Full text: Hessenland (39.1927)

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der Stadt Hamburg gab eine bedeutende Spende, 
vom Kultusministerium wird ein Zuschuß bewilligt. 
So ist es, wenn auch zunächst in bescheidenen 
Grenzen, möglich geworden, die geistige Umwelt 
Hebbels in der Wesselburener uud Hamburger Zeit 
darzustellen. Dem entsprechen die beiden großen 
Zimmer des Museums, während ein dritter Raum 
einen Teil von den reichen Schätzen noch ungeordnet 
vereint, was für die spätere Entwicklung des Dich>- 
ters, für seine Wanderzeit von München über 
Kopenhagen, Paris nach Wien von Bedeutung ist. 
Die Zukunft wird dem Ausbau des Hebbelmuseums 
Aus Heimat und Fremde. 
Hochschulnachrichten. Marburg: Geh. Rat 
Pros. Dr. I. G a d a m e r, Direktor des pharmazeutisch- 
chemischen Instituts, wurde von der medizinischen Fa 
kultät der Universität Breslau wegen seiner hervor 
ragenden Verdienste um die Alkaloidchemie und die 
gerichtliche Chemie und wegen seiner erfolgreichen Ar 
beiten zur Mehrung des Ärzneischatzes zum Dr. raed. 
h. c. promoviert. — An Stelle von Pros. K. Stargard 
wurde der a. o. Professor Wilhelm G r ü t e r in Bonn 
aus den hiesigen Lehrstuhl der Augenheilkunde berufen. 
Prof. Grüter, der Entdecker des Herpesvirus das mit 
dem Erreger der Schlafgrippe identisch sein soll, wurde 
1882 in Essen geboren und wirkte bereits früher an 
der hiesigen Augenklinik. — Für das Fach der Kinder 
heilkunde habilitierte sich Dr. inod. Joachim Brock, 
Oberarzt in der Kinderklinik. — Der Geh. Medizinalrat 
Dr. Koppen in Heiligenstadt, dem die Marburger 
medizinische Fakultät 1907 anläßlich seines 50 jährigen 
Doktorjubiläums das Diplom erneuerte, beging am 
5. September sein 70 jähriges Doktorjubiläum. Dr. Kop 
pen ist in Walburg geboren und steht jetzt im 94. 
Lebensjahr. — Die philosophische Fakultät erneuerte 
dem in Hamburg lebenden früheren Direktor des Gym 
nasiums in Doberan, Dr. Wilhelm Kühne, anläßlich 
seines 50 jährigen Doktorjubiläums das Diplom. Nach 
dem Dr. Kühne in Marburg Theologie und Philologie 
studiert, siedelte er nach kurzer Tätigkeit in seiner Ge 
burtsstadt Hersfeld nach Mecklenburg über, wo er 1881 
an das neugegründete Gymnasium in Doberan als 
Direktor berufen wurde. Nach 40 jähriger Tätigkeit 
trat er in den Ruhestand, übte aber während der Kriegs 
zeit noch einmal als Siebzigjähriger in Rostock und 
an der Oberrealschule auf der Uhlenhorst seine Lehr 
tätigkeit aus. Vielen Besuchern der Doberaner Kirche 
ist er bekannt als Entzifferer der dort so zahlreichen 
Grabinschriften. — Berlin: Das wissenschaftliche Mit 
glied der Preußischen Landesanstalt für Wasser-, Boden- 
und Lufthygiene in Berlin-Dahlem, Prof. Dr. Julius 
W i l h e l m i (geborener Marburger), wurde zum Ho 
norarprofessor in der Fakultät für Bauwesen der Tech 
nischen Hochschule ernannt. 
P e r s o n a l ch r o n i k. Am 11. September feierte 
Professor William U n g e r in Innsbruck seinen 90. 
