Full text: Hessenland (40.1928)

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Und der Blasebalg flog gehorsam durch die 
Luft nach Ilsdorf zur Mühle und durch den 
Schornstein in die Küche. Und war sie noch 
vor ihrer Frau zu Hause. Ging aber noch 
selben Tags aus dem Dienst. 
* 
Die Lauster-Ilse hat viel Schaden angerich 
tet, verhexte Vieh und Menschen und zog 
Hagelwolken über die Felder. Ihr Mann 
hielt das böse Wesen nicht aus und starb bald. 
Nun hauste sie allein in der Mühle. Trieb 
es ärger denn je. Als sie endlich starb, war 
Ein hessischer Baum. 
In Nr. 10 des „Hessenland" von 1912 be 
handelt Hermann Schelenz einen „japanischen 
Heiligen im Park zu Wilhelmshöhe". Es han 
delt sich um den Gingko biloba, auch Salis- 
buria adiantifolia genannt. Der Artikel hat 
mich lebhaft interessiert, obwohl ich den alten 
japanischen Heiligen schon seit über 60 Jahren 
kannte. Lebhaft erinnerte ich mich meiner Iu- 
gendjahre, wenn beim Zeichenunterricht, den 
mehrere junge Gärtner Anfang der sechziger 
Jahre v. I. bei dem damaligen Hofgärtner F. 
Vetter zu Schönfeld (später Hofgärtner zu 
Wilhelmshöhe und Hofgartendirektor zu Pots 
dam) hatten; nicht nur gezeichnet wurde dabei, 
sondern unser von allen hochverehrter Lehrer 
hielt auch Vorlesungen und Besprechungen mit 
uns über Pflanzenkunde, Anlegung und Be 
pflanzung von Gärten, Aufnahme und Ver 
messungen von Grundstücken, kurz über alles, 
was ein gebildeter Landschaftsgärtner, oder 
wie es jetzt heißt, Gartenarchitekt, wissen muß. 
Hierbei wurde auch der Gingko biloba bespro 
chen. Und wie Vetter mit Leib und Seele 
an seiner hessischen Heimat hing — er war der 
Sohn des Hofgärtners Vetter in Rotenburg 
an der Fulda — so gedachte er auch mit Vor 
liebe der bei uns beheimateten Pflanzen, der 
hessischen Wälder mit ihrem prachtvollen 
Baumbestand, der Freiland-Stauden, z. B. Or 
chideen, Farren und vieler anderen. Bei einem 
solchen Vortrag erwähnte er auch einen Baum, 
der dem Hessenland entstammt, die Pyra- 
m i d e n e i ch e. 
Es war während des siebenjährigen Krieges, 
in dem bekanntlichunseremHessenland durch die 
Franzosen — und wohl auch durch ihre Geg 
ner, die Alliierten — ungeheurer Schaden zu 
gefügt wurde. Besonders machten die Fran 
zosen nicht viel Umstände mit Bäumen; alles, 
ob Zier- oder Obstbaum, wurde gefällt, wenn 
ganz Ilsdorf heilefroh. Gingen all zum Be 
gräbnis mit, wollten danach frohen Schmaus 
halten. Und wie sie nun all die Gasse hinab 
hinter dem Sarg schreiten, schaut der Letzte 
um, stößt den Nachbarn an, der den Vorder 
mann und so weiter bis vornhin. Schauen sich 
alle um. 
Was sehen sie? 
Die Lauster-Ilse! 
Oben beim Dachfenster schaut sie zur Mühle 
heraus. 
Und lacht ihrem Leichenzug nach. 
Von Fritz Veltz. 
Lagerfeuer nötig waren. In Niederhessen soll 
es nach dem Kriege kaum noch einen stärkeren 
Obstbaum gegeben haben. Sind doch sogar 
während der Belagerung von Kassel von den 
Franzosen, auf der Esplanade, dem heutigen 
Friedrichsplatz, Bäume umgehauen und zur 
Feuerung verwendet worden. 
Einem französischen Generall) — ich glaube 
Pichegru hieß er — war die Zerstörungslust 
seiner Soldaten bekannt, und da er ein braver 
Mann und eifriger Naturfreund war, suchte er 
allen Schaden von Flur und Wald fern zu 
halten. Dieser General zog an der Spitze einer 
größeren Truppe durch einen Wald des nörd 
lichen Hessens, da entdeckte er einen ihm frem 
den, eigenartig geformten Baum; bei näherer 
Besichtigung stellte es sich heraus, daß der 
Baum eine Eiche war, aber mit noch ganz un 
bekannter pyramidaler Form. Sofort wurde 
eine Wache eingerichtet, die dafür zu sorgen 
hatte, daß der Baum nicht beschädigt wurde. 
Ferner sorgte der General dafür, daß von dem 
seltenen Baum Reiser zum Veredlen geschnit 
ten wurden. Ein Teil dieser Reiser wurde 
nach Pfungstadt, ein Teil nach Wörlitz (An 
halt) und ein Teil an die Wilhelmshöher 
Baumschule geschickt und dort Veredlungsver 
suche vorgenommen. Die Pfungstädter und 
Wörlitzer Versuche waren mißlungen, dagegen 
hatte der Wilhelmshöher Erfolg; aber nur ein 
einziges Reis war angewachsen. Und dies 
junge Bäumchen war der später so prachtvolle 
Baum, der auf dem Rasenplatz hinter dem 
9 Wenn ich nicht irre, ist dies derselbe General ge 
wesen, der während des siebenjährigen Krieges in 
Erfurt war, dort „im Dreienbrunnen" die Brunnen 
kresse-Anlagen kennen lernte und Pflanzen davon nach 
Paris schickte, wo sie nach Erfurter Art kultiviert wur 
den und als gesuchter Salat eine große Rolle spielten.
	        

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