Full text: Hessenland (40.1928)

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Flecken Nörten der Burgmann Dietrich von Harden 
berg erwähnt wird. Im 30jährigen Kriege stand 
Hans Christoph von Hardenberg auf braunschweigi 
scher Seite. Infolgedessen wurde 1628 bie Burg von 
kaiserlichen Truppen besetzt. 1636 ließ Herzog Georg 
von Braunschweig-Lelle sich im Gericht Hardenberg 
huldigen, das von da ab unter braunschweigischer, spä 
ter hannöverscher Oberhoheit blieb, während sich im 
Besitze der Burg die Hardenberge behaupteten. Die 
sem Geschlechte, das am 8. 3. 1770 in den Reichs- 
grafenstand erhoben wurde, gehörte u. a. der hessische 
Minister Friedrich August von Hardenberg an, nach 
dem die Kasseler Hardenbergstraße heißt. Als die 
Familie in den im Tale unter der Burg gelegenen 
Hof zog, begann gegen Ende des 17. Jahrhunderts 
die Burg zu verfallen, deren stattliche Ruinen noch 
jetzt von der ehemaligen Größe der Burg zeugen. 
Die Jett drängte. In flotter Fahrt — das rote 
Auto hatte man in die Mitte genommen — ging es 
bis zur halben Höhe der Burg Plesse, zu der 
man hinaufstieg. Hier war man auf althessischem 
Grund und Boden. Beim Aussterben der Edelherren 
von Plesse fiel 1571 die Herrschaft Plesse, bestehend 
aus ¡¿er Burg, dem Flecken Dovenden und sieben 
Dörfern, als heimgefallenes Lehen an die Landgrafen 
von Hessen und blieb bei Hessen bis 1815, in welchem 
Jahre es durch Vertrag zwischen beiden Staaten an 
Hannover fiel. 
Der Dom zu Fulda. 
Der inmitten der herben Luft der Rhönstadt 
Fulda stehende Dom, den Gurlitt in seiner Ge 
schichte des Barockstils zu den edelsten Bauten 
dieser Periode zählt, ist nicht nur ein religiöser 
Mittelpunkt, sondern auch ein kunstgeschichtlich 
hervorragendes Bauwerk von überzeugender 
geistesgeschichtlicher Bedeutung: „Rach Nor 
den die erste Verheißung des Südens, nach 
Süden ein wichtiges Glied in der weiteren sti 
listischen Entwicklung." Da es bisher an einer 
neueren zusammenhängenden Darstellung 
fehlte — von der hessischen Denkmalinven 
tarisation ist das Fuldaer Land noch nicht er 
faßt, und Pfaffs 1855 anonym erschiene Dar 
stellung ist längst vergriffen — so war es ein 
höchst dankenswertes Unternehmen der be 
kannten Sammlung „Deutsche Kunstführer", 
eine mit trefflichen Abbildungen geschmückte 
Monographie des Fuldaer Domes durch den 
trefflichen Kenner des Fuldaer Barocks, K. 
Freckmann, einzureihen?) 
x ) Deutsche Kun st führ e r. Hrsg, von Adolf 
Feulner. Bd. 20. Dr. ing. K. Freckmann, der 
Dom zu Fulda. Augsburg (Dr. Benno Filfer Verlag, 
G. m. b. H.) o. I. [1928]. 55 Seiten, 5 Textabbildun 
gen un>d 31 (darunter 13 ganzseitige] Abbildungen aus 
Tafeln. Preis 2.— M. 
Nachdem man die Reste der Burg, namentlich die 
beiden wohlerhaltenen Türme besichtigt und die Aus 
sicht genossen, nahm man in ben Räumen der Burg 
den Kaffee ein, bei Petroleumbeleuchtung, die in den 
dunkeln Räumen nötig, den Kasselanern aber sehr 
ungewohnt war. Dann gings auf schönem Waldwege 
hinab nach Eddigehausen, wo die Autos bestiegen 
wurden. Vorbei an Mariaspring, wo im Saale 
Tanzmusik war. wo man aber von dem bunten Trei 
ben, das sonst am Sonntag hier herrscht, wegen 
der studentischen Ferien nichts zu sehen bekam, und 
durch das Dorf Weende wurde Göttingen er 
reicht, vor dessen Rathaus man landete. Im Rats 
keller waren bereits die Tische gedeckt. Unbeirrt durch 
den lebhaften Verkehr in den Kellerräumen nahm 
man ein vorzügliches Abendessen ein. Danach dankte 
der Vorsitzende, Direktor Or. Hopf, iben Herren Bür 
germeister Domke und Justizrat Eckhardt im Namen 
der Teilnehmer für alle ihre Bemühungen um das 
Gelingen des so glänzend verlaufenen Festes, das da 
mit sein Ende fand. 
Um 10,30 Uhr fuhr man im Auto von Göttingen 
wieder ab, und erreichte über Friedland und Eichen 
berg Witzenhausen. Hier wurden die Witzenhäuser ab 
gesetzt, die Kasselaner aber fuhren weiter über Groß 
almerode und Helsa der Heimat zu, wo sie gegen 
12,30 Uhr eintrafen, voller Befriedigung über die 
ihnen in den abgelaufenen drei Tagen gebotenen Ge 
nüsse. W o r i n g e r. 
In einem einleitenden Kapitel geht der Ver 
fasser zunächst auf die geschichtliche Entwick 
lung, auf die früheren Stiftskirchen, als die 
Vorgänger des heutigen Doms, ein, über die 
in letzter Zeit Richter und Vonderau unsere 
Kenntnis wesentlich bereichert haben. Wir 
wissen, daß Sturmius, der Schüler des Boni- 
fatius, am 12. März 744 in der Waldeinsam 
keit Buchoniens das Kreuz aufpflanzte. In 
dieser Kirche wurde Bonifatius nach seiner Er 
mordung durch räuberische Friesen (755) bei 
gesetzt, und sein Märtyrergrab war bald ein 
Nationalheiligtum für das christliche Germa 
nien. Könige und Kaiser hielten im Fuldaer 
Kloster ihre kirchlichen Hoffeste, und Konrad I. 
fand hier seine letzte Ruhestätte. Nach Stur 
mius Tod (779) erwies sich die Kirche schon 
bald als zu klein, und um 791 schritt man nach 
den Plänen des späteren Abtes Ratgar zu 
einem Neubau, der an Größe nur mit St. Gal 
len verglichen werden kann, ja, noch größer 
war als der heutige Dom. Diese Ratgar 
basilika wurde 819 durch den Mainzer Erz 
bischof eingeweiht. Noch die Fuldaer Stifts 
kirche des 17. Jahrhunderts reichte mit einem 
großen Teil ihres Mauerwerks in die Zeit 
Karls des Großen zurück. Sicher war ein Neu 
bau noch nicht notwendig, als sich Fürstabt
	        

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