Full text: Hessenland (39.1927)

273 
Ein wertvollerer Beitrag namentlich auch zur Ge 
schichte der Romantik ist lange nicht gegeben worben. 
Daß das mit reichem Abbildungsmaterial ausgestattete 
Werk gebunden nur 13 RM kostet, darf als buch- 
händlerisches Unikum nicht verschwiegen werden, schon 
deshalb, weil es, von dem Allgemeininteresse, das dieses 
Werk beanspruchen darf, abgesehen, wohl keinen hessi 
schen Juristen geben wird, der nicht Besitzer dieser 
Monographie sein möchte. H. 
Dr. Robert M eiste r. „Heimatgeschichtlicher Ar 
beitsunterricht am Gymnasium zu Biedenkopf." 
106 S. Berlin bei Ehering 1927. 
In diesen Pädagogischen Studien zeigt der Verfasser, 
wie man die neuen Forderungen des Arbeitsunterrichtes 
und der stärkeren Betonung der Heimatgeschichte er 
füllen kann. In einem algemeinen Teil behandelt er 
nach einer erschöpfenden Literaturangabe über die 
Methodik u. a. den Begriff der Arbeitsschule, die Not- 
lvendigkeit des Lehrervortrags, die Benutzung von Quel 
len und der Abgrenzung des Begriffs „Heimat", den 
er auf Hessen-Kassel und -Darmstadt, Nassau und die 
benachbarten Kreise Berleburg und Wetzlar ausdehnt. 
Eine erstaunliche Belesenheit verrät der Verfasser in 
den 'Literaturangaben, die er den weiteren Kapiteln 
des Heimatuuterrichtes aus Unter-, Mittel- und Ober- 
Vereinsnachrichten. 
Hessischer G e sch i ch t s v e r e i n. Am ersten 
dieswinterlichen Unterhaltungsabend des Kasseler 
Vereins am 3. Oktober berichtete zunächst der zweite 
Vorsitzende Zolldirektor W o r i n g e r über die Jahres 
versammlung in Rinteln. Es folgte ein Vortrag von 
Bibliotheksrat Dr. Israel über die Jugend des 
zweiten hessischen Kurfürsten, namentlich über dessen 
durch die französische Revolution unterbrochenen Stu 
dienaufenthalt in Genf. An den sich an den Vortrag 
anschließenden Erörterungen beteiligten sich Zolldirektor 
W o r i n g e r, Studienrat Dr. Weiden: a n u und 
Dr. Hallo. Dieser sprach hieraus über die beiden 
im Landesmuseum aufbewahrten sogenannten Jagd- 
fäßchen Otto des Schützen, die nach neueren Unter 
suchungen sehr wohl Otto aus Kleve mitgebracht 
haben kann. Zum Schluß brachte Direktor W o r i n g e r 
noch interessante Beiträge zur Ortsgeschichte der Graf 
schaft Schaumburg. (Bericht: Kafs. Post 5. 10. i — 
Am 17. Oktober hielt Pros. Dr. L u t h m c r einen 
Lichtbildervortrag „Aus der Geschichte der Kasseler 
Kunstakademie", die einst revolutionierend in der deut 
schen Kunst war, nämlich um die Wende des 18. und 
19. Jahrhunderts. Wie Redner nachwies, ist damals 
außer in Stuttgart nirgends in Deutschland derart 
konzentriert um die Gestaltung des Klassizismus ge 
rungen worden. Hierher gehört auch die Auswirkung 
der Akademie auf die architektonische Gestaltung des 
Kasseler Stadtbildes. Leider habe die Kasseler Bür 
gerschaft der Akademie gegenüber fast immer versagt. 
(Bericht: Kasf. Post 19. 10.) — Ter von Bibliotheks 
direktor Dr. Hopf geleitete Unterhaltungsabend am 
7. November brachte zunächst einen Bericht des Kan 
tors Horwitz über ehemalige Banken und Börsen 
in Kassel, deren erste 1776 eröffnet wurde. Von hohen: 
Interesse waren die Erläuterungen Direktor Dr. Hopfs 
über die Entstehung der hessischen Landesfarben rot 
weiß. Diese kommen in der Geschichte fast gleich 
zeitig mit Schwarz und Gold vor. So hat Heinrich!., 
das Kind von Brabant, 1292 die rot-weißen Farben 
für sein Banner übernommen. Privatmann W e n tz e l l 
entwarf eimgc Kasseler Miniaturbildchen aus den 60 er 
stufe vorausschickt, gute Geschichtserzählungeu und Romane 
aus der engeren Heimat sind dabei reichlich vertreten. 
