Full text: Hessenland (39.1927)

Seminar Frau Dr. Charlotte v. Reichenau mit 
einer Schrift über „Die Kapitalfunktion des Kredits". — 
Das neu eingerichtete landwirtschaftliche Institut, das 
durch Einbeziehung der Räume des seitherigen physio 
logischen Instituts' eine bedeutende Erweiterung erfahren 
hat, wurde feierlich eingeweiht. — An unserer Univer 
sität hat sich eine Vereinigung auslandsdeutscher Stu 
denten gebildet. — Zu Ehrendoktoren wurden ernannt 
der Pfarrer am Baseler Münster Ed. Thur n e y s e n, 
der Verleger des „Gießener Anzeigers" Buchdruckerei 
besitzer Richard Lange und der Direktor der I. G. 
Farbenindustrie Ludwigshafen, Regierungs- und Landes 
ökonomierat Franz Ströbele. — Darmstadt: 
An der technischen Hochschule übergab der Rektor des 
abgelaufenen Jahres Prof. Knippings das Rektorat 
Pros. Dr.-Jng. K a m m e r. — Der Professor der 
Mathematik Geh. Rat. Herrmann Wiener trat in 
den Ruhestand. — Rektor und Senat verliehen Ge 
heimrat Professor Dr. Karl Bantz er in Marburg 
sowie dem Fabrikbesitzer Emil Scheu ck in Darm 
stadt die Würde eines Ehrendoktors. — Göttin gen: 
Anläßlich der Gedächtnisfeier des 100. Geburtstages 
Paul de Lagardes verlieh die Universität dem Ver 
fasser des Romans „Volk ohne Raum" Hans G r i m m 
zu Lippoldsberg a. d. W. die Würde eines Ehren 
doktors. — B onn: Der Assistent am gerichtsürzt- 
lichen Institut der Universität Dr. meä. et phil. I. 
Andre aus Fulda wurde zum Gerichtsarzt des Land 
gerichts Magdeburg ernannt. 
Zum Artikel Marburger Ehrenpromo 
tionen von 1 827 in Heft 9/10. Heft 9/10 
des „.Hessenland" bringt eine interessante Zusammen 
stellung der beim Marburger Universitäts-Jubiläum 
1827 stattgefundenen Ehrenpromotionen. Am Schlüsse 
ist bezüglich des Dr. pharm, die Ansicht ausgesprochen, 
daß dieser Titel damals erstmalig verliehen wurde. 
Dies entspricht nicht ganz den Tatsachen. Allerdings 
handelt es sich hierbei um eine an hervorragende Apo 
theker verhältnismäßig selten verliehene Auszeichnung, 
die bis jetzt für Deutschland im ganzen achtmal fest 
gestellt wurde, während der Titel im Auslande viel 
fach offiziell eingeführt ist. Die älteste bekannte Ver 
leihung in Deutschland stammt aus dem Jahre 1808, 
um welche Zeit die Universität Rinteln den Apotheker 
und Dozenten an der Universität Erfurt Chr. Friedr. 
Buchholtz zum Dr. pharm, h. c. ernannte. Der zweite 
Fall betrifft den Besitzer der Rosenapotheke in Kassel, 
Obermedizinalassessor Georg Wilhelm Rüde, der von 
der medizinischen Fakultät der Universität Marburg 
1821 zum Dr. pharm, rite Promoviert wurde. 1836 
erhielt dieselbe Ehrung von Marburg noch der Besitzer 
der Hirschapotheke in Kassel, Obermedizinalassessor, 
spätere Medizinalrat Gottlieb Friedrich Fiedler. 
H. Gelder. 
P e r s o n a l ch r o n i k. Die bekannte hessische Dich 
terin und Schriftstellerin Mathilde von Es ch st ru t h 
(Pseudonym M. v. Eschen), die neben ihren Erzäh 
lungen und Jugendschriften vor allem auch aus sozialem 
und frauenrechtlichem Gebiet schriftstellerisch tätig war, 
beging ihren 88. Geburtstag. — Am 30. Oktober 
feierte Dom-Musikdirektor Ferdinand R ü b s a m in 
Fulda, vor allem bekannt durch sein feinsinniges Orgel- 
spiel im Dom, seinen 75. Geburtstag. — Dem in 
Büdingen wohnenden Professor Hermann v. Jhering 
widmete der Wissenschaftliche Verein in Buenos Aires 
anläßlich seines 50 jährigen Doktorjubiläums ein Heft 
seiner Vereinszeitschrift „Phönix" als Festzeitschrift, 
v. Jhering hat lange Zeit in Südamerika seine Forscher- 
tätigkeit ausgeübt und in Sao Paulo ein Museum 
gegründet. Der Deutschenhaß tvährend des Weltkrieges 
brachte ihn um seine Stellung. — Die Gießer Stadt 
verordnetenversammlung wählte den Spielleiter des 
Stuttgarter Schauspielhauses Dr. Rolf P r a s ch^ zum 
Intendanten des Gießer Stadttheaters. — Zu Stadt 
räten des Kasseler Magistrats wurden Magistratsrat 
Dr. Fritz Theiß, ein geborener Kasselaner, und Re 
gierungsrat Richard Sarrazin, der frühere Landrat 
des Kreises Melsungen, gewählt. — Als Nachfolger des 
Baurats Dr. H o l t m e y e r wurde Dr. Friedr. B l e i - 
bäum zum Bezirkskonservator für den Regierungs 
bezirk Kassel gewählt. — Baurat Dr. ing. et phil. 
