Full text: Hessenland (40.1928)

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am Tiber aufgehalten zu haben, denn das Ta 
gebuch des Römers Valefio erzählt 10. Januar 
1701 von einem Brand in der Nähe des vom 
Prinzen von Darmstadt bewohnten Palazzo 
Farnese. 
Ein älterer Bruder Heinrichs, Landgraf 
Philipp, geb. 1671, gest. 1736, war schon 
1693 katholisch geworden, um sich mit der Her 
zogin Marie von Croy d'Havre zu vermählen 
und ein Kommando in der kaiserlichen Armee 
zu übernehmen. Er kam auf seinen Kriegs 
zügen während des spanischen Erbfolgekrieges 
unter dem Oberbefehl Dauns 1707 im April 
nach Rom, ging darauf im Juli nach Neapel, 
wo er 1708 als Nachfolger Dauns Generaliffi-. 
mus der kaiserlichen Truppen wurde, um 1714 
das Amt eines Statthalters in Mantua an 
zutreten. 
F r i e d r i ch II. von Hessen-Kassel, geb. 1720, 
gest. 1785, war in seinem 29. Lebensjahr zur 
römischen Kirche übergetreten und trat Ende 
1776 in Begleitung seines Hofarchitekten Si 
mon Louis DuRy eine Reise nach Italien an. 
Er gehörte zu jenen im 18. Jahrhundert nicht 
seltenen Fürsten, denen die Pflege der Künste 
und Wissenschaften als eine notwendige Er 
gänzung der prunkvollen Machtrepräsentation 
erschien, und seine italienische Reise sollte da 
her auch der fürstlichen Kunstliebhaberei die 
nen. Ein Wiener Gesandtschaftsbericht aus 
Rom meldete am 6. Dezember 1749, der Erb 
prinz von Hessen-Kassel lasse eine Wohnung 
für sich herrichten, weil er um die Mitte des 
Monats inkognito dort eintreffen wollte. Diese 
frühere Reise scheint nur kurze Dauer gehabt 
zu haben und als unmittelbar auf seinen heim 
lichen Uebertritt folgend nur eine Devotions 
reise gewesen zu sein. Als er am 14. Januar 
1777 zum zweitenmal am Tiber eintraf, er 
schien er unter dem Namen Graf Schauen 
burg und bezog den am Mausoleum des 
Augustus gelegenen Palazzo Correa, Bia dei 
Pontefici 57, wo er bis Ende Februar wohnte. 
Daß er als katholischer Fürst dem Papst seine 
Aufwartung machte, war selbstverständlich, die 
Audienz fand am 25. Januar statt, Pius VI. 
beschenkte ihn nicht allein mit den herkömm 
lichen Devotionalien wie Agnus Dei und Ro 
senkränzen, sondern fügte mit Rücksicht auf 
die künstlerischen Neigungen Friedrichs auch 
das ganze Kupferstichwerk Piraneses hinzu. 
Am 4. Februar fuhr der Landgraf nach Ne 
apel ab, von wo er am 17. zurückkehrte. In 
seiner Begleitung befand sich hierbei der Rat 
Johann Friedrich Reiffenstein, der seit Win 
kelmanns Tod dessen Stelle als wissenschaft 
licher Fremdenführer und Kunstberater bei 
deutschen Herrschaften vertrat. Er hat auch 
in Rom selber bis zur Abreise des Land 
grafen am 26. Februar diesem seine Dienste 
gewidmet und wurde dafür mit 100 Zechinen 
belohnt. Ihm lag es auch ob, Friedrich bei 
seinen Ankäufen von Altertümern zu be 
raten und die erworbenen Gegenstände, 8—^10 
größere antike Statuen und eine Menge 
kleinerer Figuren aus Bronze usw. sorgsam 
zu verpacken und nach Kassel schicken zu 
lassen. Reben seinen künstlerischen Lieb 
habereien scheint der Graf keinen Wert auf 
Verkehr mit der römischen Gesellschaft gelegt 
zu haben, wir erfahren nur, daß er den Mon 
signore Graf Hrzan besucht hat, der dem 
kaiserlichen Gesandten Kardinal Albani als 
Beistand für die kirchlichen Angelegenheiten 
beigegeben war, und den alternden Kardinal 
selber, der nicht nur durch seine amtliche 
Eigenschaft, sondern mehr noch durch seinen 
Ruf als Kunstkenner die Aufmerksamkeit vor 
nehmer deutscher Reisender verdiente. Ales- 
sandro Albani schrieb nach Wien, daß Fried 
rich ihn am 25. Februar besucht und sehr 
gütig behandelt habe. 
Ein Konvertit aus der Darmstädter Linie, 
Friedrich August Karl, geb. 1788, 
gest. 1867, Sohn des Landgrafen Ludwig X., 
des ersten Großherzogs von Hessen, erschien 
am Anfang des 19. Jahrhunderts am Tiber. 
Mit 20 Jahren katholisch geworden, diente er 
als Offizier nacheinander im österreichischen, 
französischen, niederländischen und portugie 
sischen Heer und lebte von Anfang 1818 bis 
Januar 1819 in Rom. Sein Auftreten da 
selbst erregte einiges Aufsehen, so daß der 
Berichterstatter der Augsburger Allgemeinen 
Zeitung sich damit beschäftigte. Am 21. März 
schrieb dieser an sein Blatt, daß der Prinz 
seit wenigen Wochen dort weilte, aber An 
stalten getroffen habe, die auf einen längeren 
Aufenthalt schließen lassen. Er habe sich einen 
Staatswagen gekauft und sein Wappen dar 
auf malen lassen, einen Gentiluomo di camera 
(Kammerherrn) angenommen und dergleichen 
mehr. In der Kirche S. Apostoli mache er 
seine Andachtsübungen mit einer gewissen 
Absichtlichkeit, um bemerkt zu werden. Es 
gehe daher das Gerücht in Rom, daß er zum 
Senator der Stadt ernannt würde. Ein 
zweiter Brief der Allgemeinen meldet, daß er 
am Fronleichnamstag in der Prozession der 
Pfarrei S. Apostoli mitgegangen sei und die
	        

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