Full text: Hessenland (40.1928)

lästigen Alltag ablenken, Hoffnung auf eine 
bessere Zukunft schöpfen und zugleich der Not 
der Zeit begegnen wollen. Hierher gehören auch 
die zahlreichen Vereine ehemaliger Schüler 
höherer Lehranstalten. Viele von diesen Grün 
dungen sind längst wieder eingegangen, an 
dere führen ein kümmerliches Dasein; nur 
wenige blühen, weil sie von Anfang an ein 
wohldurchdachtes Programm hatten, das sich 
nicht auf Pflege alter Schulkameradschaft, Wie 
dersehensfeiern und dergleichen beschränkte, 
sondern als einen Hauptpunkt Jugendpflege 
an dem heranwachsenden Schülergeschlecht 
mein bekannt war, kann man sich nicht genug 
wundern, daß es nicht schon in jenen Fest 
tagen zur Gründung unserer Vereinigung kam. 
Wohl wurde der Gedanke der Gründung im 
kleinen Kreis erörtert, aber zur Tat kam es 
noch nicht. Doch war damals, als die Wogen 
kameradschaftlicher Begeisterung so hoch gin 
gen, die für die späteren Erfolge nötige Stim 
mung entstanden, die zunächst zum Entstehen 
des Kasseler „Hersfelder Abends", des Vor 
läufers unserer Vereinigung, führte, dem wir 
die am 11. März 1922 in Hersfeld erfolgte 
Gründung verdanken. 
Treffen der alten Semester in Hersfeld. Lullus 1927. 
Phot. K. Eberth-Kassel. 
Heute haben wir fast 1300 Mitglieder in 
vier Erdteilen, 9 Ortsgruppen, eine reichbebil 
derte Vierteljahrsschrift „Der Klosterbote", so 
wie dank der Opferfreudigkeit der Mitglieder 
eine nie leere Kasse und können auf 6jährige 
Jugendpflege am Gymnasium zurücksehen, die 
sichtbare Erfolge aufzuweisen hat. 
Zu solchen Erfolgen kann wohl nur die ehe 
malige Schülerschaft einer alten Lehranstalt 
kommen, die selbst eine lange Geschichte hat, 
wie es bei der Hersfelder Klosterschule der Fall 
ist. Abt Michael, der nicht so Politiker wie 
viele seiner Vorgänger, sondern mehr Gelehr 
ter war, errichtete sie am 4. Juli 1570 in dem 
alten Minoriten-Kloster- Ihre neuere Ge- 
ihrer Schule vorsah. Ich glaube nicht, daß 
die „Vereinigung ehemaliger Hersfelder 
Klosterschüler" in den wenigen 6 Jahren ihres 
Bestehens die vielleicht größte derartige Ver 
einigung im ganzen Reich geworden wäre, 
wenn sie es nicht mit der Jugendpflege am 
Hersfelder Gymnasium ernst genommen und 
dadurch sich einen wertvollen inneren Gehalt 
gegeben hätte. 
Das Hersfelder Gymnasium beging im Som 
mer 1920 die Feier des 350jährigen Bestehens. 
Da das kameradschaftliche Zusammenhalten ge 
rade der alten Hersfelder Pennäler,, die in 
großer Zahl zum Geburtstag ihrer alma ma= 
ter Hersfeldensis herbeigeeilt waren, eilige--
	        

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