Aloys Holtmeye r, der bereits sein neues Amt 
als Diözesankonservator in Köln angetreten hat, war, 
ehe er 1913 Bezirkskonservator wurde, Hochbaudezernent 
der Eisenbahndirektion Kassel, und hat u. a. die Bahn 
höfe in Marburg, Treysa und Corbach ausgeführt. 
Einen Überblick über seine Tätigkeit als Konservator 
bietet sein „Jahrbuch der Denkmalspflege". Auch gab 
er verschiedene große Jnventarisationswerke der hessi 
schen Bau- und Kunstdenkmäler und die vortreffliche 
Serre Alt-„Hessen" heraus. Eine Arbeit über die hes 
sischen Klöster steht noch aus. — Die städtischen Körper 
schaften in Treffurt ernanuten den Pfarrer Aloys 
H ö p p n e r in Wanfried einstimmig zum Ehrenbürger. 
— Der frühere Kammermusiker und Harsenvirtuose am 
Kasseler Staatstheater, dem er seit 1882 angehörte, 
William Deyerberg, beging am 1. Oktober sein 
50 jähriges Künstlerjubiläum. — Der Organist der 
Marienkirche in Hanau Daniel P a u l st i ch, der sich 
besonders um die Schaffung des neuen Choral- und 
Chorgesangbuches verdient machte, trat nach 50 jähriger 
Tätigkeit im Dienst der hessischen Kirche in den Ruhe 
stand. 
Todesfälle. Am 23 September starb im 81. 
Lebensjahr der frühere Direktor der hessischen Landes 
bibliothek Dr. Edward L o h m e Y c r. In Rinteln 1817 
geboren, war er nach der 1871 in Marburg bestandenen 
Staatsprüfung an der höheren Bürgerschule in Ülzen 
tätig, bildete sich aber dann zum Bibliotheksdienst aus, 
promovierte 1881 in .Halle, wurde 1882 zweiter, 1886 
erster Bibliothekar an der Kasseler Landesbibliothek 
und später deren Leiter. Seit 1912 lebte er im Ruhe 
stand. Seine sprachwissenschaftlichen Abhandlungen ver 
öffentlichte er in der von ihm herausgegebenen ortho 
graphischen Zeitschrift „Reform". Der Zweigverein 
Kassel des Deutschen Sprachvereins verdankte ihm sein 
Entstehen. — Am 22. Oktober verschied zu Kassel der 
Generalleutnant z. D. Friedrich F r i t s ch, ein Sohn des 
unseren Lesern durch seine Mitarbeit bekannten, vor 
einigen Jahren hochbetagt gestorbenen Geheimrats Fritsch. 
In Kassel geboren, trat er 18 jährig 1867 beim Kasse 
ler Feldartillerie-Regiment Nr. 11 ein und erwarb 
sich im Krieg 1870/71 als junger Leutnant das Eiserne 
Kreuz. Seine Laufbahn führte ihn an die Spitze des 
19. Feldartillerie-Regiments und der 15. Feldartillerie- 
Brigade. Zuletzt hatte Exzellenz Fritsch die Stellung 
eines Traininspekteurs inne. Als Generalleutnant zur 
Disposition gestellt, widmete sich der liebenswürdige, 
allzeit hilfsbereite alte Herr mit starkem Pflichtbe 
wußtsein dem Dienst der Allgemeinheit. So stand er 
viele Jahre an der Spitze der Rotenkreuzvereine, des 
Kasseler Sprach- und des Verschönerungsvereins. — 
Am 28. Oktober entschlief der langjährige Direktor und 
Kurator des Deutschen Kolonialschule in Witzenhausen 
Professor Ernst Albert F a b a r i n s. In Saarlouis 
1859 geboren, hat er 30 Jahre lang seine erfolgreiche 
Arbeu in Witzenhausen betrieben. 1897 war es ihm 
gelungen, eine Vereinigung zur Errichtung einer deut-
	        

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