Full text: Hessenland (40.1928)

227 
L>a er in dem Großalmeroder Kirchenbuch, das 
bis zum Jahre 1670 die Geburten der Fa 
milie Gondelach verzeichnet, noch nicht ge 
nannt ist. Er ist Glasschneider wie sein Bru 
der und batte die Altmündener Glashütte seit 
1717 in Pacht, wo sie ihm, zusammen mit dem 
Glasmeister Cbristovb Eberhard, auf 6 Jahre 
vervachtet worden war. 
Das Verhältnis des Franz Gondelach zu 
Lhristovh Eberhard war nicht sehr freundlich; 
Eberhard, der nach seinen Angaben über 40 
Jahre bei der Altmündever Hütte gestanden, 
den der ^ürst zweimal aus fremden Landen 
batte kommen lasten, verlangt in immer wie 
derholten Gesuchen die Hälfte der Hütte für 
Orh. Franz Gondelach seinerseits, der den 
Anteil Eberhards an der scheinbar gut flo 
rierenden Hütte zurückzudrängen sucht, be 
schuldigt ihn, daß er das Glas „nicht durabel 
und so dünn "emackü. daß die völliae Deca- 
denr der Hütte unvermeidlich erfolgt wäre". 
Die Vorwürfe, Eberhard mache schlechtes 
Glas, scheinen berechtigt zu sein, da sie in spä 
terer Zeit von anderer Seite immer wieder 
gegen ihn erhoben wurden. Die Kasseler Re- 
aierung. die Gondelach bisher schon auf jede 
Weise bevorzugt hat, setzt schließlich am 22. No 
vember 1725 den Anteil Eberhards auf ein 
Drittel fest. Nach Ablauf der ersten drei 
Jahre ist dann Franz Gondelach im Alter von 
nicht ganz 63 Jahren gestorben, und zwar 
nach dem 15. April und vor dem 15. Juli 
1726, denn an diesem Tage wird schon die 
Rentkammer beauftragt, einen neuen Kon 
trakt für Christoph Eberhard auszustellen. 
Franz Gondelach wurde in Wilhelmshausen 
beerdigt. Hütteroth (Die Reinhardswald 
dörfer, Kassel 1911)! liest im Kirchenbuch über 
ihn, daß er „am abend mit Laternen beyge 
setzt" sei, was sicher als besonders feierlich 
und ehrenvoll galt. So stirbt Franz Gonde 
lach alsPächter derAltmündenerHiitte,in einer 
Stellung, die er im Alter erstrebt hatte, die eine 
Art Pfründe war, die Landgraf Karl dem halb 
blinden Künstler als Belohnung für die Kost 
barkeiten, die dieser für ihn verfertigt hatte, 
zuerteilt hatte. Seine Tätigkeit als Glas 
schneider hat er während dieser Pachtjahre, und 
wohl auch schon vorher, seines schwindenden 
Augenlichtes wegen wohl kaum noch ausüben 
können; Glasarbeiten sind nach 1720 wohl 
nickt mehr von ihm gefertigt worden. 
In dem am 22. Juli 1726 unterschriebenen 
20jährigen Pachtkontrakt mit Eberhard wird 
u.. a. auch die Exmission der Gondelachschen 
Erben aus der Hütte angeordnet, da sich der 
Pachtbrief vom 30. März 1722 nicht auf 
Franz Gondelachs Erben mitbezogen hatte. 
Wer unter diesen Gondelachschen Erben vor 
allem zu verstehen ist, erfahren wir, als nach 
10 Jahren, im Mai 1735, durch den Tod 
Eberhards die Hütte wiederum frei geworden 
ist. Der Hauptbewerber ist nämlich jetzt der 
H o f glasfch n e i d e r Johann Hein 
rich Gondelach, der Sohn des Franz. 
In seinem Bewerbungsschreiben an die Re 
gierung beklagt er sich nachträglich noch über 
die Behandlung, die er nach dem Tode seines 
Vaters erfahren habe, vor allem über die 
widerrechtliche und voreilige Exmission aus 
der Hütte am 3. September 1726, dann, daß 
ihnen — den Erben — das Pachtgeld, das 
sein Vater am 15. April 1726 für die folgen 
den drei Jahre bezahlt habe, erst nach 7 Jah 
ren und ohne Zinsen zurückerstattet worden 
sei. In einem zweiten Schreiben sagt er so 
gar — offenbar irrtümlich — daß sie nach 
dem Tode seines Vaters die Hütte in vier 
Tagen hätten räumen müssen, „ohnerachtet 
bei 20 000 Stück Glas vorrätig", das sie mit 
schweren Kosten und Verlusten einpacken und 
nach Kassel hätten bringen müssen. Trotz sei 
ner mehrfachen dringlichen Bewerbungsbriefe, 
obgleich er vorbringt, daß er noch die 9 rest 
lichen Pachtjahre seines Vaters gut habe, wird 
er zu Gunsten des Schwiegersohnes Eber 
hards, Andreas Weber aus Kassel, abschlägig 
beschieden. Der Grund ist leicht aus folgen 
dem zu erraten: Andreas Weber schreibt in 
seinem Gesuche vom 16, Februar 1736, es sei 
für das Land unerträglich, „wenn einer Per 
son, welcke bereits andere Glashütten in Pacht 
hat. solche übertragen würde, die hierdurch 
vollkommene Pouvoir erlangen muß. die Wa 
ren nach eigenem Belieben loszuschlagen, als 
wogegen Taxordnungen und andere Regle 
ments nichts verfangen wollen, nach dem be 
kannten Camera! Principio, daß dem Landes 
herrn als dem Unterthan am profitablesten 
sei, je mehr alle Monopolia verhütet werden 
können". In der Tat ist Johann Heinrich 
Gondelach bereits im Besitze einer Glashütte 
in Obernzell bei Schwarzenfels (im Hanau- 
ifchen), die er 1731 mit fürstlicher Erlaubnis 
angelegt hat und die nach seinen Worten durch 
einen ausgedehnten Handel über Frankfurt 
nach Köln etc. viel Geld ins Land gezogen 
habe. 1743 hat dann der Landgraf die Schwar- 
zenfelfer Hütte zur Schonung des Holzbestan 
des eingehen lasten. 
Aus diesen Jahren stammen daher wieder 
erneute Gesuche Gondelachs, der sich inzwischen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.