Full text: Hessenland (40.1928)

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kreuz des savoyischen Mauritius- und Lazarus- Henri IV. als auswärtiger Souverän nie be- 
ordens an einem mit F.E.R.T. bestickten Bande festen, so wenig wie König Philipv von Spa 
den vom Mantel verdeckten Annunziatenorden, nien, vom goldenen Vließ nicht zu reden. Kö- 
den höchsten Savoyens, und darunter an einem nig Heinrich kommt vielmehr, wie auch unsere 
Riemchen, wie es seit Karl V. zuaelaUen war, Wachsbüste beweist, das mit der Taube belegte 
ganz wie König Philipp III., das goldene Kreuz des Ordens vom heiligen Geist zu. 
Vließ. Den Annunziatenorden hat aber (Schluß folgt.) 
Erinnerungen an Emilie Strubberg. 
Von Prof. vr. Edward Schröder in Göttingen. 
Das Andenken an den 1889 im Alter von 
83 Jahren verstorbenen Friedrich (Fraderic) 
Armand Strubberg ist in den letztenIahrzehn- 
ten wiederholt aufgewärmt worden: noch ganz 
vor kurzem mußte Phil. Losch (Volk u. Scholle 
1928, H. 1) zur Feder greifen, um eine un 
geheuerliche Schwindelei des alten Phantasten 
aus der Welt zu schaffen, der sich nach allem, 
was wir von ihm hören oder lesen, in seiner 
letzten Lebenszeit immer weiter in Wichtig 
keitsgefühl und Wichtigtuerei eingesponnen 
hatte. 
Die Amerikaner müßten an der Person und 
dem Schicksale Strubbergs fast ein stärkeres 
Interesse nehmen als die Deutschen: aber die 
Monographie von P. A. Barba in den German 
American Annals Bol. 14,175—225; 15,1 bis 
631. 115—142 (Philadelphia 1912/13) hat kei 
nen ernsthaften Versuch gemacht, die amerika 
nische Zeit des „Dr." Strubberg (alias Dr. 
Schubbert) aufzuklären und die Wirrnis zu be 
seitigen, die er selbst darüber gebreitet hat; und 
Barbas Urteil über den Schriftsteller bleibt 
ganz unsicher und tastend?) Als ich selbst neuer 
dings einen Versuch machte, zu einem seiner 
„besten" Romane, „Aus Armands Frontier 
leben" (3 Bde., Leipzig 1868) zurückzukehren, 
und, nachdem ich hier mit dem ersten Bande ge 
scheitert war, noch eine Stunde in dem „Krösus 
von Philadelphia" (4 Bde., Hannover 1870) 
geblättert hatte, sah ich, daß meine alte Abnei 
gung gegen den Autor und das Gehabe und 
Getue, das aus seinen Schriften zu uns spricht, 
unüberwindlich — und vollbegründet war. Ja, 
ich bin wahrhaft erschrocken über das litera 
rische Niveau dieses Deutschamerikaners, dessen 
Leistungen tief unter denen von Gerstäcker, 
Möllhausen, Ruppius stehen und der nur in 
himmelweitem Abstand von Charles Sealsfields 
(Postl) genannt werden darf. 
i) Ebenso urteilslos ist äber auch' der Verfasser des 
Artikels «Strublbevg in !d>er Allgem. Deutschen Bio-' 
graphitz, «der -in der Hauptsache einen Aussatz von O. 
Müller in der Köln. Zeitung nachschreibt. 
Cs ist schwer zu sagen, was bei dem Schrift 
steller Armand schlimmer ist: das künstlerische 
Unvermögen und die literarische Unbildung 
(man hat tatsächlich den Eindruck, als ob 
Strubberg niemals einen guten deutschen 
Schriftsteller gelesen habe), oder die innere 
Unwahrhaftigkeit in Allem und Jedem: in 
Personen, Charakteren und Geschehnissen, in 
der Schilderung von Natur, Landschaft und 
Zuständen, und vor allem auch im beständigen 
Vorschieben der eigenen Person. Einen Men 
schen von Charakter und Bildungsdrang hätte 
das unzweifelhaft äußerlich reiche Abenteurer 
leben Strubbergs wohl zu einem interessan 
ten Autor formen können — so ist er aus spä 
ten literarischen Anfängen früh zum Sudler 
geworden. Ich kann wirklich Niemandem den 
Rat geben, noch einmal zu den Romanen die 
ses Landsmannes zu greifen: das Knabenbuch 
„Karl Scharnhorst" ist wahrscheinlich das 
beste, was er geschaffen hat, denn hier wirkt 
der ungebildete Stil am wenigsten peinlich. 
Meine eigenen Begegnungen mit Armand 
haben sich zwar durch vier Jahre meiner Kna 
benzeit hingezogen, sind aber immer kühl und 
äußerlich geblieben — dafür haften meine Er 
innerungen treu und dankbar an seiner Schwe 
ster, derer bisher immer nur nebenbei ge 
dacht wurde. Sie war, wie sich bald zeigen 
wird, grundverschieden von dem Bruder und 
hat sich stets bescheiden im Hintergründe ge 
halten, obwohl sie gewiß durch lange Jahre 
seine Helferin war; aber ich hoffe, die nach 
trägliche Zustimmung der Leser zu finden, 
wenn ich ihr ein paar Blätter des Gedenkens 
weihe. 
Ich besuchte seit Ostern 1870 das Lyzeum 
Fridericianum, in das ich als Untertertianer 
eingetreten bin: während jenes Interregnums 
zwischen den Direktoren Matthias und Vogt, 
als der vornehme greise Professor Flügel die 
Anstalt leitete. Meine Absicht war damals, 
Kaufmann zu werden und als solcher in die 
weite Welt zu kommen, aber mein Vater hat
	        

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