Full text: Hessenland (40.1928)

Fehde- und Sühnebriefe finden sich folgende 
von Hune'sche Fehdebriefe verzeichnet, die den 
hessischen Landgrafen gegenüber ausgestellt 
worden sind. 5. Februar 1397, 1400 (ohne 
Datum), 6. Februar 1401, 10. April 1411 und 
18. September 1418, aber der Fehdebrief vom 
27. April 1378 fand sich nicht darunter. 
Trotzdem muß es als unwahrscheinlich gel 
ten, daß der Fehdebrief des Ritters Simon 
von Hanne nicht geschrieben worden ist. Auch 
der Einwand, daß die Bürger von Hersfeld 
auf die Vorzeichen nahenden Sturmes auf 
merksam wurden, als die Ritter ihre Burg 
sitze in der Stadt für einen geringen Preis 
verkauften, in der Hoffnung, sie bald doppelt 
und dreifach bezahlt wiederzuerhalten, und 
daß, nach Winkelmann, sich bald danach ein 
Gerücht von dem bevorstehenden Untergang 
der Stadt verbreitete, kann nicht stichhaltig 
sein, weil die Bürger dann wohl auf offenen 
Angriff, aber sicher nicht auf Verrat vorbe 
reitet gewesen wären. Zudem heißt es in Jo 
hann Bangen's thüringischer Chronik (Blatt 
145)0) hierüber: „Unter diesem Verbündniß 
war ein Frommer von Adel, genannt Simon 
von Huna, dem hatten die von Hersfeld viel 
Freundschaft erzeigt, darum hatte er die Bür 
ger fast lieb, dann ihm grämet vor dem An 
schlage, so die Sterner gemacht hatten„ihn er 
barmet der Stadt Verderben, doch war er auch 
der Stadt Feind". 
Der Fehdebrief wurde im Laufe des Tages 
(27. April) durch einen Boten dem Wächter 
am Peterstor übergeben, ohne daß der Abt im 
Stift Kunde davon bekommen hatte. Darauf 
traten die Schöffen sofort zusammen und ord 
neten die umfassendsten Vorkehrungen für die 
Verteidigung der Stadt. Die Wachen an den 
vier Toren wurden verstärkt, die waffenfähige 
Bürgerschaft in aller Stille zusammenberufen 
und alles zum Schutze der Stadt vorbereitet. 
Auf erhaltene Kunde von verdächtigen Vor 
gängen wurden verschiedene Häuser des vor 
deren Stiftes durchsucht, und die in der De 
chanei versteckten sieben Verschworenen, die 
um Mitternacht den Rittern die Stiftspforte 
im Finstertal öffnen sollten, festgenommen 
und am Abend auf dem Marktplatz enthaup 
tet. Als die Mitternachtsstunde herannahte, 
kamen die Ritter durch das Finstertal an und 
bemerkten, daß Niemand da war, ihnen die 
Pforte zu öffnen. Aber Eberhard von 
Engern, der sich rühmte, bereits neun 
6 ) Demme a. a. O., I, 27, Anm. 2. 
100 
Städte erstiegen zu haben, erstieg auf einer 
Sturmleiter die äußere Stadtmauer, als ihn 
schon der wohlgezielte Schuß eines Hersfel 
der Bürgers traf, ehe er seinen Oberkörper 
über die Mauer erhoben hatte. Ein zweiter 
Schuß desselben Schützen durchbohrte seine 
eiserne Sturmhaube^) und drang ihm in den 
Kopf hinein, so daß er rücklings zu Boden 
stürzte. Run brach die in Bereitschaft gehal 
tene Bürgerschaft durch die Pforte der äuße 
ren Stadtmauer zum offenen Angriff vor und 
trieb die Ritter in wilder Flucht auseinander. 
Der Abt selbst entfloh mit seinem getreuen 
Mönch Fritz von Hattenbach in das Kloster 
Petersberg, und die Stadt war gerettet. 
Zweifellos ahnten weder der Abt noch die 
Ritter, daß die Stadt alarmiert war. Die 
Ritter achteten in ihrer Siegestrunkenheit 
nicht auf das ihnen gegebene Warnungsfig- . 
nal, daß ihnen um Mitternacht nicht die 
Stiftspforte von ihren Mitverschworenen ge 
öffnet wurde. Durch dieses Alarmzeichen 
stutzig gemacht, hätten sie sich noch rechtzeitig 
zurückziehen können. Aber die Vorsehung 
hatte es anders bestimmt. Ohne den Fehde 
brief des edlen Ritters Simon von Hanne 
aber wäre die Stadt unrettbar verloren ge 
wesen. Ihm ist deshalb die Stadt Hersfeld zu 
unauslöschlichem Dank verpflichtet. Wenn er 
trotzdem mit den übrigen 14 Rittern von der 
Stadt bei Kaiser Karl des Verrates bezichtigt 
wurde, so erklärt sich dies dadurch, daß er sich 
ausdrücklich als ihr Feind bezeichnet und daß 
ihn nur Gefühle der Dankbarkeit und des 
Mitleids davor bewahrten, die Stadt in un 
ritterlicher, feiger Art dem Verderben preis 
zugeben. Dadurch geriet er allerdings in 
einen Zwiespalt mit dem Abt und den Rit 
tern, ohne deren Vorwissen er im letzten 
Augenblick den Fehdebrief abgesandt haben 
wird, wahrscheinlich um sein Gewissen zu be 
schwichtigen. 
Daraus erklärt sich auch die merkwürdige 
Tatsache, daß er den Fehdebrief nicht, wie üb 
lich, drei Tage vorher in die Hände seiner 
Gegner gelangen ließ. Daß er ihn erst am 
Abend des Vitalistages gesandt haben soll, 
wie es in der von Landau wiedergegebenen 
Fassung heißt, ist unwahrscheinlich, weil sonst 
7 ) Sie befindet sich heute im Städtischen Museum, 
während leine nachgemachte Sturmhaube an einem 
Fenster des Rathauses nach der Mainstraße zu an 
gebracht ist.
	        

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