Full text: Hessenland (40.1928)

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Meiert' Zweck irrt neuen Etat Mittel zur '-Beifügung 
gestellt wenden. 
F r i e d ber g. Das große Acker- un>d' Wiesen- 
gelände, etwa IM Miongen groß, das westlich Von 
Echzell vor Jahrzehnten aus einem Sumpf- und 
Teichgebiet Kulturzmecken dienstbar gemacht wurde, 
soll wieder unter Wasser gesetzt werden und als Tal 
sperre Verwendung finden. Der sogenannte Echzell er 
Teich 'wunde vor dreihundert Jahren von den Land 
grafen von Hessen-Homburg' als Fischteich angelegt 
und mit einem nod) vorhandenen Staudamm ver 
sehen. Jetzt Mißet das Gebiet ein 'überaus 'frucht 
bares Ackergelände, von dem sich etwa zechn 
Kleinbauern nähren. Durch Höherlegung der Dämme 
soll ßer Teich wieder hergestellt werden. Sein Waisser 
soll durch ein Pumpwerk nach dem westlich bele- 
genen Werk Hefnag bei Wölfersheim gedrückt und 
hier industriell 'verwertet werden. 
Hofgeismar. Hier soll im Herbst bei der 
Jahresha uptversammlung des Evangeltschen Bundes 
ein Heimatspiel zur Aufführung gelangen. Dieses 
dreiaktige Schauspiel „Die Waldenser", spielt in Kas 
sel und Hofgeismar und' behandelt die wal!d>en!sische 
Einwanderung in das nördliche Hessen im Jahne 1686. 
Jüngst fand das Stück in einem kleineren Kreise freu 
dige Ausnahme. Da viele Nachkommen der in dem 
Spiele auftr>etenden Personen in der näheren Um 
gebung und darüber hinaus heute noch wohnen, 
dürfte das Stück wohl größeres Interesse finden. Es 
soll demnächst im Druck erscheinen. 
Statistisches. In Hessen-Nassau gibt es mit 
Schankwirtschaft verbundene Gasthäuser 5548 (5965), 
je eins auf 431 (380) Einwohner. Reine Schankwirt- 
schaften 4631 (4966), je eine aus 517 (451) Einwoh 
ner. Brauntweinkleinhandlungen 1873 (1336), je eine 
aus 1376 (1676) Einwohner. Alkoholfreie Wirtschaf 
ten 819 (611), je eine aus 3917 (3630) Einwohner. 
S ch u tz d e m M ä u s e - un d d e m R a u h f u ß- 
b u s 's!a r d. Die Arbeitsgemeinschaft des Allgemeinen 
Deutschen Iagdschutzvereins und der Deutschen Jagd- 
kammer richtete eine Eingabe an das Preußische Land-- 
wirtschaftsministerium und bat um Ausdehnung des 
Vereinsnachrichten. 
Hessischer G e s ch i ch t s v e r e i n. Im Kas - 
s e l e r Verein sprach am 19. März Bibliotheksdirektor 
vr. Hopf „Vo m Hessischen H o slebe n im 
16. Iah rh u nder t" und' gab damit ein höchst an 
schauliches Gesamtbild jener Zeit, die auch im Hof- 
leben einen Uebergang von alten zu neuen Lebens 
formen darstellt. Der Fürst, der noch im 16. Jahr 
hundert nur ein Edelmann größeren Stiles war, wird 
im 16. Jahrhundert Oberherr des Lerritorialstaates, 
aus der Hofburg wird jetzt der Fürstenhof, und alle 
Sitten und Umgangsformen werden durch die Hof- 
etikette verdrängt. Narren und Zwerge verschwinden 
aus dem Hofleben, an die Stelle der Späße tritt die 
Komödie, treten die großen Aufzüge bei Festlichkeiten 
Die Jagd aber steht noch immer im Mittelpunkt. In 
wissenschaftlichen Neigungen lassen sich dann die Zei 
chen einer neuen Zeis deutlich erkennen. Für diesen 
hochinteressanten Ausschnitt aus der hessischen Kultur 
geschichte fand der Redner lebhaften Beifall. Zoll- 
direktor Wo ring er, der den Abend leitete, teilte 
mit, daß Anfang Mai eine Fahrt nach Fulda die 
Reihe der wissenschaftlichen Ausflüge eröffnen werde. 
