Full text: Hessenland (39.1927)

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der Neuen Mühle ihr Wasser. — Die breiten Sand 
steinrücken des Kaufunger Waldes, des Stiftwaldes und 
der Söhre sinken von Nordosten nach Südwesten ties 
in den Untergrund des Kasseler Beckens ein, um an der 
Fulda gegenüber .Freienhagen wieder zu Tage zu treten. 
Im klüftigen Sandstein der genannten Gebirge fließen 
die reichen Niederschläge abwärts, stauen sich m der 
Sandsteinmulde im Untergründe des Kasseler Beckens 
aus, am Emstordringen durch eine rund 50 m mächtige 
auflagernde Rötmergeldecke verhindert.. Das Uberwasser 
dieses unterirdischen Wasserbeckens entleert sich am nied 
rigen Rande der Sandsteinmulde, wo er gegenüber 
Freienhagen von der Fulda angeschnitten wird, in diesen 
Fluß. Seit 1925 ist dieser starke Grundwasserstrom aus 
dem Forstfelde durch 3 Bohrbrunnen von 60—80 m 
Tiese für die städtische Wasserversorgung nutzbar ge 
macht. Ähnlich den artesischen Quellen wird das Wasser 
infolge seines starken Auftriebes in den Rohren empor 
gedrückt. — Infolge des erwähnten Grabeneinbruches, 
der im Zuge Oberkaufungen—Eichwäldchen—Weinberg— 
Kratzenberg — Lindenberg — Rammelsberg das Kasseler 
Becken als Muschelkalkrücken durchsetzt, ist m fernem 
Bereich auch die vorhin erwähnte Sandsteinmulde ge 
stört dergestalt, daß der Sandstein im Untergrund des 
Grabenbruches stärker abgesunken ist und mit ihm die 
auflagernden Rötmergel. Durch diese ist der Wafter- 
horizont des Sandsteins im Grabenbereich abgeschlossen 
vom Grundwasser des Sandsteins der großen Mulde. 
In dem Sandsteinwasserhorizont des Grabenbruches 
stehen die Brunnen am Fischhos im Lossetal oberhalb 
Bettenhausen, die den Hochbehälter aus dem Linden 
berg bei Bettenhausen speisen. — Eine Tiefbohrung 
an der Kohlenstraße am Ostfuß des Habichtwaldes 
hat bei rund 1300 m Tiefe einen fünften Grundwasser- 
honzont erbohrt, der unter einer mächtigen Sand 
steindecke den Uüftigen Plattendolomit des Zechsteins 
erfüllt. Er führt ein Heilwasser ähnlich dem der Wil- 
dunger Quellen und harrt der Berwendung für die 
leidende Menschheit. — Tie Wasserversorgung der Stadt 
Kassel nahm folgenden Gang: Anfangs geschah sie 
durch offene Brunnen oder Zaiten. 1334 Bau der 
Drujelwasserleitung. Sie wurde unterhalb Wahlers 
hausen von der Druse! abgezweigt, um Tannenkuppc 
und Kratzenberg zum Mllhlenteich am Königstor ge 
leitet und von dort zunächst in offenen Rinnen oder 
Druseln, dann in Rohren in die Stadt verzweigt. 
Später kamen Prinzenquelle- und Eichwasserleitung hin 
zu. 1733 wurde der nördlich Kirchditmold gelegene 
Schoppachbrunnen an die Drufelleitung angeschlossen. 
Nachdem die Schädlichkeit der offenen Brunnen und 
Leitungen erkannt war. wurde 1872 die Niesteleitung 
erbaut, die ihr Wasser der Schichtquelle im Kaufunger 
"Personalien. 
Vermählte: George Rittershaußen und Frau, 
Rosemarie, geb. Has (Kassel, 1. 10.); Studienrat Dr. 
Friedrich Wilhelm Schröder und Frau, Marga, 
geb. Schultz-Welchhausen (Kassel, 2. 10.); Pfarrer Gott 
fried Kahler und Frau, Milly, geb. Schulte (Weiters 
hausen, 4. 10.); Oberleutnant Werner Bergemann 
und Frau, Ruth, geb. Knöner (Kassel, 8. 10.); Dipl.- 
Jng. Karl H o r n st e i n und Frau, Irmgard, geb. 
