Full text: Hessenland (40.1928)

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schlimmstenfalls zu einem „non liquet" kom 
men können, niemals aber zu seinem Urteil, 
das folgendermaßen lautet: „Um 1825 er 
schien in der Berliner Zeitschrift ,Der Frei 
mütige' das Lied ,O alte Burschenherrlichkeit!' 
Der Verfasser blieb unbekannt, aber das Lied 
ward gesungen und wird gesungen, wo es Stu 
denten gibt. Allmählich begann man sich über 
den Autor den Kopf zu zerbrechen. Da gab 
bei dem Kommers zum Jubiläum der Univer 
sität Marburg im Jahre 1878 (!) der Sani- 
tätsrat Dr. Höfling sich als Verfasser zu er 
kennen. Es versteht sich, daß er von jungen 
und alten Studenten gebührend gefeiert 
wurde. Nach seinem Tode wurde an seinem 
Wohnhause in Eschwege eine Gedenktafel an 
gebracht, für die Scheffel die Verse lieferte. 
So weit, so gut, aber 1891 stellten die ,Bur- 
schenschaftlichen Blätter' fest, daß Höfling wohl 
geschwindelt haben müsse, denn beim Erschei 
nen des Liedes war er erst sechzehn Jahre alt 
gewesen." In diesen Auslassungen hat die 
Familie Höfling mit Recht eine Herausforde 
rung erblickt. Auf ein kurzes Schreiben, das 
dieses zum Ausdruck bringt, hat sich Müller- 
Iabusch weder zu einer Richtigstellung noch zu 
einer Begründung seines Urteils verstanden. 
Ahngeschmärd. 
Kasseler Mundart. 
Der Kawefresser, wie bä wißt», 
Hobd's allermehrste G licke, 
Wann hä mo in de Aebbel schmißd, 
Dann Hagelbs knibkbeldicke. 
So gungks nu mid den Karle Goos 
Un sinnen geiz'gen Lißchen; 
Se näh men sich en Päreloos, 
Un Heide honn se 'n Hißchen, 
Am Stammbisch ow'enbs sttchelden 
Se uff de Rellejohne: 
Se achcheliden und bichchelden 
Mo gerne was „for ohne". 
Der Karle bied, alz heerd' hä schwer, 
Doch losseNse ni!dd lose. 
Der simmelierid'e hin und her 
Un schbrochch dann sor >d-e Bloose: 
„Nu macheb mä nibtb so'n Krawall! 
Ich well je waß spendieren, 
Wer kann!, bis Sunndag middag fall 
Pie mä mo grostellieren." 
Nu kunnden je de meisten nlibib 
— Am Sunndag hodd me Flichden — 
Doch zwei b'ervonne haidden Zidb 
Un wullben's inn sich- richchden. 
Am Sunndag kamen se hibbsch srieh, 
Des Huß war noch nidd- uffe, 
Dobie idad's räjnen, wie noch nie 
Doch keiner rief se ruffe. 
Die Verwandten des Dichters scheuen sich aus 
naheliegenden Gründen, selber eine Presse 
fehde zu entfesseln; so ist mir, der ich den Dich 
ter, wenn auch flüchtig, noch persönlich ge 
kannt habe, das gesamte handschriftliche und 
gedruckte Material, das sich in den Händen 
des Herrn Major a. D. Eugen Höfling in 
Franfurt a. M. befindet, zugänglich gemacht 
worden; ich selber konnte aus anderen Quellen 
und aus meinen Erinnerungen noch einiges 
hinzutun. Auf Grund alles dessen glaube ich 
die leisen Zweifel an der Autorschaft Höflings, 
die ich bisher selbst noch gehabt habe, aufgeben 
zu müssen. Ich bin der festen Ueberzeugung, 
daß Eugen Höfling und kein anderer der Dich 
ter des Lieblingsliedes deutscher Studenten 
ist; und wie dieses Lied das erste Jahrhundert 
seines Bestehens siegreich überlebt hat, ohne 
von seiner Frische und seiner Wirkung auf 
junge und alte Semester nur das geringste ein 
gebüßt zu haben, so wird auch der Name sei 
nes Dichters noch verehrt und ihm dafür ge 
dankt werden, wenn alle, die ihn noch kannten, 
längst dahingegangen sind. 
(Aus bem „Gschweger Johannisfest-Iahvbuch 1927". 
Verlag Otto Vollprecht, Esch-wege. Bergt. Bücherschau.) 
Un wie be Bliebe rkerse not 
De Midbagszibb bctb stimmen, 
Do war be Dähre >a I s noch zu 
Un unnen kunnd me schwimmen. 
Doch wi!e's barm glicklich zweie schlug 
— Es gwadschten Schuh unb- 'Strimmbe — 
Sä zochch>e!N -enb-lich- sich rebuhr 
Mib>d forchtbaren Geschimmble!. 
Am Owenb ibrotff kam uns ch-enieid 
Der Karle Goos zum Scho-bben, 
Alz -wie, w>ann gar nix weer bassierd, 
Un wullde Kahrben klobben. 
Doch lwi>e bie zweie rickben ahn, 
Verlor hä be Kurasche; 
Se hädben len wo bobgeschlähn. 
So waren bie in Rahische. 
Ochch Godb, gab baß 'ne Baxerei! 
Se machden alle midbe, 
De Kenner, Wiewer. einerlei, 
So-gar den Wir'd sinn Ribble. 
En Schubo stillbe ähre Wub; 
Glichch äß ber Karle owen; 
Hä päckeb heimlich sinnen Hub 
Und- '9^1^ in bas Domen: 
„Es sallde kummen>, wer be kann, 
Dä riesengroßen Ossen! 
Wer von uchch zweien kun-nbe bann? 
Ich hon n b o ch z u -g e s ch >l o ss e n !" 
G, F l -a b u n g.
	        

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