Full text: Hessenland (40.1928)

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den kürzlich erhaltenen Sieg stoltzen Obstreicher 
wagtens einmahl dem 38 000 MV) starken Kö- 
nig ins freye Feld entgegen zu gehen, da er sie 
vorher allemahl auf den Bergen angreifen 
müssen. Ihre Armee bestund aus 80 000 M.") 
Es kam bey Lifsa den 5ten December (auf eben 
den Tag, auf welchesrff der König vor den Kai 
ser citiert war ad audiendam sententiam 
banni imperialis) zu einem hitzigen Treffen, 
in welchem der König den glorreichsten Sieg 
über seine Feinde erhielt, 5000 tötete, 21 500 
gefanaen nahm, worunter 307 officiers und 
darunter 25 Grafen, bey 100 Fahnen und 
Standarten, 151 16 ) Canonen und 7000 Ba- 
gage-Wagen erbeutete, und die feindliche 
Armee sehr zerstreuete. Einige Wochen her 
nach bekam er Breslau wieder^) und darin 
nen 9000 Soldaten, 4000 blessierte von vori 
ger Schlacht, 14 générais, 300 officiers und 
sehr grose Beute, daß jedermann über die 
herrliche Hülfe, welche Gott diesem von vielen 
und mächtigen Feinden umgebenen König lei 
stete, in recht staunende Verwunderung gesetzt 
wurde. Ueber seine Feinde breitete sich ein 
recht göttlicher Schrecken^) auch vor seinem 
Namen aus. 
(Schluß.) 
Der Kasseler Braunkohlenbergbau?) 
Die Lagerstätten des Kasseler Braunkohlen 
reviers liegen zu einem großen Teil in der 
sooenannten niederhessischen Senke, dem nörd 
lichen Teil der rheinischen Senke, die in der 
Vorzeit eine Verbindung des Nordmeeres mit 
dem Mainzer Becken und dadurch mit dem 
Südmeer bildete. Zum anderen Teil befin 
den sie sich auf den Höhenzügen, die diese 
Senke einrahmen. Es sind dieses im Osten der. 
Meißner, nach Norden anschließend der Kau- 
funger- und Reinhardswald, im Westen die 
Ausläufer des Sauerlandes und der Waldecker 
Berge und im Süden zwischen der Schwalm 
und der Efze das Knüllgebirge. Durchflossen 
und entwässert wird die niederhessische Senke 
durch die Edder und Fulda mit ihren Neben 
flüssen. 
Der älteste Braunkohlenbergbau im Kasseler 
Revier ist auf dem Meißner betrieben wor 
den. In welches Jahr der Beginn des Berg 
baues fällt, ist umstritten. Nach dem bekannten 
hessischen Geschichtsschreiber Wilhelm Dillich 
soll es das Jahr 1555 sein. Vorhandene Ur 
kunden weisen auf das Jahr 1571 hin, in dem 
unter der Regierung des Landgrafen Wilhelm 
des Vierten von Hessen regelrecht mit berg 
männischen Arbeiten zur Erschließung von 
„Steinkohlen" im Meißner begonnen wurde, 
wie man die Kohlen damals nannte im Gegen- *) 
*) Wir entnehmen mit freundlicher Erlaubnis die 
nachstehenden Ausführungen der trefflichen, von Ma 
jor Seebohm, verfaßten und anläßlich des 3ö0jäh 
rt gen Bestehens des Kasseler Braunkohlenbergbaues 
vom Bergbaulichen Verein Kaffe! e. V. heraus 
gegebenen Festschrift, die auch die beiden Karten 
skizzen enthält. 
satz zur Holzkohle, die bis dahin allein in der 
Eisenindustrie gekannt und benutzt war. Zum 
Erfolge führte nach diesen Urkunden, die sich 
nach der Schaubschen, dem Staatsminister 
Friedrich Sigismund Waitz, Freiherrn von 
Eschen, gewidmeten Beschreibung des Meiß- 
ners von 1799 in Allendorf an der Werra be 
finden, jedoch erst das Jahr 1578, als in dem 
alten und ersten Stollen bei dem sogenannten 
„Wohnhause", dem heutigen „Schwalbenthal", 
die gesuchten „guten Kohlen" endlich angetrof 
fen wurden. Wohl hatte man schon beim 
Ausfahren des Stollens erdige Braunkohle an 
getroffen, aber für unverwendbar befunden; 
erst als man auf die wertvollere Schwarz- und 
Glanzkohle stieß, war der Zweck erreicht und 
die Grundlage für die Eröffnung des Berg 
baubetriebes gegeben. Mit Sicherheit kann 
man also das Jahr 1578 als das Geburtsjahr 
des hessischen Braunkohlenbergbaues be 
trachten. 
Landgraf Wilhelm IV., der Weife, und fein 
Sohn Moritz waren bestrebt, durch Gründung 
neuer Industriezweige und Belebung der alten 
in den gewerblichen Verhältnissen Wandel zu 
schassen und die Nahrungsquelle ihrer Unter 
tanen zu vermehren. Und so fand auch der in 
Sooden-Allendorf lebende Pfarrer Johannes 
13 ) Genauer: 35 000 Mann. 
14 ) Genauer: 70 000 Mann. 
15 ) Od er Le uth en. 
16 ) Wohl verschrieben für 131; K o s e r 2, 147. 
17 ) Am 20. Dezember 1757. 
18 ) Aus diesen Worten spricht der Angehörige 
eines Wenn auch nur indirekt mit Preußen verbün 
deten protestantischen Staates.
	        
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