Full text: Hessenland (40.1928)

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Hessenland 
Mlißriertk Monatsbliittkr für Kkiiilatflirslhilng, Knust und Literatur 
Schriftleiter Paul Heidelbach, Kassel. Anker Mitwirkung von Bezirkskonservator Dr. Friedr- Bleibaum. 
Kassel; Direktor der Landesbibliothek Dr. Hops, Kassel; Lyzeallehrer Keller, Kaffel: Staatsarchivrat Dr. 
Knetsch, Marburg: Oberbibliothekar Pros Dr. Losch, Steglitz; Schriftsteller Heinrich Nuppel, Homberg: 
Pros. Dr. Schaefer, Kommissar für Naturdenkmalpflege im Reg.-Bez. Kassel; Geheimrat Aniversitätsprofeffor 
Dr. Schröder, Göttingen: Aniversitätsprofeffor Dr. Schwantke, Marburg; Dr.Werner Sunkel, Marburg: 
Pros. Dr. Vonderau, Fulda; Aniversitätsprofeffor Dr. Wedekind, Marburg. 
Im Einverständnis mit den Vereinen: —->»> 
Verein für hessische Geschichte und Landeskunde; Hessischer Gebirgsverein; Knüllgebirgsverein; Deutscher 
Sprachverein, Zweig Kassel; Verein für Naturkunde, Kassel; Geologischer Verein, Marburg; Biologische 
Vereinigung, Marburg; Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck, Hessischer Volksschullehrer- 
verein: Vereinigung der Kurheffen in Berlin; Kasseler Museumsverein. 
- - Bezugspreis vierteljährlich 2.— Mark ■ 
40. Jahrgang Heft 4 Kassel. April 1928 
Die Vitalisnacht zu Hersseld 
Zu ihrer 550jährigen Wiederkehr. 
Die 1200jährige Geschichte der Lullusstadt 
ist reich an wechselvollen Geschicken. Die gros 
sen Ereignisse der deutschen und preußischen 
Geschichte spiegeln sich vermöge ihrer Lage an 
der alten Heeres- und Handelsstraße Nürn 
berg-Leipzig so eindrucksvoll wieder, wie sel 
ten in einer anderen hessischen Stadt. Der 
30jährige, der 7jährige Krieg, der Zusammen 
bruch Preußens nach Jena und Auerstedt mit 
ihren kriegerischen Folgeerscheinungen haben 
hier kräftige Spuren hinterlassen, und der 
Name eines Tilly, Broglio, Napoleon und 
mancher anderen Feldherrn ist mit der Ge 
schichte der Stadt aufs engste verknüpft. Man 
cherlei Kriegselend, mancherlei Plünderung 
hat die Stadt über sich ergehen lassen müssen, 
und noch heute reden die kahlen Wände der 
einst so stolzen Basilika eine beredte Sprache 
von französischer Barbarei und Zerstörungs 
wut. Zweimal ist die Stadt dem Untergang 
geweiht gewesen, und zweimal ist sie glück 
lich gerettet worden. 
Wenn von der Errettung Hersfelds die 
Rede ist, denken die meisten an jenen 20. Fe 
bruar 1807, als auf Befehl Napoleons die 
Stadt dem Erdboden gleichgemacht werden 
sollte und durch die Geistesgegenwart und den 
Edelmut des badischen Oberstleutnants Lingg 
Von Dr. Wilhelm Schoof-Hersfeld. 
von Linggenfeld vor dem Schlimmsten 
bewahrt blieb. Die Geschichte von den badi 
schen Jägern zu Hersfeld ist durch Hebels 
„Schatzkästlein" weit und breit bekannt ge 
worden und noch heute in allen deutschen Le 
sebüchern zu finden. Weniger bekannt ge 
worden ist merkwürdiger Weise, daß schon 
einmal vier Jahrhunderte vorher der Stadt 
ein Retter in dem hessischen Ritter Simon 
von Haune erstanden, der es mit seiner 
Ritterehre für unvereinbar hielt, friedfertige 
Bürger in hinterlistiger Weise bei Nacht und 
Nebel zu überfallen und durch seinen Fehde 
brief erwirkte, daß die Angreifer die Hers 
felder Bürger auf ihrem Posten fanden. Sein 
Andenken hält noch heute die Simon-Haune- 
Straße hinter der Stadtmauer fest, aber ein 
Denkmal, wie es die Stadt ihrem zweiten 
Retter Lingg von Linggenfeld auf dem heuti 
gen Linggplatz gesetzt hat, hat er bisher nicht 
aufzuweisen. 
Und doch ist die Tat des edlen Ritters Simon 
von Haune nicht geringer zu bewerten wie die 
des Oberstleutnants Lingg von Linggenfeld. 
Beide brachten den sittlichen Mut auf, einer 
Anordnung zu trotzen, deren Ausführung sie 
mit ihren Anschauungen von Ritterlichkeit und 
Anstand nicht zu vereinen mochten. Man kann
	        

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