Full text: Hessenland (40.1928)

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Ache Reste erhalten 'blieben, die profanen Zwecken 
gebient haben. Seit «dem «Herbst vergangenen Jahres 
steht Kloster Lorsch durch «die Ausgrabungen des 
römisch-«germanischen Museums zu Mainz, «die von 
Professor Dehn geleitet werden, «wieder im Mittel 
punkt «bes- Forschung sin lere-sse s. Das Kloster, in 
seiner Lage Mischen Rh«ein und Odenwald, also im 
ältesten deutschen Kulturgebiet, stellt neben dem Aache 
ner Münster b«as- 'wichtigste Denkmal ber karolingi 
schen Epoche bar. Bisher hat man über seinen Plan 
und seine Anlage nur wenig gewußt, da man «glaubte, 
baß! «die beiden Br-anbkataftrophen, «die letzte im Jahre 
1621, alle «wichtigen Teile vernichtet hätten. Die 
neuen Ausgrabungsforschungen Behns haben jedoch 
völlig neue Erkenntnisse ber Daugefchichte und des 
Grundrisses ans- Licht «gefördert. Man hat einen 
noch erh«alten-en Bau gefunden, ber soweit vom Feuer 
verschont «geblieben ist, b«aß man seine karolingische 
Herkunft -genau bestimmen konnte. Man rekonstruiert 
die Länge ber Kirche -aus ungefähr siebzig Meter im 
Lichten mit zwölf Jochen, die Breite «des Mittel 
schiffes -auf über elf Meter. Die allgemein bekannte 
Torhalle von Lorsch-, «die prächtigen Außenmosaik 
schmuck trägt, hat «durch diese neuen For«schun«gser-geb- 
nisse eine «sehr «wahrscheinliche Erklärung «gesunden. 
Hatte man sie bisher «als- Mi ch-ae l ista pelle beze-i-chnet, 
«da sie sich innerhalb des Atriums be'fan«d, «dann «stellt 
sie sich« «jetzt «in antik-sarkophatzähnlicher Form bar, 
deren Lage im Rahmen des gesamten Bauwerkes «so 
bedeuts«a«m «gewählt wurde, baß man «der Vermutung 
stark zuneigt, es «handle sich um «die vielgenannte 
ecclesia varia, «also um «die Begräbniskirche ber -deut 
schen Könige'. 'Bekanntlich sind- in« Kloster Lorsch 
Ludwig «der «Deutsche, «sein- Sohn Ludwig ILI., sowie 
Kuni«gunb«e, bie Gemahlin- Konrads IV., beigesetzt. Auch 
ber Bayernherzog! Dh-afsilo ist zu Lorsch -gestorben. 
«D i -e öffentlichen B -o l «k s« s ch ulen i m Re- 
g i eru n g s b e z i r k «Kassel. „Die öffentlichen 
Volksschulen in Preußen- nach« -dem Stande vom 
1. Mai 1627", so «lautet «der Titel -eines im Perlag 
von Jul. «Beltz, LangensalAa, herausgegebenen amt- 
«lichen Ueberfichtswerkes. Nach «ihm betrug «die Zahl 
ber öffentlichen Volksschulen im Regierungsbezirk 
Kassel am 1. Mai 1927 1312, «davon evangelisch 1647, 
rein «evangelisch 866, «katholisch« 217, rein katholisch 
173, jüdisch 41, simultan 6, weltlich 1. Ihrer Glieder 
ung nach sind- einstufig 661, zweistufig 268. «dreistufig 
141, vi«evstufig 87, fünfftusig 48, sechsstufig 31, sieben 
stufig 16-, achtstufig 76. Bei «der Zähl «der «Schulkinder 
ergibt sich: Knaben 66 296, Mädchen 63 787, zusam 
men 126 987. Ihrer Religionszugehörigkeit nach glie 
dern si«e «sich: -evangelisch- 164 249, katholisch 23991, 
jüdisch 993, bekenntnisfrei 466. «Die Zahl ber Lehr 
kräfte «betrug: Lehrer 2758, Lehrerinnen 496, zusam 
men 3254. Ihrer Religionszugehörigkeit «nach- gli-e- 
dern «sie «sich: evangelische Lehrer 2818. evangelische 
Lehrerinnen 943, zusammen 2661; katholische Lehrer 
391, «katholische Leh re r innen 153; zusammen 544; jüd«ische 
Lehrer 46, jüb«isch«e Lehrerinnen —; «bek-enntnisfreie 
Lehrer 6, «bek-enntnisfr eie Lehr erinnen« —. Am Reli- 
' gionsunterricht nehmen nicht teil 1. Schulkinder: «evan 
gelische 66, katholische 5, bek-enntnisfreie 120; 2. Leh 
rer: evangelische —, katholische —, bekenntnisfreie 3; 
Lehrerinnen —. An Zwergschulen «fintò« «vorhanden: 
in Abterode, Kr. «Eschwe-ge, 4 Kinder, Frankenberg 5, 
Louisenborf, Kr. Frankenberg, 6. «Eiterselb, Kr. Hlln- 
feld, 7, Fritzlar 7, «Gersfeld 7, Hommershausen, Kr. 
Hofgeismar, 7, Wüstensachsen, Kr. Gersfelb, 7, Bebra 
8, Gemünben. Kr. Frankenberg, 8, Gudensberg, Kr. 
