Full text: Hessenland (40.1928)

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geschlossen war, da während dieser Zeit die Al 
liierten grosen Mangel bey Stade leiden mus 
ten, so zog sich die frantzosische Armee gegen 
das Halberstädtische, woselbst das Hauptquar 
tier war, hielte aber in den Preusischen Lan 
den gute Ordnung und Manszucht. 
Während dieser Zeit hatte sich auch die 
Reichsarmee, aus trouppen der Reichsfürsten") 
und 28 000") Frantzosen bestehend und wenig 
stens 80 000 M.") ausmachend bey Nürnberg 
versamlet, und rückte") durchs Bambergifche, 
Würtzburgische über Eisenach in das Sächsische 
bey Weisenfels ein, wo sie noch mit 28 000 
Frantzosen von der Armee im Hanoverschen 
verstärkt wurde. Während dieser Bewegungen 
hatte der König in Preusen, damit er nicht von 
Sachsen abgeschnitten würde, sich aus Böhmen 
heraus in Sachsen gezogen, und die gantze 
Oestreichische Armee hinter sich her gelodet, 
daß er also von 3 sehr mächtigen Kriegsheeren 
gleichsam umgeben war- Da sich nun sein Ge 
neral der Printz sFriedrich Franz) von sBraun- 
schweig-f Bevern mit einem Theil der Armee 
nach Schlesien zurückzog, so folgte ihm der 
gröste Theil der Oestreichischen nach. Der König 
selbst ging mit etlichen und 20 000 M. der 
Reichs-Armee und frantzösischen entgegen, da 
es dan den 5ten Obris (Novembris) 1757 bey 
Weisenfels und Rosbach zum blutigen Treffen 
kam, in welchem die combinirtefrantzösische und 
Reichs-Armee totaliter geschlagen, 4000Frant- 
zosen getötet, 60 000 gefangen wurden, wor 
unter 11 Printzen, 16 Generale, über 200 offi-- 
ciers waren, die Reichs Armee aber wurde 
gäntzlich zerstreuet und zernichtet, und wäre 
die Nacht nicht dazwischen kommen, so wäre 
nach dem eigenen Geständnis der Frantzosen 
ihre gantze Armee verlohren gegangen. 
Inzwischen rückte die Rusische Kaiserin (Eli 
sabeth) mit einer Armee von 120 000 MannI 
über Meme?) in das Königreich Preusen ein, 
welche trouppen im Sengen, Brennen, Weiber 
13 ) Sie bestanden aus zirka 38 OCX) Mann. 
u ) Das Heer des Prinzen -von Roh an-Sou bist 
zählte zirka 24 000 Mann. 
15 ) Genauer: 57 000 Mann. 
16 ) Am 23. August. 
st Sehr übertrieben; es waren nur 80—90 000 
Mann. 
2 ) Es wurde am 18. August 1757 eingenommen. 
3 ) Bei Großjägersdorf am 30. August. 
4 ) Sogar nur 25 000 Mann. 
5 ) Infolge des Gerüchts vom Tobe der Kaiserin 
Elisabeth. Bergt. R. Koser, König Friedrich der 
schänden und Peinigen auch der Prediger sehr 
grausam hauseten, wo es unweit Königsberg 
zu einer Schlacht kam?) und obgleich die Preu 
ßische Armee nicht 50 000 M?) stark war, so 
eignete sie sich doch den Sieg zu, so wie die 
gegentheilige ihn sich zuschrieb. Richt lange 
nach der Schlacht aber zog sich unvermuthet 
und in großer Eilfertigkeit das feindliche Heer 
bis nach Memel zurück?) Während dieser Zeit 
waren auch die Schweden mit einem 20 000 
Mann starken Heere in Pommern eingefallen?) 
nahmen Anclam, Schwinemünde 6te. hinweg, 
und machten Mine Stettin zu belagern. Auf 
die Nachricht aber von der Flucht der Mosco- 
viter wurden sie feig und zogen sich nach und 
nach zurück. Diese Feindseligkeit der Schwe 
den wurde dieser Nation, welche sich sonsten um 
die Evangelische Kirche in Deutschland ewig 
verdient gemacht, von jedermann sehr übel ge 
nommen, da ohnehin diese Kirche von der 
gegentheiligen Obermacht in augenscheinlicher 
Gefahr schwebte, und . . . •') schon von den 
Frantzosen, durch öffentlichestreoeossionos 8 ) im 
Hanoverschen, einen angefangenen Capellen 
Bau in Marburg?) Unternehmungen gegen 
den Westphälischen Frieden, angefangen waren. 
Doch rührte dieser Schwedische Krieg mehr 
vom privat Haß der Reichs Räthe in Schwe 
den?") als vom König (Adolf Friedrichs und 
Bolcke her, als welcher öffentlich dagegen schrift 
lich vxotestirt, wie die Prediger in Schweden 
auch öffentlich dagegen gepredigt haben. 
In Schlesien gingen die Sachen des Königs 
v. P. den Krebsgang. Die Obstreicher waren 
von gantz Schlesien beynahe Meister, schlugen 
den Printz von Bevern den 22. Obris (Rovem- 
bris) bey Breslau und bekamen auch diese 
Hauptstadt darauf ein, eroberten Schweid 
nitz/st nicht ohne Verdacht der Untreue des 
Preusischen Commandanten. Rach der Schlacht 
bey Weisenfels zog der König nach Schlesien, 
wo er mit Ausgang Odris") ankam. Die durch 
Große. 2, S. 156 f., und- H. P r u tz, Preuß. Ge 
schichte. 3, S. 93. 
") Am 13. September. 
7 ) Das hier stehende Wort (4 Buchstaben (saust? 
ist nicht zu entziffern. 
8 ) So statt processiones. 
9 ) Bergt, darüber W. Kolbe, Marburg und der 
siebenjährige Krieg. Vortrag. Marburg 1880 S. 16. 
10 ) Koser, 2,158, macht das persönliche Interesse 
der IcO'tri'C'b'ifdOert Senatoren an den französischen -Sub- 
fidiengeldern d-asür verantwortlich. 
") Bereits am 12. November. 
12 ) Am 28. November war er in Parchwitz.
	        

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