Full text: Hessenland (40.1928)

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Gilhelmshöher Schloß stand, dicht am Wege 
von derHortensienlaube nach demBassin?) Erst 
1902 ist dieser Baum, die erste kultivierte 
Pyramideneiche der Welt, abgestor 
ben. Aber sämtliche Pyramideneichen in 
Hessen und außerhalb Hessens stammen von 
ihm ab, denn auch der Mutterbaum ist abge 
storben. Es ist oft merkwürdig, wie sich Eigen 
arten vererben: an jeder echten Pyramideneiche 
z. B. sieht man hier und da, wie ein dünner 
Zweig sich nicht in die pyramidale Form ein 
fügen will, sondern wagerecht wächst — wirk 
lich ein Abbild der lieben blinden hessischen 
Querköpfigkeit. In hessischer Zeit hat es einmal 
einem höheren Hofbeamten — es kann sein, 
daß es auch der Kurfürst selbst war — nicht 
gefallen, daß die Pyramideneiche einzelne 
dünne wagerechte Aestchen trieb, und der 
betreffende Hofgärtner wurde beauftragt, die 
Zweige zu entfernen. Auf seine Vorstellung, 
daß dies nutzlos sei, da jeder entfernte Zweig 
sofort einen neuen Trieb bilden würde mit 
demselben Bestreben, wagerecht zu wachsen, 
wurde ein Förster beauftragt, die Zweige abzu 
schießen. Es geschah, aber bald waren neue 
Triebchen vorhanden, die den alten Weg ein 
schlugen. 
Die ältesten Pyramideneichen der Erde, zu 
denen sicherlich schon früh der junge Wil 
helmshöher Baum die Edelreiser hergeben 
mußte, sind zwei Bäume im Garten des Tabak 
fabrikanten Fr. Heinr. Thorbecke in der Kant- 
straße. Der Garten gehörte früher zu einer 
kurfürstlichen Domäne. Die Bäume sind pracht 
voll pyramidal gewachsen in einer Höhe von 
11—12 Meter. Ungefähr 0,50—1 Meter über 
der Erde haben die Stämme einen Umfang von 
2 ) Bergt, auch Heidetbach, Geschichte der Wilhelms 
höhe, Seite 174 f. 
Aus Heimat und Fremde. 
H o chs ch ul nach ri ch ten. Marburg: Der 
Privatdozent für Physik Dr. Rudolf Tom as ch eck, 
Assistent bei Geheimrat Grüneisen am physikalischen 
Institut, wuride zum nichtbeamteten , aiU§erortb'Gn l t i ii i c1;'en 
Professor ernannt. — Gieße n : Dem emevit. ord. 
Professor für Land-wirtschaft Geh. Hofrat Dr. Paul 
G i s e v i u s wurde ein Lehrauftrag zur Vertretung 
der l-andWirtschaftii-chen Betriebslehre in dev wirt- 
schafts- und- sozi-a-lwi-s-s-ensch-aftl-ich-en Fakultät -der Uni 
versität Frankfurt a. M. -erteilt. — Geheim rat Prof. 
Dr. phil. Dr. jur. h. c. Otto B e h a g h e l konnte auf 
eine 50jährige Dozententätigkeit und gleichzeitig auf 
eine 40jährige Zugehörigkeit zum 'Lehrkörper -der Uni 
versität Gießen zurückblicken. — Am 24. Dezember 
starb -der Dozent in- der- veterinärmedizinischen Fakul 
tät Oberveterinävvat Prof. Dr. weck. vet. Wilhelm 
Kn -el l im Alter von 61 Jahren, nachdem er sich 
1,80—1,90 Meter; Umfang der unteren starken 
Aeste 0,55—0,65 Meter. Auch diese Bäume 
zeigen hier und da die oben erwähnte Abnor 
mität, was jedoch ihre Schönheit nicht beein 
trächtigt. Man sieht öfters in Kassel Pyra 
mideneichen, aber alle sind jünger als die er 
wähnten. Auch die beiden Pyramideneichen 
vor der Villa des Kammerherrn Herrn von 
Doernberg vor dem Königstor sind sehr schöne 
Exemplare; leider scheint der eine der Bäume 
krank zu sein. 
Eine sehr stimmungsvolle Anpflanzung von 
Pyramideneichen wurde Ende der fünfziger 
Jahre von dem ersten Friedhofsinspektor in 
Kassel, Jung, ausgeführt, und zwar in der 
früheren Abteilung XI für Familienbegräbnis 
plätze. Leider sind die Bäume etwas dicht ge 
pflanzt, so daß sich viele Angehörige von Grab 
hügeln beklagten, daß der Schatten so dicht sei, 
daß kein Blümchen mehr auf den Begräbnis 
plätzen gedeihen konnte. Die Pyramideneichen- 
Aeste wurden darauf im Frühjahr 1881 bis auf 
den Stamm abgeschnitten, aber es dauerte 
nicht lange, da war der dichte Schatten wieder 
da, denn Eichen vertragen den Schnitt gut. 
Als Friedhofsinspektor Jung, der Anfang 
der 40er Jahre v. I. den Friedhof anlegte, 
1866 starb, wurde auf seinem Grabhügel auch 
eine Pyramideneiche gepflanzt. 
Zum Schluß sei noch bemerkt, daß, wenn je 
mand eine Pyramideneiche pflanzen will, er ja 
darauf sehen möge, daß er nur echte veredelte 
Bäumchen erhält, denn es werden auch Pyra 
mideneichen aus Samen gezogen, oder von 
solchen Sämlingen Edelreiser verwendet. Diese 
sind nicht treu und geben Bäume von allen 
möglichen, nur keinen pyramidalen Formen. 
Ich könnte eine ganze Anzahl abschreckender 
Beispiele anführen. 
sieben Wochen vorher bei ¿et operativen Behandlung 
eines Rindes eine ®lutoetgi l f't;u , nig zu gezogen hatte. — 
Die Veterinär-kliniken der Universität weiden gegen 
wärtig durch den großen Neuban einer Abteilung für 
Geburtshilfe bei Tieren wesentlich erweitert. — Der 
Präsident der Landes versicherun-gsanstalt Hessen, Her 
mann N e u m a- n n in Darmstad-t, w-uvde anläßlich 
der Eröffnung der Gießener UniVersitätsklinik ehren 
halber zum Doktor der Medizin- ernannt. — Die end 
gültige Zahl der Stu-diie-venden beträgt im Winter 
semester 1473 einschließlich 77 Studentinnen; dazu 
kommen noch- zwei Hospitantinnen und 224 Gasthörer 
und -Hörerinnen. — Darmstadt: Dem Kommer 
zienrat Adolf Köhler, Vorsitzenden des Vorstandes 
der A.-G. Budevussche Eisenwerke in Wetzlar, verlieh 
die Technische Hochschule die Würde -eines Doktor-In- 
gen-ieu rs ehrenhal b er.
	        

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