Full text: Hessenland (40.1928)

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an Kunst, Altertümern und Denkmälern, die geschicht 
liche und territoriale Entwicklung des Landes dar 
stellen und die Bedeutung, die die Regierung der 
Fürsten für Waldeck gehabt hat, 'hervorheben soll. 
Diese Ausstellung 'wird ein Gesamtbild der Waldecker 
Kultur geben, deren Einheit durch sie dokumentiert 
wird. Sie soll ¡in Arolsen, Corbach und den Haupt 
orten des Regierungsbezirkes Kassel gezeigt werden, 
auch zu Ostern nächsten Jahres in Berlin zu sehen 
sein. Präsident Or. Schmieding hat seine amtliche 
Unterstützung in jeder Weise zugesagt. Diese Aus 
stellung soll nicht nur die Erforschung des Waldecker 
Landes beloben und fördern, sondern zugleich auch 
Beiträge für das geplante umfassende Waldecker 
Heimatmuseum liefern. Der Museumsverband für 
Kurhessen und Waldeck wendet sich daher an alle 
Freunde des Waldecker Landes mit der Bitte, ihn bei 
seinem Unternehmen mit Rat und Tat zu unterstützen. 
Er bittet alle Sammler waldeckischer Altertümer (wie 
Trachten, Uniformen, Waffen, Fahnen, Bilder, Stiche, 
Urkunden, Bücher, Münzen usw.), sich mit der Ge 
schäftsstelle 'des Museumsverbandes, Kassel, Wil 
helmshöher Platz 5, in Verbindung zu setzen. 
Ma r b u r g. Am 35. Mai würden auf der nach 
Plänen von Or. Budde geschaffenen Freilichtbühne 
auf dem Schloßberg die Marburger Festspiele, „Das 
Spiel von St. Elisabeth" (Text von Johann! Wein- 
rich) eröffnet. Die Ausführung unter der ¡straffen Lei- 
tung von Fritz Budde war überaus eindrucksvoll. — 
Am gleichen Tage -wurde im Kunstinftitut der Univer 
sität die Ausstellung „Religiöse Kunst aus Hessen und 
Nassau" eröffnet, ans die wir noch eingehend zurück 
kommen werden. — Angesichts der zu Verkehrswerbe- 
zwecken geplanten ständigen Beleuchtung des Marbur.- 
gev Schlosses schreibt Or. K. R. in der „Oberhessischen 
Zeitung": Hoffentlich kommt dieser Plan nie zur Aus 
führung. Ist es denn wirklich nötig, mechanisch alle 
„Errungenschaften" der Großstädte auf unsere roman 
tische Bergstadt zu übertragen, deren Zauber doch 
wesentlich auf ihrer Naturnähe beruht? Fühlt man 
nicht, daß eine ständige Beleuchtung des Schlosses un 
erträglich reklamehast wirken und alle guten feinen 
Geister, die in Dämmerung und Mondnacht um die 
alten Mauern treten, verscheuchen würde? Was in 
den Verkehrszentren der Großstädte, die ja auch in 
der Nacht voll Lärm und' Unrast sind, einen Sinn 
geben mag, das kann in unserer Stadt nur beleidi 
gend wirken. Es ist ein wahrer Segen, daß' es in 
Deutschland noch kleinere Städte gibt, in denen iòle 
Nacht und ihre Schönheit noch' nicht totgeschienen 
wird durch das im Grunde genommen so barbarische 
„Lichtmeer" der Scheinwerfer und Reklamesonnen. 
Nur so weiter und Marburg wird zum großzügigen 
Rummelplatz, vor dem jeder seiner Empfindende drei 
Kreuze schlägt.—Die hiesige Stadt- und Universitäts 
ki vche, die um das Jahr 1300 erbaut wurde und sich 
eng an ¡die Universität anlehnt, ist bekanntlich vor 
dem Universitätsjubiläum einem großzügigen Umbau 
unterzogen worden. Die Kirche konnte bei ihrem Bau 
durch die Dominikanermönche damals nicht im Sinne 
des Baumeisters zu Ende geführt werden. In Anleh 
nung an diesen ölten Plan wurde die Kirche jetzt so 
ausgestaltet, 'daß auch größere Kirchenkonzerte darin 
ausgeführt werden können. Die Kirche 'wurde bereits 
zum Universitätsjubiläum wieder in Benutzung ge 
nommen, ¡die Ausmalungs- und Schnitzereiarbeiten 
durch den Maler Feg bezw. Bildhauer Lemcke wurden 
jedoch erst in den letzten Tagen bis auf unwesentliche 
Einzelheiten abgeschlossen, so daß der Besucher erst 
am Gründonnerstag den vollen Eindruck des Raumes 
gewinnen konnte. Durch diesen Umbau gelangt Mar 
burg in den Besitz eines der schönsten und eindrucks 
vollsten kultischen Innenräume, die in den letzten 
Jahren in evangelischen Gotteshäusern 'geschaffen 
wurden. 
