Full text: Hessenland (40.1928)

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dem Orden s. Johans", ein Ausdruck, der auch 
in den Urkunden der folgenden Jahre meist 
verwandt wird. Seitdem find auch öfter Jo 
hanniterpriester hier, bald um Bücher zu 
schreiben, bald um der Beerdigung eines 
Priesters im Pfannstiel beizuwohnen. So be 
standen also von vornherein Beziehungen zwi 
schen der Pfannstieler Brüderschaft und dem 
Johanniterorden. 
Zu der hessischen Kommende aber tritt 
unser Pfannstiel erst 1482 in ein näheres Ver 
hältnis. Am 30. November 1482 unterstellt 
Graf Philipp von Nassau den Pfannstiel der 
Johanniterkommende Wiesenfeld und regelt 
die Beziehungen zwischen beiden: Graf Phi 
lipp überträgt dem Komtur Gottfried und dem 
Konvent des Gotteshauses in Wiesenfeld die 
Kirche unserer lieben Frau im Pfannstiele mit 
allem Zubehör. Der Komtur soll auf Antrag 
der jeweiligen Weilburger Landesherrn einen 
Statthalter und zunächst einen weiteren Geist 
licken zum Mitkonventsbruder ernennen. Vor 
läufig soll täglich eine Messe gelesen, bei Be 
darf und nach Anstellung weiterer Geistlichen 
auch mehr Gottesdienst gehalten werden, falls 
Landesherr und Komtur es anordnen. Sollten 
die Priester gegen das Gotteshaus, die Herr 
schaft oder den Komtur ungehorsam sein, soll 
der Komtur auf Begehren des Landgrafen an 
dere ohne Belastung des Gotteshauses ein 
setzen. Muß dagegen ein Priester aus Alter 
oder Krankheit ersetzt werden, soll dessen Le 
bensunterhalt sichergestellt werden. Der Be 
sitz des Pfannstiels, den der Graf noch ver 
mehrt und von Dienst, Lager, Auszug und 
Schatzung befreit, darf ohne Zustimmung des 
Komturs nicht veräußert werden. Ueber Ein 
nahme und Ausgabe ist dem Landesherrn und 
dem Komtur Rechenschaft abzulegen, sie ver 
fügen auch über die Verwendung der Über 
schüsse zu Gunsten des Gotteshauses. Für 
diese Leistungen erhält der Komtur und der 
Konvent zu Wiesenfeld jährlich 10 Gulden, 
die am 2. Februar aus den Einkünften der 
Brüderschaft fällig sind. Jagd und Fischerei 
bleibt der Landesherrschaft vorbehalten. — Die 
übrigen Bestimmungen der Urkunde betreffen 
die Regelung der inneren Verhältnisse des 
Pfannstiels. — Die mit 5 Siegeln versehene 
Urkunde, darunter auch das Konventssiegel 
von Wiesenfeld, bestimmte schließlich, daß der 
bisherige Prior, Herr Hermann von Katzen- 
furt, als Johanniterstatthalter hier verbleiben 
und ihm Kreuz und Orden gegeben werden 
sollte. 
Aus der Urkunde ist der starke Einfluß er 
sichtlich, den sich der Landesherr dieser auf sei 
nem Grund und Boden erwachsenen Brüder 
schaft und den Wiesenfeldern gegenüber sichert, 
eine Erscheinung, wie sie sich aus dem Eigen 
kirchenwesen des Mittelalters erklärt. Warum 
er seine Stiftung gerade den hessischen Johan 
nitern unterstellt, dürfen wir wenigstens ver 
muten: In Nassau gab es keine größere Nie 
derlassung dieses Ritterordens. Bei der Wahl 
zwischen Frankfurt und Wiesenfeld wird der 
Umstand entscheidend gewesen sein, daß seine 
Schwiegertochter Elisabeth eine geborene 
Landgräfin von Hessen war, die die Johan 
niter von Frankenberg her kennen mußte. Da 
zu kommt, daß die Landgräfin auch später der 
Pfannstieler Brüderschaft ihr Interesse zuge 
wandt und nach einem Brande der Kirche 1489 
den Almosensammlern eine als Ausweis die 
nende Urkunde ausgestellt hat. Sie mag also 
dem Wiesenfelder Komtur die geistliche Auf 
sicht über den Pfannstiel zugewandt haben. 
Ein wichtiges Recht des Wiesenfelder Kom 
turs war die Mitbestimmung beim Wechsel 
eines Statthalters (Priors). Wir hörten schon 
in der angeführten Urkunde von 1482, daß der 
Komtur dem bisherigen Prior Hermann von 
Katzenfurt, der bereits seit 1479 aus Urkunden 
in dieser Stellung nackweisbar ist, Kreuz und 
Orden gegeben hatte; er gehörte also bisher 
dem Johanniterorden als Priester nicht an. 
Bis Ende 1496 waltete er hier seines Amtes. 
Als seinen Nachfolger hatte Hermann den Vi 
kar des Weilburger Walpurgisstiftes, Matern 
Spitzfaden, vorgesehen, wenigstens wie dieser 
seinen Landesherrn, den Grafen Johann Lud 
wig und Johann von Nassau, am 24. Dezember 
mitteilte. Auch der Komtur halte ihn für ge 
eignet. Er bat deshalb, ihm das erledigte 
Priorat im Pfannstiel zu übertragen und dies 
dem Komtur und dem Weilburger Amtmann 
mitzuteilen. Es ist nicht ohne Absicht, wenn 
Spitzfaden auf das Zustimmungsrecht des Lan 
desherrn hinweist, das er sich im Fundations- 
brief vorbehalten habe, und auf die Möglich 
keit aufmerksam macht, daß der Komtur je 
mand, ohne den Grafen zu fragen, als Prior 
bestimmen könne. Der diplomatisch geschickte 
Hinweis auf eine Beeinträchtigung der landes 
herrlichen Rechte scheint denn auch gewirkt zu 
haben :Matern Spitzfaden bekam das Priorat 
und hat es über zwei Jahrzehnte verwaltet. 
Alters wegen muß er von seinem Posten zu 
rückgetreten sein. 1525 wird Herr Peter als 
Prior erwähnt, 1526 bei der Inventarisation
	        

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