Full text: Hessenland (40.1928)

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weise verkauft hat, die meisten Urkunden über 
die Postverhältnisse von Kassel vernichtet wor 
den. 
Seit 1. Juli 1715 hatte die Leitung des 
Postwesens in Kassel der General-Postmeister 
und Rat Christian von Baar gegen Zahlung 
einer Pacht von jährlich 1200 Rtlr. übernom 
men; sein Bestreben ging dahin, die Post von 
Kassel nach Frankfurt am Main so zu beschleu 
nigen, daß sie nur eine Nacht unterwegs war. 
Ihm half sein getreuer Ober-Postkommissar 
Wilhelm Ludwig Renner, der seit 1714 vom 
Ober-Postamt zu Leipzig zur hessischen Post 
verwaltung übergetreten war und nun alle 
Pläne Baars- zur Verwirklichung brachte. 
Aus einer wichtigen Verfügung des Land 
grafen Karl vom 11. Mai 1717, worin er 
eine besondere „Kommission wegen des reiten 
den und fahrenden Postwesens" ernennt, kön 
nen wir ersehen, daß der Leiter des Kasseler 
Postamts zu Frankfurt am Main, Capitain 
Franz Augustin Kunckell, zu dieser Zeit in 
Kassel weilte, und daß ihm dabei aufgetragen 
wurde, vor der Kommission zu erscheinen und 
„die in Händen habenden Postrechnungen zu 
extradiren, solche nachmalen mit der Com 
mission genau durchzugehen und die dabei vor 
fallenden Skrupel und Dubia zu erläutern." 
Als sich im Jahre 1721 bei der Post in 
Wetzlar Schwierigkeiten einstellten, traf der 
Postmeister Kunckell am 6. Mai in Marburg 
ein und berichtete am 6. 11. und 16. Mai von 
Marburg an den Ober-Postkommissar Renner 
nach Kassel und fügte die ihm vom Löwenwirt 
zu Wetzlar, Johann Philipp Lempe, in dieser 
Angelegenheit zugegangenen Schreiben bei. Im 
folgenden Jahre ist der Hainerhof-Postmeister 
zum Kgl. Preußischen Rat ernannt worden. 
Am 6. Juli 1723, nachdem das Taxissche Post 
amt zu Frankfurt die reitende Post nach Gie 
ßen, die wöchentlich zweimal verkehrte, dabei 
teilweise durch Kasselsche Lande ritt, verdop 
pelt hatte, wurde der Hofrat Kunckell vom 
Landgrafen Karl, der in Schlangenbad weilte, 
aufgefordert, „seine Einwendungen nicht nur 
ohne einigen Zeitverlust einzuschicken, sondern 
auch sich demnächst bei Unserm Hoflager all- 
hier wieder einfinden und zu fernerer Unter 
suchung dieser Sache die Postrechnungen von 
der Frankfurter reitenden Post und zwar von 
den Jahren 1718 bis 1722 mit sich anhero 
bringen möge." Kurze Zeit darauf, am 10. Ok 
tober 1723, wird ihm vom Landgrafen aufge 
tragen, „ohne weiteren Anstand sich nach Kassel 
zu erheben und mit dem Sekretario Germig- 
hausen bei Unserer Rentkammer die Prüfung 
der Vostrechnungen zu bewirken." Am 4. Fe 
bruar 1724 wird Kunckell vom Landesherren 
zum „Con-Commissar verordnet, der die Post 
rechnungen des Postkommissars Renner prüfen 
sollte und sich zu dem Ende allhier einzufinden 
und solcher Rechnungsabhörung mit beizu 
wohnen habe." Im März 1724 übernahm der 
inzwischen zum Ober-Postmeister ernannte 
Kunckell sogar die Leitung des gesamten Hes- 
sen-Kasselschen Postwesens und schloß einen 
„Postadmodiations-Contrakt", einen Pachtver 
trag, auf den in der landesfürstlichen Verord 
nung, Schlangenbad vom 26. September 1724, 
Bezug genommen ist. 
Der Landgraf Karl berief im nächsten Jahre 
am 20. November „bei dermaliger Anwesen 
heit des Hofrats Kunckell zur Prüfung dessen 
Postrechnungen auch den Regierungsrat 
Scheffer und den Polizeirat Thaurer zu Kassel 
in die Commission." Die Prüfung muß aber 
für Kunckell sehr ungünstig ausgefallen sein, 
denn „der ad interim allhier kommandierende 
Obrist von Brand in Kassel erhielt am 11. De 
zember 1725 den schriftlichen Befehl, den Hof 
rat Kunckell in Hausarrest zu nehmen und 
demselben auch zu dessen desto mehrer Ver 
sicherung eine Wacht in das Zimmer, in wel 
chem er logiret, beizugeben." 
Ueber den weiteren Fortgang der Unter 
suchung gegen den Ober-Postmeister Kunckell 
läßt eine Verordnung „an die zur Direktion 
des Postwesens gnädigst verordnete Commis 
sion vom 22. April 1728" den Schluß ziehen, 
daß Kunckell inzwischen sein Amt niedergelegt 
hatte, denn „die Verpachtung der gesamten 
Postrevenuen ist den beiden Post-Admodiatori- 
bus Reinück und Schmitt in Kassel gegen eine 
Pacht von jährlich 11 000 Tlr übertragen wor 
den." 
Die Leitung des Hessen-Kasselschen Postamts 
im Hainerhof ging darauf an den Postmeister 
Arstenius über, der im Jahre 1773 verstarb. 
Sein Nachfolger war seit 1782 der Ober-Post- 
meister Simon Rüppel. Erst im Jahre 1808 
wurde das Postamt im Hainerhof, wo die kas- 
selschen Postbeamten mietfrei wohnten, aufge 
hoben.
	        

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