Fritzlar, 8, Merzhausen, Kr. Ziegenhäin, 8, -Sontra 8, 
Tann i. b. Rhön 8, Wolfhagen- 8, Hornel«, Kr. Roten 
burg, 9, Lehnhausen «und Willershausen-, Kr. Fran 
kenberg. 9, Neustadt, Kr. Ziegenhain, 9, Niedenstein, 
Kr. Fritzlar, 9, Niederaula 9, Rockshausen, Kr. Hom- 
bevg 9, Schwarzenborn, Kr. Marburg, 9, Friedrichs 
bors, Kr. Hofgeismar, 16, Hitzelrode, Kr. Efchwege, 
16, Mosborn, Kr. Gelnhausen, 16, Wachenbuchen, Kr. 
H«anau-Land, 19. 
Die B e r u f s g l i e b e r u n g in Kurhessen. 
Nach «den nunmehr vorliegenden «Ergebnissen «der 
l«etzten «Berufszählun«g vom 16. Juni 1925 «standen «im 
Bezirk Kassel von einer G-esamtb«evöl-k-erun«g von 
1992 298 «Seelen 5-59 625 Personen bzw. 51,2 Prozent 
unmittelbar im Erwerbsleben. Der Anteil «der land- 
Wirtschaftlich«en Bevölkerung «beträgt 28,7 Prozent und 
derjenige «von Industrie und« Handwerk 37,8 Prozent, 
während Handel und Verkehr nur 14,8 Prozent «er 
nähren. Interessante Aufschlüsse -gibt die Uebersicht 
über «die «prozentuale Verteilung der Erwerbstätigen 
und «d«er Berusszuge«höri.gen auf b«i«e «wichtigste«n Be- 
rufs«a«bteilungen. Danach «kommen zunächst allgemein 
auf «die 625411 Erwerbstätigen 1692298 berufslose 
Angehörige (Berufszugehörige). Den höchsten Pro 
zentsatz Berufstätiger «wei«st b«ie Abteilung Land- «unb 
Forstwirtsch-aft mit 72 Prozent auf; der Anteil der 
tätigen Frauen ist in «dieser Abteilung mit 58 Pro 
zent sogar- höher als -der ‘¿»«er Männer (42 Prozent). 
In «der 2. «Abteilung „Industrie und« Handwerk" «be 
trägt «der Anteil «der Erwerbstätigen nur 49 Prozent, 
«von b-er Gesamtzahl «selbst «find- «knapp 17 Prozent 
Frauen. Die «entsprechenden Zahlen «für Handel «und 
Verkehr lauten «auf 48 Prozent Berufstätige, davon 
23 «Prozent Frauen. Industrie und Handwerk um 
faßt — zwar nicht -der Zahl «der -Erwerbstätigen 
nach, «sondern in «der Gesamtzahl, «also einschl. «d«er «be 
rufslosen Angehörigen- — die «Hauptmasse «der Devöl- 
kerung. Untersuchen «wir nun «diese Abteilung hin 
sichtlich ihrer wichtigsten Bevufsgruppen, so -ergibt 
«sich folgendes «Bild: An- b«er -Spitze «stehen -neben «dem 
Baugewerbe (17 Prozent) b«ie verschiedenen Zweige 
«der Metallindustrie (11 Prozent), «d'ie zusammen et«wa 
V5 aller Berufstätigen in Industrie und Hanbwerk 
beschäftigen. Ueber 16 999 Personen beschäftigen b«ann 
noch «das Bekleidungsgewerbe (16 Prozent), Nah^ 
rungs- und- Genußmittel, Hol-zgewerbe, Mas«chin«en-- 
b«a«u (je 9 Prozent), Jndustrie «der «Steine und Erden 
(8 Prozent) und« Textilinbustrie (6 Prozent). Nehmen 
wir eine berufliche «Gliederung nach der sozialen «Stel 
lung« vor, so sind' von «den Erwerbstätigen et«wa 
18 «Prozent selbständige Unternehmer, 13 Prozent An 
gestellte und «Beamte unb 26 «Prozent mithelfende Fa 
milienangehörige. Die Arbeiter sind größtenteils in 
Industrie und Handwerk «beschäftigt, wo allein 151954 
gezählt wurden. In «der Landwirtschaft «sind 35 473 
tätig, im Handel und- Verkehr 26 692; «in den übrigen 
Berufsabteilungen tritt ihre Beschäftigung bem-gegen- 
üb-er gan-z in «den Hintergrund. Die Zahl der mit 
helfenden -Angehörigen steht -an -zweiter Stelle. «Sie 
ist b«eshalb so groß, weil in «dem überwiegend «land 
wirtschaftlich eingestellten Kurhessen «die Frauenarbeit 
«eine ausschlaggebenbe Rolle spielt. Man sieht «dies 
schon daran, daß von «den rund 144 996 Mithelfenden 
134 999 auf «die Landwirtschaft entfallen unb «hiervon 
wiederum 196 699 «weibliche Personen sind. Die Zahl 
«der Selbständigen ist verhältnismäßig hoch; bas er 
klärt sich« daraus, daß et«wa 'die Hälfte (52 473) auf 
die Landwirte entfällt. Die Angestelltenschaft Kur 
hessens gehört zur Hälfte zum Handel unb Verkehr 
(36 236), in den Rest teilen sich fast gleichmäßig In 
dustrie (18 349). und öffentlicher Dienst (18 423). Nicht
	        

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