An Stoss, den der Verfasser zur Durchnahme vor 
schlägt, bietet er fast zuviel: nicht jeder Kollege wird 
so viel bewältigen können. Aber für alle, besonders 
diejenigen, die nicht aus Hessen stammen und hier im 
Land hessische Geschichte unterrichten solle::, bietet das 
Büchlein, das in keiner Lehrerbibliothek fehlen sollte, 
ein ausgezeichnetes Hilfsmittel. 
Prof. Kürschner, Studienrat. 
W a r t b u r g - I a h r b u ch 1 9 2 6. Eisenach (Verlag 
der Freunde der Wartburg) 1926. 130 Seiten. 
An der Spitze steht der von Dr. Friede. Castelle 
anläßlich der vierten Mitgliederversammlung gehaltene 
schöne Vortrag über Goethe und Beethoven, in deren 
Zeichen die Tagung stand. Weiter berichtet Burgwart 
Nebe über neue Bauten, Funde und Ausgrabungen 
auf der Wartburg, und Äourad Höfer behandelt das 
Gebetbuch des Landgrafen Hermann, jene 1925 neu 
herausgegebene köstliche Bilderhandschrift des Land 
grafenpsalters aus dem 13. Jahrhundert. Ten Beschluß 
bilden der Jahresbericht und 50 prächtige Original 
ausnahmen, die uns einschließlich der Freilegungen ein 
Bild vom jetzigen Zustand der Wartburg geben. II. 
Jahren, und Prof. Dr. Lut h n: e r gab Proben aus 
einem 1666 zu Lyon erschienenen Reisejournal des 
französischen Gelehrten de Moucony, der 1663 auch 
Hessen besuchte. (Bericht: Kais. Post 9. 11.) — An: 
21. November sprach der treffliche Kenner Schmal- 
kalder Verhältnisse, Fachschuloberlehrer P i st o r, über 
„die Schmalkalder Eisen- und Stahlindustrie und die 
hessischen Fürsten". Schon in historischer Zeit ist in 
dieser Gegend Eisengewinnung betrieben worden. Mit 
Nutzbarmachung der Wasserkräfte wurden die Eiseniucher 
seßhaft. Tie eigentliche Blüte der Schmalkalder Eisen- 
industrie beginnt mit der Bergordnung von 1471. 
Schmalkalder Eisenhändler finden w:r auf allen großen 
Messen. Ten: langsamen Nwdcrgang im 18. Jahr 
hundert folgt erst nach 1866 wieder ein glänzender 
Aufschwung. (Bericht: Kasf. Post 23. 11.) — An: 
Unterhaltungsabend des 5. Dezember sprach Zolldirektor 
Woringer über das hessische Geschützwesen in 
älterer Zeit und über die Bestände des alten Kasseler 
Zeughauses. Philipp der Großmütige legte den Grund 
zu einer modernen Artillerie;• sein großarttgcr Ge 
schützpark wurde jedoch nach der Kapitulation von Halle 
vernichtet, und Kaiser Karl V. verteilte die erbeuteten 
Geschütze über sein ganzes Reich. Nach Philipps Tode 
verfügte Hessen jedoch wieder über 160 moderne Ge 
schütze. Kantor H o r w i tz berichtete über den 1603 
der Familie Goldschmidt in: Stadtbau freigegebenen 
Warenhandel, »voraus Direktor W o r i n g e r noch inter 
essante Ausführungen über die in Elgershausen be 
stehende Begrübnisgesellschaft machte. (Bericht: Kass. 
Post 7. 12.) 
Der M a r b u r g e r Verein lud in Gemeinschaft 
mit der Marburger Bundesgruppe am 18. November zu 
einem Vortrag von Professor Dr. Stengel ein über 
„Wilhelm Tilich, einen hessischen Kartenmaler des 
Frühbarock und seine Stellung in der Geschichte der 
Kartographie", über den wir an anderer Stelle be 
richten. — Gemeinsam mit den: Oberhessischen Ge- 
brrgsverein Ivurde am 5. Dezember ein Lichtbilder 
vortrag veranstaltet, an dem Prof. Dr. R i ch t e r - 
Gießen über „die Ausgrabungen am Totenberg bei
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.