Full text: Hessenland (40.1928)

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von jedem Reichsstand unter harten Bedro 
hungen sein Contigent an Geld und Volk in 
duplo 9 ) und rüstete also eine Reichs Armee 
geaen ihn aus, sondern, weil Frankreich und 
Schweden die garautio des Westph. Friedens 
übernommen hatten"), so wurden auch diese 
Potentaten von Kaiser und Reichs wegen 
gegen den K. v. P. zur Hülfe geruffen"). 
Weilen nun der König von Engelland und 
Churfürst von Hanover lGeorg II.] dem Könige 
von Frankreich schon im Jahre 1755 den Krieg 
angekündiget und zu Wasser angefangen, doch 
unglücklich geführet, so nahm der König von 
Frankreich diese Reifung des Kaisers ins 
Reich gegen den König von Preusen mit 
Freuden an"), theils den König von Engelland 
in seinen deutschen Erblanden zu bekriegen 
und ohne Hindernis in dasselbe einzudrinaen, 
theils auch selbsten seiner alten Feindschaft 
nach Deutschland auszuhängen, und seine 
starke Armee auf Kosten der Deutschen zu 
halten. Ob er nun gleich beym Eintritt in 
Deutschland die schriftliche Versicherung ge 
geben, daß die deutschen Fürsten und Lande, 
welche keinen Theil am Krieg des K. in Preu 
sen hatten, sich nichts feindseeliges von ihm 
zu versehen hatten, indem er als garant des 
Westphälischen Friedens nur die Störer der 
gemeinen Ruhe zum Gehorsam bringen und 
das Reich bey seinen Grundgesetzen schützen 
wollte; so drang er doch mit einer über 150000 
Mann') starken Armee über Wesel durch 
Westphalen an die Weser, ging über dieselbe 
bey Corvey, und grif bey Hameln die Hano- 
0 ) Nach der Reichsdefensionalordnung v. I. 1681 
betrug das sog. Simplum des Reichsheeres 28 000 
M. zu Fuß, 12000 Ml zu Pferd. 
lu ) Diese Tatsache wird in den Geschichtswerken 
durchweg verschwiegen. 
") Eine hierauf bezügliche Bereitschaftserklärung 
beider Garantiemächte beim deutschen Reichstag er 
folgte am 14. März 1757. 
12 ) Genau das Gegenteil ist richtig. Frankreichs 
Teilnahme am Kriege wurde erst durch Friedrichs 
Angriff auf Sachsen und Oesterreich entschieden. 
„Doch war die preußische Partei (am französischen 
Hofe) auch jetzt noch nicht Verstummt, sie setzte ihre 
Opposition 'fort. Die letzte Entscheidung ist durch die 
kriegerische Haltung des von William Pitt geleiteten 
englischen Parlaments bewirkt worden, welches die 
Aufstelluug einer Obfervations-Armee beschloß. Dar 
auf erst, am 1. Mai' 1767, ist es zwischen Oesterreich 
und Frankreich zu dem zweiten Bertrag von Ver 
sailles gekommen, welcher wollte, daß aus Preußen 
verifche Armee cm*), welche aus 20 000 Hano- 
veranern, 12 000 Hessen, 6 000 Braunschwei 
gern und Bückeburgern bestund*), schlug die 
selbe bey Hameln'), und trieb dieselbe bis nach 
Stade, und verheerte das gantze Hanoverische 
Land, welches er mit dem Braunschweigischen 
und Lüneburgischen einnahm. 
Weilen nun der Landgraf fWilhelm VIII.] 
von Hessen,*) seine Völker in englischen Sold 
überlassen hatte, ehe der Krieg in Deutschland 
anging,") so nahm die frantzösische Armee, 
nachdem sie vorher vergeblich einen Durchzug 
durch Hessen verlangt, erstlich Cassel/), her 
nach Marburg/) und endlich das gantze Land 
ein und besetzte alle Hauptstädte, ohne eini 
gen Wiederstand und Verlust. Rauten es 
hernach in denen herausgegebenen Verord 
nungen wie die übrigen ihre eroberten Lande, 
nahmen starke touragtz-Lieferungen und errich 
teten gewaltige Magazine davon, und plagten 
alle Unterthanen, die Prediger nicht ausge 
nommen, mit Lieferungen und Kriegerfahren, 
und machten über Marburg und Cassel von 
Hanau ihren Hauptpass ins Hanoverische, so 
daß erstlich die Armee, welche Frankreich der 
Kaiserin alsHülfstrouppen in der allianee ver 
sprochen hatte, von 25 000 M/) diese Strafe 
passirte und dieselb Tag und Nacht durch'") 
durchgehenden Völkern und Bagag6 nicht ledig 
wurde.") Nachdem nun durch Untreue des die 
Hanoversche Armee commandirenden Hertzogs 
von Cumberland, des Königs Sohn, wie von 
Jedermann vermuthet wurde, eine Conven 
tion") und Waffenstillstand auf einige Monate 
wieder Brandenburg werden sollte" (Lehmann 
'S. 56.). 
u So nach der ,,Apologie"; genauer: 105 000 
Mann. 
2 ) Die Stärke der französischen Armee belief sich 
hier auf 74 000 Mann. 
3 ) Die Gesamtstärke war nicht 38 000, sondern 
nur 36 000 Mann. 
4 ) Oder Hastenbeck, am 26. Juli. 
5 ) 1751—1760. 
6 ) Subsidienvertrag vom 18. Juni 1755. 
7 ) Am 13. Juli, unter dem Generallieutenant Mar 
quis de Contades. 
8 ) Am 22, Juli, unter dem Narccbal 66 camp 
Graf Bauban. 
9 ) Unter dem Marschall Herzog von Richelieu. 
*o) So statt: von. 
■ n ) Die Avantgarde dieses vom Rhein und Frank 
furt herkommenden Heeres bildete das Freischaren- 
korps des berüchtigten Obristen Franz Fischer. 
42 ) Zu Kloster Zeven, 8. Sept. 1757.
	        

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