(Bericht: Kasseler Post vom 31. 3.) 
Der erste Ausflug des M a r b u r g e r Vereins in 
seither für den Mäuse- und den Rauhsußbussard wäh 
rend' der Monate März bis September einschließlich 
^bestehenden Schutzes auf das ganze Jahr und für das 
gesamte preußische Staatsgebiet. Beide Raubvogel- 
arten sind vorwiegend nützlich. Insbesondere für den 
Mäusebussard trifft dieses zu. Wie sein Name sagt, 
nährt er sich hauptsächlich von Mäusen und leistet 
damit der SstTtb'tt)irájiaft wertvolle Dienste. Zum 
Schlagen von Wild' (Hasen, Fasanen und' Rebhühnern) 
ist er viel zu ungewandt. Wenn es ihm gelingt, trotz 
dem ein Stück Wild zu schlagen, so handelt es sich 
in den meisten Fällen um kranke Stücke. Also er 
weist er sich auch hier als nützlich, indem er der Ver 
breitung der in den letzten nassen Jahren in Deutsch 
land leider sehr ^1«^^ Wildseuchen Einhalt ge 
bietet. Der Rauhsußbussard' ist als Brutvogel in 
Preußen außerordentlich' selten. Wenn er auch ge 
wandter ist als sein Vetter, der Mäusebussard, und 
damit geeigneter, Schaden anzurichten, so überwiegt 
trotzdem sein Nutzen bei weitem. 
dl u s st e r b e n d er Störche im Werr a - 
tale. In früheren Jahren gab es im mittleren 
Werratale viel mehr Störche als heute. Es hat den 
Anschein, als ob' dieser volktümliche Zugvogel aus- 
sterben wollte. Offenbar raubt die zunehmende Kul 
tivierung der Ländereien dem Storche die Lebens- 
bedingungen. Es fehlt Freund Adebar an Nahrung 
für seine Jungen. Während oor Jahrzehnten in je 
dem Werradorfe mehrere Storchennester anzutreffen 
waren, finden wir heute im weiten Umkreis nur eins/ 
und das ist in Gerstungen auf dem Rentamt. 
D e r W a I d a u ch für W a n d e r e r. Das 
preußische Forst ministerium hat an alle ihm unter 
stellten Dienstbehörden eine Anweisung ergehen las 
sen, wonach sie den Wald nicht nur als Wirtschafts- 
Wald', sondern auch als Erholungsstätte für die Be 
völkerung zu betrachten' haben. Sie finir aus diesem 
Grunde angewiesen worden, Wanderern und Er- 
holungssuchenden den Aufenthalt in den Waldungen 
zu erleichtern und zu ermöglichen, soweit es die 
Dienstvorschriften irgend' gestatten'. 
diesem Jahre führte in das ehemalige Gericht Dautphe. 
Von Buchenau aus erreichte man in beschwerlichem 
Anstieg den einst burgengekrönten Gipfel des H o h e n- 
fels. wo bei Besichtigung der Reste der beiden, 
von denen von Hohenfels erbauten, in der zweiten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts zerstörten Burgen 
Hohenfels und Kellerkopf Oberstleutnant Schenk zu 
S ch w e i n sber g an der Hand von Lageskizzen Er 
läuterungen über Anlage und Bedeutung der Burgen 
gab. Im Schneegestöber stieg man sodann wieder nach 
Buchenau hinab. 
Im H e r s f e l d e r Geschichtsverein sprach am 
19. März Professor Walter Kürschner- Marburg, 
ein geborener Hersfelder und ehemaliger Klosterschüler, 
über d a s K r o a t e n j a h r 1 6 3 7 i n H e s s e n , mit 
besonderer Berücksichtigung der damaligen Zustände 
in Hessen. Er ging von der Feststellung aus, daß die 
Bedeutung des 30jährigen Krieges für den wirtschaft 
lichen und kulturellen Niedergang Deutschlands stark 
überschätzt worden sei. Die Verarmung Deutschlands 
(Kipper- und Wipperzeit) hätte schon vor dem Kriege 
begonnen. Die Wirkung des Krieges sei zwar schlim 
mer gewesen, häufig aber hätten die Quellen über 
trieben. Redner schilderte das für Hessen schlimmste
	        

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