Full text: Hessenland (40.1928)

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126 Jahre waren am 12. Mai verflossen, seit 
im Jahre 1803 in Davmstaidt einer der -volkstüm 
lichsten Gelehrten, Justus von ßi-eifrig, geboren 
wurde, der auf allen Gebieten dev Chemie Größtes 
leistete und Industrie wie Landwirtschaft in gleicher 
Weise gefördert hat. Schon mit 21 Jahren war er 
1834 Professor in Gießen geworden. An dieser kleinen 
Universität schuf er das erste Musterlaboratorium in 
Deutschland und machte die Chemie zu einer aner 
kannten Wissenschaft. Seine Forschungen gaben den 
Anstoß KU einer Hebung der Bodenkultur, die für die 
Menschheit von unermeßlicher Bedeutung war. Erst 
1862 verließ er. nach München berufen, Gießen. Er 
starb am- 18. April 1873. Die Gesellschaft L-iebig- 
Museum in Gießen Veranstaltete zwei Ehrungen des 
großen- Gelehrten. In Bad- SaWaiusen wurde am 
12. Mai eine Gedenktafel -an- dem Haus angebracht, 
in dem Liebig 1824-—43 'bei' Untersuchung der dor 
tigen Quellen, gearbeitet hat. Prof. Brandi-lGießen 
hielt die Weiherede über „Analyse non Heilquellen". 
Am 13. Mai, schloß sich eine Gedenkfeier im Gießenev 
Liebig-Mnseum an-, bei der Pros. Or. Sommer üb-er 
„Gegenwart und Zukunft des Liebig-Museums" 
sprach. Das Museum konnte durch Erwerbung 
weiterer we-rtvollev Erinnerungen an Justus v. Lie- 
big wesentlich bereichert werden. 
Gedenktage. Am 13. April waren 100 Jahre 
verflossen, seit der einstige Direktor der Badischen 
Turnlehverbildungsanstalt Alfred- Maul zu Michel- 
stadt im Odenwald -geboren wurde. In Darmstadt 
studierte er Mathematik und Naturwissenschaften und 
wirkte, unter der Leitung -des bekannten- Turn-- 
erzieh-ers Spieß zum Turnlehrer -ausgebildet, in 
Langen bei Darm-stadt und Bafel als Mathematiker 
und Turnlehrer, bis er 1809 als Direktor der badi 
schen Turnlehrerbikdungsanstalt in Karlsruhe Or 
ganisator d-es badischen Schulturnens wurde. Auch 
d-em deuts-chen- Bereinsturnen ist er Führer gewesen. 
Bon 1-887 bis 1895 war -er Vorsitzender des Aus 
schusses der Deutschen Turnerschaft. Maul -war d-er 
erste, der den großen Wert der zusammengesetzten 
U-ebungsformen für die Turnsreud-igkeit erkannte. — 
Am 20. April waren- 60 Jahve seit -dem Tode -des 
Kasseler Malers Karl G li n ze r verflossen. In der 
Mühle -zu ^ Breitenau 1802 -geboren-, -wurde er in 
Kassel Schüler d-es Malers- Justus Kr-auskopf, be 
suchte die Akademien zu München und Paris, ging 
nach Italien, um dann in der Heimat als tüchtiger 
Landschafter und Porträtist tätig- zu sein. Glinzer 
war in zweiter Ehe mit -einer Tochter des Kasseler 
Museumsdirektors Voelkel verheiratet. 
160 Jahre Fuldaer La nde s b ib l i o - 
t h -e k. Am 6. Mai waren 160 Jahve vergangen seit 
der Eröffnung d-er Fuldaer Landesbibl-iothek durch- -den 
damaligen -Superior d-es Benediktinerkonvents Dom 
kapitular Benedikt von Ostheim im Namen des Fürst 
abts Heinrich von- Bibra. Die Jubiläumsfeier wird 
am 3. Juni begangen!. Eine Festschrift „Aus Fuldas 
Geistesleben" wird die Erinnerung an das Jubiläum 
wachhalten. 
Die Ausstellung „Religiöse Kunst 
-aus Hessen-N-ass-au" in Marburg wird am 
35. Mai eröffnet -werden, an welchem Tage -auch das 
Festspiel „Die heilige Elisabeth" zum erstenma-l im 
Schloßpark -aufg-eführt wird. In dieser im Jubiläums 
bau zu veranstaltenden Ausstellung soll zum erstenmal 
die religiöse Kultur Hessen-Nassaus geschlossen vor 
geführt werden, und zwar in Werken, die auf hessi 
schem Boden- -entstanden!, und auch in Arbeiten, die von 
außen her ins Land kamen- und seit Jahrhunderten 
dem Kult dienen. Lokal-meister wie Juppé, Soldan, 
Tyle- von Frankenb-erg -werden nach- Möglichkeit ver 
treten sein, die -berühmten Dom-schätze von- Fritzlar und 
Fuld-a in besten Stücken figurieren und- die mittel 
alterliche Blütezeit in- ein hervorragendes Licht rücken. 