150jähriges Jubiläum der F u l d a e r 
Landes b i b l i o t h e k. Im schmucken Saal der 
von Fürstabt Heinrich VIII. in edlen Rokokoformen 
erbauten Fuldaer L-andesbibliöthök fand am 3. Juni 
in weihevollem Festakt die Feier des 150jährigen Be 
stehens der Bibliothek statt. Landesbibliothekdirektor 
vr. Theele hielt die Begrüßungsansprache, Pro 
fessor vr. Paul Lehmann-München in einer aka 
demischen Festsitzung in der Orangerie die Festrede, 
in denen er die ältesten Fuldaer Handschriften be 
handelte. Er stellte Fulda in die Reihe der ersten 
Kulturzentren Europas für die Karolingische Epoche. 
Mit ¡der Feier war eine einzigartige Ausstellung' der 
Bibliothek 'verbunden, die neben den bekannten Pracht- 
stücken aus eigenen Beständen' eine Reihe 'kostbarster 
Leihgaben aus anderen Bibliotheken umfaßte. Die 
Erinnerung an das Jubiläum wird durch eine von 
Bibliothekdirektor Or. Theele herausgegebene wert 
volle' Festschrift „Aus Fuldas Geistesleben" festge 
halten', auf 'die wir noch zurückkommen werden. 
D i e H e r s f e l d e r Vitalis f e st f p i e l e. In 
der Zeit vom 16. bis 18. Juni wurde in der unver 
gleichlichen Stiftsruine das von Kreispfarrer Eler- 
mont-Efchwege verfaßte historische Heimatfestspiel' „Die 
Vitalisnacht" durch 136 Bürger unter Mitwirkung 
des Knabenchors des Staatlichen Gymnasiums sowie 
des Männerchors des Ehorvereins unter Leitung des 
Intendanten Or. Bauer-Frankfurt und des Gym 
nasial musiklehrers Alfred Fischer ausgeführt und 
fand starken ¡Beifall. Die Ermöglichung des Spieles 
war 'das Verdienst des Hersfelder Gefchichtsvereins. 
3 6 0 Jahre h essts cher Brau nkoh len - 
her gib au. In Verbindung mit der Kasseler Ta 
gung des Deutschen Braunkohlen-Jndustrie-Wereins 
beging 'der Bergbauliche Verein Kassel in einer Fest 
sitzung die 350. Wiederkehr des Geburtsjahres' des 
hessischen Braunkohlenbergbaus. Der älteste Braun 
kohlenbergbau unseres 'Bezirkes' wurde 'auf dem Meiß 
ner betrieben; 1671 wurde unter Landgraf Wilhelm IV. 
regelrecht mit bergmännischen Arbeiten zur Er 
schließung von „Steinkohlen" im Meißner begonnen, 
zum Erfolg führte aber erst das Jahr 1678, als in 
dem alten und ersten Stollen beim heutigen Schwal 
benthal die gesuchten! guten Kohlen angetroffen 'wur 
den und damit die 'Grundlage für die Eröffnung des 
Bergbaubetriebes gegeben war. 
Mainz. .Der westliche Hauptturm des Domes, 
der lange Monate wegen der Sicherungsbauten und 
Hochbauten' mit Gerüsten umkleidet war, -ist nunmehr 
'gerüstfrei geworden. Auch an den oberen Teilen von 
Weftbau und Langhaus find die Arbeiten vollendet. 
Dagegen wurde der von Häusern umbaute und in 
folgedessen weniger sichtbare Ostbau und die 'Seiten 
bauten neu eingerüstet. Im Innern des Domes sind 
noch Ausbesserungen im Gang. Die 'Steinarchitektur 
soll durch geeignete Tönung zur vollen Wirkung ge 
bracht werden. Inzwischen klingt auch seit Pfingsten 
schon der Sang der Domglocken über die Stadt hin, 
nachdem sie lange Monate zur Schonung des in sei 
nem Bestand erschütterten Turmes hatten schweigen 
müssen'. 
La ute rb ach. Der Geschichts- und Altertums- 
verein ist zu neuem Leben erwacht. In. einer Ver 
sammlung wurde Baurat Pfeiffer zum ersten Vor-
	        

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