Geburtstag. Die Bedeutung dieses aus Hannover ge 
bürtigen Künstlers liegt in der Wiedererweckung der 
Radierkunst. Sein bekanntes, 1869—70 entstandenes 
Werk „Die Kasseler Galerie" zeigte seine Reproduktions 
kunst bereits in voller Ausprägung seiner individuellen 
Befähigung. — Am 29. August beging Oberlandesge 
richtsrat a. D. Geh. Justizrat August Schwarz in 
Kassel seinen 70. Geburtstag. Schwarz ist seit langen 
Jahren in der kirchlichen Verwaltung tätig; die Grün- 
noch mancherlei Aufgabelt bringen. Geplant ist 
auch der Ankauf des Hauses, das auf den Gruud-- 
mauern des Geburtshauses des Dichters errichtet 
ist, um hier mit den noch vorhandenen Gerätelt 
jener Zeit ein eillheitliches Bild zu schassen. Die 
kleine „Hebbel-Gemeinde" wird die Kosteir für Er- 
weiterung kaum aufbringen können. Und doch wäre 
es ein erstrebenswertes Ziel, denn „die Stätte, die 
ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht", wieviel 
mehr gilt das von einem Lebeuskämpser, dem das 
R fugen zu den Sternen ein „heiliger Krieg" war. 
A. Latwesen. 
düng des Gesamtverbandes der evangelischen Gemeinden 
in Kassel ist wesentlich auf sein Wirken zurückzuführen. 
— Am 15. September feierte Professor Otto Hebel 
seinen 70. Geburtstag. In Kassel als Sohn des 
Lehrers am reformierten Waisenhaus geboren, wurde 
er 1897 von Korbach aus an das Friedrichsgymnasium 
seiner Vaterstadt berufen, wo er 25 Jahre hindurch 
erfolgreich als Mathematiker und Naturwissenschaftler 
wirkte. Lange Jahre lvar er Vorsitzender des national- 
liberalen Wahlvereins. 1919 wurde er in das Stadt 
parlament gewählt und 1924 als Spitzenkandidat der 
volksparteilichen Liste als Stadtrat in den Magistrat 
entsandt. — Gleichfalls seinen 70. Geburtstag beging 
am 20. September Geheimrat Dr. Adolf Lange. In 
Kassel als Sohn eines Mittelschullehrers geboren, war 
er 1879—80 am Kasseler Friedrichsgymnasium, seit 
1885 als Professor, tätig, wirkte später am Gymnasium 
zu Marburg und wurde 1893 Direktor des Gymnasiums 
mit Realschule in Höchst. 1904 übernahm er die Leitung 
des Gymnasiums mit Oberrealschule in Solingen, trat 
1922 als Oberstudiendirektor in den Ruhestand und 
siedelte dann wieder in seine Vaterstadt über. — Zum 
1. Oktober 1927 wurde Landgerichtsdirektor Dr. Karl 
Bähr als Nachfolger Stamms zum Präsidenten des 
Landeskirchenamts der evangelischen Landeskirche in 
Hessen-Kassel ernannt. Der neue Präsident ist am 
30. Mai 1880 in Kassel geboren: seine Vorfahren waren 
väterlicherseits die Gründer der Buntpapierfabrik Lud 
wig Bähr in Bettenhausen, sein Großvater mütterlicher 
seits war der letzte Kommandeur des Kurhessischen 
Kadettenhauses, Oberst Matthias. Bähr wurde 1901 
Referendar, 1906 Gerichtsassessor in Kassel, 1910 Staats 
anwalt in Koblenz, machte den Weltkrieg als Offizier 
mit, wurde 1919 als Landrichter nach Kassel versetzt 
und hier 1922 Landgerichtsdirektor. — Der langjährige 
Leiter des Gießer Stadttheaters Intendant Hofrat 
Steingoetter trat in den Ruhestand. — Der neue 
Generalintendant des Hessischen Landcstheaters in Darm- » 
stadt Karl Ebert wurde Ende August in sein Amt 
eingeführt. — Der Direktor der Fuldaer Ständischen 
Landesbibliothek Prof. Dr. Karl S ch e r e r trar nach 
Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand. Er 
hat sich um die Fuldaer Landesbibliothek große Ver 
dienste erworben und sich mit Erfolg bemüht, die Früchte 
der Wissenschaft breiteren Kreisen zugänglich zu machen. 
— Sein Nachfolger wurde der bisherige Bibliothekar 
an der Universitäts- und Stadtbibliothek zu Köln Dr. 
Joseph Theele. Dr. Theele stammt aus Halle a. 
Saale, wo er am 3. April 1889 als Sohn eines 
Lehrers und Organisten geboren wurde, besuchte dort 
die Volksschule und die Latina der Franckeschen Stif 
tungen, zuletzt das Gymnasium zu Steele (Ruhr), das
	        

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