Das Kunstgewerbe -bis in unsere Zeit wird in selten 
gezeigten Exemplaren (Teppichen, Meßgewändern, 
Goldschmi-edearbeiteu) zu reich-er Wirkung -gelangen. 
Das K-unsthistorische Institut unter Leitung von Pro 
fessor Hamann war bei -den Vorarbeiten- bestrebt, auch 
sämtliche kleinen Orte der Provinz zu -er-fassen. soweit 
sie Denkmäler von Wert haben. iSämtlichen -Städten 
sollen nach Möglichkeit gesonderte Räume für- ihre 
Schätze zur Verfügung gestellt werden. -So wird die 
Ausstellung alle künstl-erischen Aeußerungen des reli 
giösen Lebens in Hessen und- Nassau vom- frühen 
Mittelalter bis zur Gegenwart umfassen, von -den 
größten Stücken bis zu Klingebeuteln-, zur- Wetter 
fahne und zum Turmhahn. 
D -e r K u r -h e f f i s ch -e -S t a a- t s f -ch -a tz , der 180-7 
von Preußen mit übernommen worden -ist, wurde, 
wie Laüd-eshauptmann v. Gehren in der -letzten 
Sitzung des Kommunalvetban-des- mitteilte, durch die 
Inflation vernichtet. Aus dem ursprünglich 20 
Millionen betragenden Vermögen mit einem jähr 
lichen Zinsertrag von- 87 000 -Mt blieb nur eine so 
kleine Summe übrig, daß die Zinsen für 1938 ledig 
lich -25 000 RM betragen. 
Ein Mus-eumsverb and für Kur-Hes 
sen und- W-a ldeck wurde am 21. April -in Kassel 
gegründet. Der Zweck des Museumsverband-es, des 
sen Etat zur Zeit rund 26 000 Mark beträgt, ist -eine 
ideale und- praktische Interessengemeinschaft zu bil 
den, um das Museumswesen im- -gesamten Regie 
rungsbezirk Kassel, Waldeck und im Kreise Bieden 
kopf zu pflege-n und- zu fördern. Dies -geschieht durch 
Unterstützung und- Beratung der größeren und klei 
neren Museen, durch Förderung von Ausgrabungen 
und Ausstellungen von- Hand-werk und Kunstgewe-vbe. 
Herr Prof. Dr. Luchmer vom H-essifchen Land-es- 
mufeum -entwickelte das -vorläufige Arb-eitsprogramm 
des Derban!d-es. Zu seinen wichti-gsten Aufgaben -ge 
hört die Unterstützung -der F-o-vs-chungstätigkei-t auf 
vovgösch!ichtlichem und vo-lkskund-li-chem Gebiet, na 
mentlich TvachteNkunde. Die Sorge für -große ge 
meinschaftliche Ausstellungen wird -ein weiteres- Mit 
tel sein, das G-emeinscha-ftsgesühl des Landes zu 
-stärken. Geplant ist für das nächste Jahr eine Aus 
stellung „Das- Wald-ecker Lan!d". Endlich ist nachl und 
nach der A-usba-u d-er -kleineren Museen -des Landes 
ins- Au-g-e igef-offt. Eine der ersten Hilfsaktionen wird 
dem Fritz laver Do-m-Muse-um gewidmet sein-. 
Denkmalpflege in Kur h -e s f e n. Der 
Landes-ausschuß für d-en Bezivksverband des- R-egie- 
rungsb-ezirkes Kassel -bewilligte für -die Instandsetzung 
des Kaisersa-ales im Fuldaer Schloß und des Rie 
sensaales des -Schlosses in -Schmalkalden je 
2000 RM., -für die Wiederherstellung des Rathauses 
in Melsungen 2000 RM., für die Instandsetzung 
des Rathauses in Zieren ber g 2600 RM. In 
F r i tz l a r wurden für die Wiederherstellung d-es 
Hochzeits-Hauses und einiger wichtiger Teile der Stadt- 
befestigung 4000 RM vorgesehen-. Die Erhaltung eines 
in O b e r -n k i r ch e -n -befindlichen sehr we-rtvo-llen 
Fachwerkhauses aus dem Jahre 1501 wuvd-e durch -eine 
Beihilfe von 2000 RM -ermöglicht. Für -die Sicherung 
eines ebenfalls in Obernkirchen befindlichen spätgothi- 
sch-en Altarschreines der dortigen Kirche, der -durch
	        

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