Seelig (Frankfurt a. M., 8. 10.); Schriftleiter Sig- 
muno D i s p e k e r und Frau, Blanche, geb. Kehr 
(Frankfurt a. M., 9. 10.); Dr. Georg E n d e m a n n 
und Frau, Margarethe, geb. Fisher (Windecken, 20. 10.); 
Amts- und Landgerichtsrat Dr. Erwin Melzer und 
Frau, Gerichtsassessorin a. D. Hedwig, geb. Wenzel 
Wald entnimmt und zum Hochbehälter am Kratzen- 
berg führt. 1892 Errichtung des Wasserwerkes Neue 
Mühle, das 1907/8 erweitert wurde. 1899 Erbohrung 
der Brunnen am Fischhof bei Bettenhausen. Mit der 
Eingemeindung der westlichen Vororte wurden auch 
deren Leitungen mit denen der Stadt vereinigt. Die 
Wasserversorgung Rothenditmolds durch Quellwasser im 
Ahnetal ist >vegen nicht einwandfreier Beschaffenheit 
des Wassers aufgehoben. 1925 kamen die reichen, als 
Trink- und Jndustriewasser gleich ausgezeichneten Wasser- 
mengen des Forstfeldes hinzu, die eine Sicherstellung 
der Stadt für die nächsten Jahrzehnte bedeuten. Heute 
besitzt die Stadt Kassel 9 Hochbehälter, unter denen 
der Kratzenberg-, Westend- und Dönchebehälter die be 
kanntesten und wichtigsten sind. Der Kratzenbergbe 
hälter wird von der Niestequelle und der Neuen Mühle 
gespeist, ebenso der Westendbehälter; der Dönchebehälter 
erhält sein^Wasser vom Habichtswald. Das Wasser der 
Forstbrunnen wird durch Druckpumpen unmittelbar in 
das Rohrnetz gedrückt. 
Der Verein der K u r h e s s e n im Saargebiet 
hielt kürzlich in Saarbrücken seine erste Jahresver 
sammlung ab. Dem neugewählten Vorstand gehören 
an Beigeordneter Dr. Dr. Kuhring als Vorsitzender 
und Ernst Goehle als erster Schriftführer, an dessen 
Adresse (Saarbrücken 2, Tauentzienstr. 2) Zuschriften 
zu richten sind. 
Hessischer Gebirgsverein. Am 15. No- 
vember sprach Wilhelm Ide im Kasseler Verein über 
„Hessisches Jugendwandern" und am 19. November in 
Veckerhagen über „Wandern und Heimatgeschichte". Weiter 
sprach Direktor Hermann Schulz im Kasseler Verein 
über „eine besinnliche Wanderung auf Wilhelmshöhe" 
und wußte durch ausgezeichnete Lichtbilder mancherlei 
Anregungen zu geben. — „Kirchen und Klöster im 
hessischen Landschaftsbild" führte Wilhelm I d e am 
6. Dezember in zahlreichen Lichtbildern vor und bot 
durch seine fesselnden Schilderungen den Zuhörern einen 
erlesenen Genuß. (Bericht: Kass. Post 8. 12.) 
Der Knüllgebirgsverein wählte (Mitte 
Oktober) in seiner Hauptversammlung auf dem Knüll 
köpfchen Amtsgerichtsrat Heußner-Hersfeld zum ersten, 
Direktor Sauer-Hersfeld zum zweiten Vorsitzenden, 
Schulz-Neukirchen zum ersten, Pfalzgraf-Ziegenhain zum 
zweiten Schriftführer und Hempfler-Hersfeld zum Kas 
sierer. Ter Vorsitzende entwickelte ein großzügiges Pro 
gramm über die Förderung des Wanderwesens im 
Knüllgebiet. — Die Ortsgruppe Oberaula veranstaltete 
am 10. Dezember einen Heimatabend. Oberlehrer Hein 
rich R u p p e l las aus seinen Werken vor und wußte die 
Zuhörer über zwei Stunden lang zu fesseln. 
(Marburg, 20. 10.); Dr. Albrecht Kippenberger 
und Frau, Dr. Margarethe, geb. Killing (Remscheid, 
21. 10.); Howard Clinton Wreforo und Frau, 
Lisch), geb. Bartram (Stratford-Outario-Canada, 21.10.); 
Rechtsaiuvalt Dr. Eitelfritz Albrecht und Frau, 
Erna, geb. Zuschlag (Hanau, 25. 10.); Dr. msch 
Lambert W a m i ch und Frau, Fanny, geb. Schu 
macher (Aachen, 27. 10.); Architekt Friedrich F r en 
de n st e i n und Frau, Gertrud, geb. Winkelstern 
(Waldau, 29. 10.); Reg.-Obersekretär Heinrich Brack 
mann und Frau, Clementine, geb. Raacke (Greben 
stein, 29. 10.); Pfarrer Karl Hopf und Frau, Ger 
trud, geb. Hermann (Rockensüß-Göttingen, 3. 11.); 
Dr. Hans D o e r r und Frau, Elisabeth, geb. Helfrich
	        

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