Full text: Hessenland (40.1928)

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Marburger Fliesen. Biblische Darstellungen. Aniversitatsmuseum, Marburg. (Aus..Hefsenkunst 1929". 
Verlag A. G. Elwert, Marburg). 
ist das für die Aufgesuchten nicht ohne Ge 
fahr, denn leichtlich könnte aus dem Trauer- 
haufe die verhängnisvolle Kraft des Todes auch 
anderswohin übermittelt werden und ein Opfer 
heischen. Deshalb übernimmt in Rheinhessen, 
und im Kurfürstlichen Oberhessen^) fast aller 
orts auf dem Lande ein Nachbar oder nicht 
zur engeren Familie gehöriger Verwandter 
die Vorbereitung zum Begräbnis: er bestellt 
den Totenbeschauer und die Leichenfrau, läßt 
den Sarg anfertigen und bespricht sich mit 
dem Pfarrer, wenn nötig, auch mit dem Leh 
rer. Vor allem aber übernimmt er die Tod 
ansage und die Einladung zur Leichenfolge. 
Falls nötig, teilen sich auch die „Notnachbarn" 
in die erwähnten Geschäfte?) Und selbst dann 
ist für den „Leichenbitter" offenbar Vorsicht 
am Platz. 
1) Auch mündlich. 
2 ) Die Vermutung Hoffmanns (in Hess. Bl. s. 
Volkskunde IV, 10), daß vielleicht deshalb ein nicht 
zur engeren Familie gehöriger Mann den Sterbefall 
anzeige, „die Gänge tue", weil man ähnlich wie bei 
den Juden, die Hausgenossen für unrein ansehe, ist 
jeidenfalls abwegig. 
So ging er in Oberhessen (Stangenrod) vor 
alle Häuser, in denen zum „Leid" zu Ladende 
wohnten, und klopfte mit einem etwa finger 
dicken Stock an einen Eckpfosten des Hauses. 
Dem, der das Fenster öffnete und nach dem 
Begehr fragte, wurde ohne Betreten des Hau 
ses mitgeteilt, daß der und der gestorben sei 
und um die und die Zeit begraben werden 
solle, wozu eingeladen werde. Im Kurfürst!. 
Oberhessen betritt — heute wenigstens — der 
Einladende ohne Scheu die bezüglichen Häuser 
und richtet seinen Auftrag aus?) Wie es in 
den anderen hier in Frage kommenden Ge 
bieten in diesem Punkt gehalten wird oder 
wurde, ist mir nicht bekannt. 
Im Kurfürst!. Oberhessen wird, vielleicht 
nur aus gesundheitlichen Gründen, eine mög 
lichst schnelle Beisetzung gewünscht. Im 
Schaumburgischen sieht man es ungern, wenn 
die Leiche über Sonntag steht; es sterbe dann, 
so glaubt man, in der nächsten Woche wieder 
jemand in der Gemeinde. 
0) Mündlich.
	        

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