Full text: Hessenland (40.1928)

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Schöpfungsgeschichte. 
Marburg. 
Aniversitätsmuseum. 
teres auch ldas chronologische, topographische und kunst 
historische Verhältnis ergibt. Die A n o r d n u n g der 
einzelnen Stücke in den einzelnen Kabinetten ist natur 
gemäß sehr stark von ihrer Raumwirkung beeinflußt 
«worden, trotzdem hat das zeitliche, resp. stilgeschicht 
liche, heimatliche und persönliche Moment seine volle 
Berücksichtigung gefunden. Man trifft zum Beispiel 
ein ausgesprochenes Varockzimmer, eins «für moderne 
Maler oder «Einzelräume für Frankenberg, Fulda, 
Gelnhausen, Wetzlar, «Marburg, auch die Arbeit von 
Männern wie Ludwig Juppe und Philipp Soldan 
sind zusammengerückt, während allerdings einige Pla 
stiken «aus d«er «Gegenwart sich mit Zufallsplätzen be 
gnügen «mußten. 
Es wird bei dem Charakter des Ganzen «kaum «über 
raschen, daß die Plastik «weitaus überwiegt, ja, 
daß sich hier gewisse Sonderthemen wie die Madon 
nen, die Pietas, «die Kruzifixe und« Reliefs, die den 
Uebergang zur «Malerei darstellen, noch besonders her 
ausheben Reben einigen «wenigen «Skulpturen: «einem 
steinernen männlichen Kopf «aus der «Fuld«aer Dom- 
krypta (11. Jahrh.) einem Holz-Wachs-Johannesfigür- 
chen («aus Fritzlar, 11. Jahrh.), «einer «kleinen Johan 
nes-Bronze von «einem romanischen Tra«g«altar 
(12. Jahrh.) und «einem Gelnhäuser «Evangelisten («aus 
der Sakristei der Marienkirche, 13. Jahrh.) «gehören 
die meisten >dem 14. «bis 16. Jahrhundert an«. Unter 
ihnen sind «die «Holzarbeiten zahlreicher: «eine 
«westfälische Reliquienbüste «des heiligen Amandus 
(Fritzlar), «ein «sitzender rheinischer heiliger Bischof 
(Trier), «ein «überlebensgroßer «niederdeutscher Schmer 
zensmann (I486) und« zwei machtvolle Apostelfiguren 
(aus Fischbeck). zwei heilige «Könige und die Büste 
eines jugendlichen Heiligen (Fulda, um 1475), ein be 
sonders wertvoller «leuchtertragender Engel (Kassel) 
und «die in ihrer Art «ganz eigene Kreuzgruppe aus 
d«er Stadtkirche in 'Schotten (um 1480), dann aus dem 
16. I«ahrhund«ert zwei Mainzische Heilige (um 1525), 
eine heilige Anna «Selbdritt (Fulda), ein heiliger 
Bischof, ein heiliger Bonisatius und« ein sehr «modern 
anmutender Ehristuskopf (Kassel, Landesmuseum). 
Aus der Werkstatt «des Nicolaus Schit in «Gelnhausen 
«stammen «vier «abgeklärt-kühl geformte Apo«stel und 
Heilige (um 1600). Das 17. und 18. Jahrhundert fügt 
dazu einige bemalte, lackierte 0d«er vergoldete Ge 
stalten: Bischöfe, Johannes, Matthäus, «Engel und den 
heiligen Joseph mit idem Ehristuskinde aus Roten 
burg, «Schröck. Fritzlar und Wetzlar. Das «gesteigerte 
Lebensgefühl des Barock und die sinnliche «Synthese 
von Welt und Kirche «strahlen uns «entgegen aus >den 
Teilen «eines Fritzlarer Marienaltars. Unmittelbarste 
«stilbetonte «Gegenwart verkörpert Richard Scheibes ha 
gere asketische Christusfigur, ein «Modell «für eine 
Bronze in «der Frankfurter Friedenskivche, und fein 
reitender Christus in Bronze. Die ältere S t e i n - 
p «l a «st i k «wird belegt durch die «imposante Anbetung 
der hl. drei Köni«ge aus« Corbach (Kilianskirche, 
14. Jahrh.), eini«ge bedeutsame Köpfe «aus «Erfurt, 
Frankenberg und Münster, Propheten- und« Apostel- 
«gestalten «aus Frankenberg, Münster und Wetzlar, be 
achtliche Figurenfragmente «und einen «Schmerzens 
mann «aus« Frankenberg, neben denen auch eine weib 
liche Heilige aus« Homburg !v. d. H. (Ton, 15. Jahrh.) 
und ein reizvoller «Kalvarienberg« (um 1775) aus 
«Ton, «einige heroische Alabaster figuren (Marburg«, 
Lutherische Pfarrkirche), und das vergoldete und be 
malte Kopfreliquar eines weiblichen Heiligen aus 
Kupfer (Wetzlar, 16. Jahrh«.) auftauchen. 
Unter den Trag- und Reisealtären, 
denen man im «allgemeinen seltener begegnet, da sie sich 
nur vereinzelt erhalten haben, treffen wir mehrere 
sehr «kostbare Stücke: die mit gravierten und nivellier 
ten «Silber- und« Kupferplatten bekleideten hölzernen 
Paderborner Altäre mit getriebenen Figuren, die
	        

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