieg des Grafen Stol- 
berg über den Bischof von Halberstadt. Die span
	        

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