Full text: Hessenland (39.1927)

245 
staltung der Lehrmittel, wenn sie auch einige Jahre um 
ihren Bestand bangen mußte. Tie Wiederherstellung des 
Kurfürstentums bedeutete für sie zunächst keinen Gewinn, 
doch wurden in den letzten dreißig Jahren des Kurstaates 
die Lehrmittel ausgebaut, neue Institute errichtet und 
bedeutende Lehrer berufen. Der zweite Teil der Fest- 
fchrift gibt in zahlreichen Einzeldarstellungen ein an 
schauliches Bild von der Gesamtentwicklung der Philippina 
in den letzten sechzig Jahren. Damit besitzen wir nach 
der Darstellung Justis von 1827 und der Monographie 
Barrentrapps von 190-1 nunmehr eine umfassende, wür 
dige, auch die Gelehrten- und Wissenschaftsgeschichte ein 
schließende Darstellung der Entwicklung unserer Landcs- 
universität als eines der wichtigsten Ergebnisse ihrer 
vierten Säkularfeier. H. 
und seines Werkes unter gleichzeitiger Betonung der 
Bedeutung für unsere Zeit. Scharf umrissen zeigt 
er die für die gesamtmenschliche Erscheinung Hauffs 
so wichtige Entfaltung des Individuums zur Persön 
lichkeit, verkennt keineswegs die Unbekümmertheit des 
sprachlichen Formens bei diesem fabelhaft raschflüssigen 
Talent, die mehr dem Literaten als dem Dichter eignende 
burschikose Art der Spottlust, weist auf die Abhängig 
keit seiner Erzählungen von der Empfindungswelt gleich 
zeitiger romantischer Dichter, andrerseits aber auch auf 
die Vorzüge seiner, sich in gefühlsmäßigem Gegensatz 
zu norddeutscher Überheblichkeit äußernden Bodenständig 
keit hin und hebt zum Schluß die ungelvöhnliche Be 
deutung sowohl seiner Märchen, in denen sich sein 
ureigenster Schöpferdrang auslebt, als seines Meister- 
Heiligenberg und Ruine Felsberg. Aufnahme von E. Braun-Kassel. 
Aus: M Jaedicke, Naturschuh-Brevier. (Verlag g. Neumann-Neudamm.) 
Scheller, Will. Wilhelm Hauff. Monogra 
phie. Leipzig (Phil. Reclam, jun.) 1927. 63 Seiten. 
0.10 RM, gebunden 0.80 RM. 
Angesichts der Tatsache, daß unter den Millionen, 
die das Soldatenlied „Steh ich in finster Mitternacht" 
oder das für seinen Dichter prophetische „Morgenrot" 
singen, oder sich für den unverwüstlichen, Altschwaben 
land verherrlichenden „Lichtenstein" begeisterten, nur 
die wenigsten den Namen ihres Schöpfers, des vor 
hundert Jahren früh vollendeten, hochbegabten Wilhelm 
Hauff, kennen, ist es hoch erfreulich, daß dieser neuen, 
von Will Scheller geschriebenen Monographie des schwä 
bischen Romantikers schon als 27. Band der Reclam- 
schen Dichter-Biographien weiteste Verbreitung gesichert 
ist. Scheller folgt hier keineswegs bekannten Pfaden, 
sondern gibt eine durchaus selbständige Wertung vom 
Standpunkt der Gegenwart aus. Er faßt das Biogra 
phische aus einigen Seiten hinreichend zusammen und 
legt den Hauptwert auf die Charakteristik des Dichters 
Werkes, der „Phantasien im Bremer Ratskeller", hervor. 
Alles in allem ist ihm auch Hauff „ein Fähnrich 
geistiger Teutschheit im Vortrupp der unsterblichen 
Kämpfer für die schöne Zukunft eines größeren, eini 
geren Vaterlandes". H. 
H a ck, Johannes. Traute Heimat meiner 
Lieben. Heimatklänge. Fulda (Fuldaer Actien- 
druckerei) 1927. Mit zahlreichen Abbildungen. 
175 Seiten. Preis gebunden 3.50 RM. 
Mit diesem Büchlein bringt der Verfasser eine wert 
volle Bereicherung der heimatkundlichen Literatur. Es 
schildert das Fuldaer Land mit all seinen Reizen und 
Sonderkeiten, plaudert über Flachsbau, Spinnstuben, 
Neujahr, Fastnacht, den Hutzelsonntag, Kirmes, Volks 
aberglauben, Wetterregeln, teilt allerhand aus dem 
Sprachschatz der Fuldaer Landbevölkerung mit, bringt 
Geschichtliches von der Milseburg, dem Kloster Fulda, 
der Probstei Petersberg, vom Leinengewebe und der 
Seidenzucht im Fuldaer Land und zum Schluß Hei-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.