Full text: Hessenland (41.1930)

scheu Doppelgroschen, den Wilhelm prägen ließ '), 
— an goldener Halskette zu weißer Stola getragen 
wurde 7 8 9 ). Vom Ring wird nichts erwähnt, aber 
dennoch möchte ich feine Nachbarlichkeit aufgrund 
der nach Neapel weisenden Wappen vermuten. 
Dietrich von Schachten berichtet sa von Geschenken 
an das Gefolge. Gliche das Wappen im Ring 
dem Schachtenschen exakt, so wäre der Beweis wohl 
gelungen. So aber, da zwischen dem Schachten 
schen Rosenzweig zwischen sechs Blüten und un 
serem schlecht gravierten Buch (?) zwischen sechs 
Sternchen nur eine formale Ähnlichkeit besteht, 
muß man von dieser Identifikation absehen °). 
Aber ein anderes Gewicht darf in die TLagschale 
geworfen werden. Wien zeigt da, wo Kassel eine 
Krone aufweist, einen Vogel (auf der Gegen 
seite einen Engel, den Frimmel ,,wohl Mat- 
thäus" nennt); Petersburg zeigt einen geflü 
gelten Löwen und einen geflügelten Bock, 
wenig deutlich. Sollten das wirklich, wie Frimmel 
zugunsten seiner kirchlichen Interpretation wollte, 
Evangelistensymbole sein, die so nach Auswahl 
hierhin und dorthin verteilt wären? Sollten es 
nicht eher Bilder des Greifen fein, deren be 
fremdliche Darstellung die Interpreten aus der ge 
läufigeren Evangelistensymbolik erklärten? Die 
Frage wird, wenn erst alle diese aragonefischen 
Ringe publiziert sein werden, unschwer zu beant 
worten sein. An der Möglichkeit, daß der Kasseler 
Ring durch Teilnehmer der Pilgerfahrt von i49* 
nach Hessen kam, möchte ich aber festhalten, wenn 
jie auch noch nicht zu beweisen ist. 
Klarer sehen wir in dem Falle des Prunk 
schmuckes, der unter dem Namen des Schmuckes 
einer griechischen Paläologenprinzesfin ein Iahr- 
7) I- Friedlaender, Ztschr. f. Numismatik (6, 
2 Z2 ff.). ^ 
8) Röhricht und Meißner, Deutsche Pilger 
reisen nach dem hl. Lande (1860, 2Zof.); Röhricht, 
Deutsche Pilgerreisen (1900, 170s.); Hess.-Nass. 
Bücherei, Heft 7/8, 1925, S. 82 f. 
9) Sicher trägt unser Ring weder das Wappen 
des Rats Kalckhoff, der 1726 die „Reifebefchrei- 
bung" abschrieb und siegelte (Manuskript in der 
Landesbibl.) noch eines der Vorbesitzer der Hand 
schrift oder der adeligen Reisebegleiter. Der Adler 
über dem Wappenbild und die barocke Fassonierung 
des Schildes muten nach neueren Adelszeichen an. 
hundert lang Glanz und Scheu um sich verbreitet 
hat, und von dem denn doch etwas mehr zu berich 
ten ist, als was Duncker bei Gelegenheit der Schil 
derung der westphälischen Verluste (S. 341 seiner 
Ausgabe der Voelkelschen Memoiren, Z.H.G.V. 
1682) zu sagen wußte: „Nach einer Notiz der 
Museumsakten befanden sich daran 84 Kameen, 
darunter 17 am Halsband." 
Schmuck der Paläologenprinzesfin 
(ehemals im Landesmuseuni, Kassel). 
Zunächst befindet sich im Museum noch eine 
alte, 30 : 30 ein große Tuschzeichnnng des 
Schmuckes, die, wie Voelkel in seiner knappen Ge 
schichte der Gemmensammlung im Museo 1803 
sagte (Konzept unter dem Nachlaß-Convolut VI 
Nr. 22 der Landesbibliothek), vor 174? angefertigt 
sein dürfte, da auf ihr der in diesem Jahre hinzu 
gekommene Cruzifixuö noch fehlt (s. Abb. 3); und 
ferner überbieten sich die alten Inventars in weit 
läufigen Beschreibungen dieses märchenhaften Klein 
ods. Dank einem undatierten und von einem sonst 
unbekannten Baron Rosenthal unterschriebenen 
Zettel ist auch bekannt, wer der Vorbesitzer des 
Schmuckes war. Es war der venetianifche Senator 
Antonio Capello, derselbe, den Karl 1700 auf 
seiner Italienreise besucht und dem er seine große 
Medaillensammlung abgekauft hatte. Dieser 
große Sammler — er hatte 1702 einen von Ma 
riette 1750 in seinem Traité des pierres gravées 
(I 285) wegen seiner Flüchtigkeit scharf getadelten 
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