Full text: Hessenland (40.1928)

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schickte er im Sommer 1639 zwei junge Ber 
berlöwen als Geschenk nach Rom. Erst im 
Frühjahr 1641 tauchte er selbst wieder am 
Tiber auf, brachte mit Kardinal Antonio einige 
Wochen in der Villa Lante in Bagnaja zu, 
wurde im Juni von diesem mit einem Ban 
kett in der Cancelleria gefeiert und geriet mit 
Anfang des Winters in persönliche Mißhellig 
keiten mit seinen bisherigen Gönnern. 
Ueber dieses Zerwürfnis geben die Avvisi 
der Vatikanischen Bibliothek Auskunft. Als 
der Papst im November vom Monte Cavallo 
in den Vatikan übersiedelte, weigerte Fried 
rich sich, die ihm dort angewiesenen Zimmer 
zu beziehen, mit der Begründung, diese 
seien feucht und melancholisch, wenn man ihm 
andere Räume von besserer Verfassung gebe, 
so werde er hingehen. Da nun der Kardinal 
Francesco Barberini erfuhr, daß Friedrich mit 
einigen Leuten, die ihm nicht paßten, spazieren 
zu gehen pflegte, nahm er ihm den Credenziere 
(Tafeldecker) weg, der ihn mit dem Barberi- 
nischen Silber bediente, und hörte auf, ihm die 
tägliche Verpflegung zu schicken. Darüber ent 
rüstet machte der junge Landgraf Abschieds 
besuche beim Pavlt. beim Kardinal Francesco 
Barberini und, da ersterer gerade abwesend 
war und ihn nicht empfangen konnte, wieder 
holte er den Besuch nicht. Er sprach die Ab 
sicht aus, über Florenz nacb Deutschland zu 
gehen und Dienste beim Kaiser zu nehmen. 
Die römischen Freunde suchten ihn zu halten, 
Kardinal Barberini bot ihm ein Einkommen 
von 3000 Scudi an, die der Landgraf aus 
schlug, weil er höhere Ansprüche stellte. Fried 
rich begab sich nach Civitavecchia, um von da 
über Florenz nach Deutschland zu reisen. Dies 
geschah in den letzten Dezembertagen 1641. Der 
gleichzeitige Avviso bemerkt dazu, man glaube, 
daß Kardinal Barberini ihn möglichst befrie 
digt habe scheiden lassen wollen und ihn mit 
Geld für die Reise versehen habe; denn nach 
Friedrichs Abreise sei der Graf Waldstein beim 
Kardinal gewesen und gleich darauf hinter 
dem Landgrafen hergereist, um ihm noch et 
was vom Kardinal anzubieten. Man höre je 
doch, daß Friedrich darauf bestände, nach 
Deutschland zu gehen. Ein Avviso vom 
15. Februar 1642 meldet, daß der Landgraf 
in Florenz beim Großherzog eine ehrenvolle 
Aufnahme gefunden habe und der Papst ihm 
eine freigewordene Ordenskommende in der 
Schweiz im Wert von 3000 Scudi übertragen 
habe. Erst nach acht Jahren betrat Friedrich 
den römischen Boden wieder, nachdem Papst 
Barberini gestorben und Innocenz X. Pam- 
fili ihm gefolgt var. Ein Avviso vom 20. No 
vember 1649 meldet, daß große Summen für 
den Landgrafen von Hessen eingezahlt worden 
seien, der inkognito nach Rom kommen werde, 
um das Jubeljahr mitzumachen. Am 4. De 
zember traf er mit seinem Gefolge von 30 
Personen ein, blieb aber nicht länger dort. 
Am 19. Februar 1652 ernannte ihn Innocenz 
in seiner Abwesenheit zum Kardinal, ohne 
daß er die kirchlichen Weihen besaß, und erst 
am 4. Mai 1655 setzte ihm Alexander VII., zu 
dessen Konklave er am 18. Januar am Tiber 
erschienen war, den roten Hut auf. Nun blieb 
Friedrich, der Kardinal von Hessen, einige 
Zeit in Rom; dem Papst war wohl die An 
wesenheit eines Kirchenfürsten aus so hoher 
Familie erwünscht, und als er sich zum Emp 
fang der Königin von Schweden rüstete, er 
nannte er ihn und den Kardinal Medici zu 
lanuti a luterà, um Christine einzuholen. Die 
beiden Purpurträger fuhren am 20. Dezember 
1655 auf der Via Cassia bis zum Kastell Ol- 
giata, wo sie die Königin im Namen seiner 
Heiligkeit begrüßten, und nahmen darauf an 
ihrem feierlichen Einzug durch die Porta del 
Popolo am 23. Dezember teil. Im Januar 
beschenkte Alexander den Landgrafen mit einem 
Ring, für den die päpstliche Kammer 110 Scudi 
an den römischen Juwelier gezahlt hat. Der 
Rest des Winters ging für den nunmehr 40- 
jährigen mit Iagdvergnügen hin und im April 
wurde er vom Papst zum General der römi 
schen Kirche ernannt, um eine Streitmacht 
gegen die Engländer aufzubringen. In dieser 
Eigenschaft war es Friedrich nicht vergönnt, 
sich auszuzeichnen, dagegen konnte er sich in 
Rom nützlich machen, als von Neapel her die 
Pest eingeschleppt wurde. Der Papst ernannte 
ihn zum Mitglied der Congregazione sopra la 
sanità, und im Mai 1656 konnte der baye 
rische Gesandte Fantuzzi an seinen Hof über 
die Maßnahmen berichten, die der Landgraf 
im Stadtteil Trastevere gegen die Pest ergrif 
fen hatte. Als die Pest den deutschen Auditor 
der Rota Christof Peutinger im Dezember hin 
weggerafft hatte, erbat Friedrich sich vom 
Papst dessen sämtliche nun erledigte Pfrün 
den, mußte sich jedoch mit der einzigen Prop 
stei von Worms begnügen. 
Schluß folgt.
	        

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