Full text: Hessenland (40.1928)

36 
Die von dem Notar ans Hoftor gelegte Ur 
kunde wurde ihm ins Wirtshaus zurückgebracht 
und schließlich bei der Abreise auf die Land 
straße nachgetragen und in den Weg geworfen. 
Dort ließ er sie liegen und ritt davon, „wo 
mit er seinem Amt ein Genüge getan zu haben 
vermeinte." 
Gleichwohl suchten die Füchse wieder Ver 
handlungen anzuknüpfen (1618), aber nun 
zeigten sich die Schenken halsstarrig und ver 
langten vorerst die in dem Fuldaer Vergleich 
bedungene bare Zahlung. Alle nachherigen 
Verkaufsverhandlungen betrieben sie auch, 
ohne sich irgendwie um die Füchse zu kümmern. 
Solche Verhandlungen hatten schon stattge 
funden mit dem Kurfürsten von Sachsen; mit 
venetianischen Gesandten, die die Kleinode für 
ihre Signoria erwerben wollten; mit Nürn 
berger Kaufleuten; mit Herzog Maximilian 
von Bayern und zwar, auf Anregung des Abts 
von Fulda, von dem wir später noch hören wer 
den; mit dem Herzog von Florenz; ja ein vor 
nehmer „Iubilierer" aus Hanau, Isaak Mau- 
senholt's Sohn, hatte sogar vorgeschlagen, das 
Schwert einem König „in den Indijs" zum 
Kauf anzubieten, nachdem einige Zeit vorher 
drei vornehme Frankfurter Kaufleute dorthin 
einen Spiegel, mit Edelsteinen, Demanten und 
Rubinen verziert, im Wert von 200 000 Gul 
den ausgeführt und dafür das vierfache „in 
allerlei stattlichen Gewürzen" erstattet und ver 
ehrt erhalten hatten. Der Vorschlag schien den 
Beteiligten aber doch zu unsicher. 
Endlich, im Jahr 1630, also mehr als andert 
halb Jahrhunderte nach der Verpfändung, kam 
es doch zum Verkauf. Als Käufer trat nämlich 
der obenerwähnte Abt Bernhard von Fuloa, 
selbst aus dem Geschlecht der Schenken zu 
Schweinsberg, auf. In Fulda wurde der Han 
del abgeschlossen. Der Abt kaufte im Namen 
des Stifts Fulda das Schwert samt einem Sma 
ragd für 6000 Reichstaler (— 9000 Gulden). 
Die Summe sollte in vier Terminen zu jeder 
folgenden Frankfurter Messe bezahlt werden. 
Sie erscheint angesichts der ursprünglichen 
Schuldforderung von 19 666 Gulden — ohne 
Zinsen! — recht dürftig, doch wird man beden 
ken müssen, daß damals der große Krieg schon 
zwölf Iabre dauerte und die Verarmung 
Deutschlands bereits vorgeschritten war. An 
die Füchse wurde nicht weiter gedacht; sie pro 
testierten zwar, aber dabei behielt es sein Be 
wenden. 
Jetzt ergaben sich noch Schwierigkeiten, wie 
das Kaufgeld zwischen denen v. Dörnberg und 
v. Schenk zu verteilen war, zumal auch Ber- 
wandte weiblicher Seite kraft Erbrechts An 
sprüche erhoben; die Zahlungen jedoch erfolg 
ten bis auf die Hälfte des letzten Zieles pünkt 
lich. Da kam Abt Bernhard in der Schlacht von 
Lützen, in die er sich anscheinend nur als Zu 
schauer gemischt hatte, ums Leben. Für die 
Gläubiger ergab sich daraus die Notwendia- 
keit, sich an die vorsorglich bestellten Bürgen 
zu halten; denn auch das Stift Fulda war 
durch die Kriegswirren vollständig verarmt. 
Der Abt hatte das Scbwert bald, nachdem 
er es erworben, dem Kaiser Ferdinand II. 
geschenkt, und ihn zu diesem Zweck auf 
dem Reichsfürstentag in Regensburg aufge 
sucht. Offenbar wollte er, der ja das Schwert 
auch nicht für sich, sondern für das Stift Fulda 
gekauft hatte, den Kaiser dadurch günstig für 
sein Land stimmen und dadurch das Interesse 
seiner Untertanen wabrnehmen. Das Schwert 
kam dann in die Schatzkammer nach Wien, wo 
es L. v. Dörnberg noch im Jahre 1653 sah, 
und wo es „mit sehr großem Ruhm gezeigt 
und hoch ästimiert" wurde. Sein weiteres 
Schicksal ist insofern merkwürdig, als die 
Tschechoslowakei auf Grund des Friedensver 
trags von St. Germain im Jahr 1921 An 
sprüche darauf erhob. Die Tatsache, daß Kai 
ser Rudolf II. das Schwert einmal, um es 
wegen etwaiger Einlösung zu besichtigen, nach 
Prag hatte bringen lassen und insofern sich da 
mit befaßt hatte, als er 1582 verordnet hatte, 
daß das Schwert den Pfandbesitzern zur belie- 
biaen Verwendung überlassen werden sollte, 
scheint den Tschechen eine genügende Begrün 
dung ihrer Ansprüche gewesen zu sein. 
Rur einem glücklichen Zufall war es zu 
verdanken, daß der verstorbene Archivdirektor 
Geheimrat Freiherr Gustav Schenk zu 
Schweinsberg Kunde von dem Begehren der 
Tschechen erhielt, und zwar in letzter Stunde 
kurz vor Ablauf einer am 15. September 1921 
endigenden Frist. Er beeilte sich, nach Wien 
die geschichtlichen Unterlagen mitzuteilen und 
besonders auf die Abhandlung Dörnbergs in 
Iustis Denkwürdigkeiten hinzuweisen, womit 
er dort begreiflicherweise böchste Freude und 
Dank hervorrief. Die nötigen Beweisurkun 
den lieferte das Staatsarchiv in Marburg, und 
so gelang es im letzten Augenblick noch, das 
Schwert vor der Begehrlichkeit der Tschechen 
zu retten. Daß es wirklich ein kostbares Stück 
ist, zeigen die Abbildungen, die nach einer in 
Wien hergestellten Vhotographie angefertigt 
sind. Die Verlen am Griff sind von beträcht 
licher Größe; am Griff befindet sich ein Oval
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.