Full text: Hessenland (40.1928)

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bayerische Gesandte Scarlatti schrieb im Fe 
bruar 1680 nach München, man erwarte dem 
nächst den Kardinal von Hessen in Rom, da 
mit er seine Gläubiger befriedige. Diese 
haben aber vergebens gewartet. Nach dem 
Tode Friedrichs meldete Scarlatti an seinen 
Hof, der Verstorbene sei in Rom sehr geschätzt 
gewesen, er habe dort lange als Protektor 
Deutschlands und kaiserlicher Gesandter gelebt 
und große Schulden gemacht, die sich immer 
noch auf 30 000 Scudi beliefen; er habe eben 
immer sehr prächtig gelebt, wäre er etwas 
sparsamer gewesen, so hätten seine Einnah 
men ihm genügen können. 
Das Beispiel des Landgrafen Friedrich von 
Heffen-Darmstadt, dem die Bekehrung schließ 
lich den Kardinalspurpur verschafft hat, fand 
öfter Nachahmung in der hessischen Fürsten 
familie. Bei manchen dieser Konvertiten war 
der Wunsch maßgebend, im Dienste katholischer 
Herren bessere Aussichten auf Beförderung 
zu erlyngen. Georg Christian, ein Sohn 
des Gründers der homburgifchen Linie, geb. 
1626, gest. 1677, wurde in Brüssel katholisch, 
diente als spanischer General in den Nieder 
landen, dann dem König von Frankreich und 
ist zu einem kurzen Besuch in Rom 1647 er 
schienen. Seine Anwesenheit daselbst ist uns 
durch seinen Eintrag im Album des Frem 
denführers Hans Hoch bezeugt. 
Mehrfach und zu längerem Aufenthalt kam 
dagegen Landgraf Ern ft von Hessen- 
Rotenburg an den Tiber. Er war als 
Sohn des Landgrafen Moritz von Kassel 1623 
geboren, starb 1693 und war am 6. Januar 
1652 übergetreten, einen Monat vor der Er- 
nennung Friedrichs zum Kardinal. Nachdem 
dieser mit Anfang des Jahres 1655 in Rom 
Wohnung genommen batte, kam auch sein 
Rheinfelser Vetter am 26. August dort an und 
fand inkognito Unterkunft bei dem Grafen 
Ripa, einem Freund desKardinals. DerHaupt- 
zwecks seines Besuchs am päpstlichen Hof scheint 
die Bitte um eine Unterstützung zum Bau 
einer katholischen Kirche gewesen zu sein. 
Alexander VII. hat sie ihm zugesagt und im 
Juli 1657 in Höhe von 1200 Scudi ausgezahlt. 
Der Landgraf, dessen Beichtvater, ein Iesuiten- 
pater, während des Aufenthalts in Rom ge 
storben war, reiste am 14. Oktober nach Inns 
bruck ab, um daselbst dem feierlichen Ueber- 
tritt der Königin Christine von Schweden bei 
zuwohnen. In der Fastenzeit 1662 kehrte 
Ernst an den Tiber zurück, nahm an den Oster 
festlichkeiten teil und reiste am Dienstag nach 
Ostern, 19. April, über Loretto nach Deutsch 
land ab. Nächst der Ewigen Stadt scheint 
ihn Venedig stark angezogen zu haben, dort 
hielt er sich gegen Ende des Jahres 1622 auf. 
Zu Beginn 1665 erschien er wieder auf den 
Sieben Hügeln, machte am 23. Februar mit 
Anfang der Fastenzeit einen Abstecher nach 
Neapel, kam geaen Ostern nach Rom zurück 
und reiste um Mitte April über Bologna nach 
Hause. Das Jahr 1667 sah seine Söhne Wil 
helm, geb. 1648, gest. 1688, und Karl, geb. 
1649, gest. 1711, in Rom. Sie machten zu 
Anfang des Jahres von dort einen Besuch in 
Neapel und kamen am 12. März für die Oster 
zeit zurück. Ihr Vater brachte auch im Jahre 
1668 die Ostertage in Rom zu. Schon im De 
zember 1667 in Venedig, kam er am 16. März 
mit der Post nach Rom, nur von zwei Edel 
leuten begleitet, stieg beim Kardinal im Pa' 
lazzo Mellini ab, hatte eine Audienz beim 
Papst, der ihn mit großer Affektion empfing 
und reichlich mit Agnus Dei beschenkte, und 
reiste in der Woche nach Ostern ab, vom Kar 
dinal einige Meilen weit geleitet. Aus der 
Korrespondenz des pfälzischen Agenten Pie- 
rucci erfahren wir, daß einer seiner Edelleute 
ein Oberst von Landsberg war, den Pierucci 
am 7. April dem Pfalzgrafen von Neuburg 
brieflich empfahl. Seine letzte Romfahrt un 
ternahm Ernst von Venedig aus wieder über 
Ostern. Der bayerische Gesandte Scarlatti 
meldete seinem Hof, der Landgraf sei am 
17. April 1680 in einer Sänfte angekommen 
und genieße die Gastfreundschaft des Kardinals 
Pio, der nach dem Kardinal von Hessen das 
Protektorat über Deutschland bekleidete. Am 
23. 4. hatte Ernst Audienz bei Innocenz XI., 
der ihn nach den Berichten des bayerischen 
Gesandten sehr freundlich behandelte und be 
schenkte; auch mit Eßwaren hat er den deut 
schen Gast bedacht. Am 29. wohnte der Land 
graf einem Konsistorium bei, verabschiedete 
sich am 3. Mai beim Papst und kehrte am 
6. April nach der Lagunenstadt zurück. Scar 
latti spricht in seinen Berichten öfter von die 
sem Besuch, erwähnt im Zusammenhang mit 
dem starken Fremdenverkehr um Ostern, daß 
Ernst mit großer Auszeichnung behandelt 
worden sei, und bemerkt auch ausdrücklich, was 
bei katholischen Fürsten selbstverständlich war, 
daß er dem Papst den Fuß geküßt habe. 
Im Jahr 1674 erhielt Kardinal Friedrich 
den Besuch eines Vetters von Hessen-Hom 
burg. Es war der 1654 geborene, 1675 ver 
storbene Sohn Wilhelm Christofs, Leopold
	        

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