Full text: Hessenland (39.1927)

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Beziehungen der Brüder Grimm 
zur Familie von Schwerhell. Von Dr. Wilhelm Schoof (Hersfeld). 
1. B r i e f w e ch s e l von W i l h e l m Grimm 
ii n b Karoline v o n S ch w e r tz e l l. 
Zu den Jugendfreunden der Brüder Grimm 
gehörte von ihrer Kasseler Schulzeit her neben 
Ernst von der Malsburg, August Trott zu Solz, 
Joh. Georg Neuber, Paul Wigand u. a. auch 
Friedrich von Schwertzell. Er war 1784 in Willings 
hausen geboren, trat 1801 in die II II des U^eenm 
Fridericianum zu Kassel ein, wo er ein Klassen 
kamerad von Wilhelm wurde, und ging Ostern 
1803 1 von 0 II zusammen mit Wilhelm Grimm 
und Paul Wigand nach Marburg, wo Jacob 
Grimm und Malsburg schon seit Ostern 1802 
studierten. In seinen Denkwürdigkeiten 1 2 3 schildert 
Paul Wigand anschaulich einen Ausflug, den die 
Freunde kurz nach der begonnenen akademischen 
Tätigkeit zusammen mit Friedrich von Schwertzell 
in sechsstündiger Wanderung nach seinem väterlichen 
Gut in Willingshausen unternahmen, wo sie in 
Abwesenheit der Eltern wundervolle Stunden ver 
lebten. Während Jacob Grimm besonders unter 
den Teilnehmern erwähnt wird, wissen wir von 
Wilhelm nicht, ob er sich an der Wanderung be 
teiligt hat. Vermutlich durfte er sich eine 6-stündige 
Fußwanderung nicht zumuten, da er an Asthma 
litt und sich ein halbes Jahr lang hatte schonen 
müssen, s 
Wilhelm Grimm ist aber später öfter in Willings 
hausen zu Besuch bei seinem Jugendfreund gewesen. 
So schreibt er am 18. August 1819 an Achim von 
Arnim: 4 „Ich war zwei Tage auf dem Schwertzell- 
schen Gute bei Ziegenhain, wo es gar hübsch ist, 
das ist meine einzige Ausflucht in diesem Jahre 
gewesen." Ebenso ist Wilhelm Grimm ein Jahr 
vorher in Willingshausen gewesen. Im Fremden 
buch der Familie von Schwertzell in Willings 
hausen findet sich ein Eintrag vom 17. September 
1818, der lautet: 
„Die Bäume, die im Garten stehn, 
die Menschen, die darunter gehn, 
wolle Gott behüten, 
daß sie stehn und gehn in Frieden." 
Willingshausen, am 17. September 1818. 
Wilhelm Carl Grimm. 
Und am 27. Juli 1820 schreibt die Schwester 
seines Jugendfreundes, Karoline von Schtvertzell, 
aus Willingshausen an ihn: „Kommen Sie denn 
nicht einmal hierher zu uns, damit ich Ihnen 
auch zeigen könnte lute prachtvoll sich das herr 
liche Flacon auf der kleinen Kommode unter dem 
Spiegel in unserm Stübchen ausnimmt. Thun 
1 Groß, Gymnas.-Progr. von 1879. 
2 Stengel, Briefe der Brüder Grimm an Paul Wi 
gand (Marburg 1910) S. 327 sf. 
3 Kleine Schriften, I, 4. 
4 Steig: Achim von Armin und Jakob und Wil 
helm Grimni (Stuttgart 1904) S. 447. 
Sie es doch ja bald, Sie wissen, daß Sie uns 
Alle recht damit erfreuen würden." Am Christ 
sonnabend 1821 schreibt Wilhelm Grimm an die 
inzwischen verheiratete Karoline von Verschuer, 
Gattin des Rittmeisters Freiherrn von Verschuer: 
„Heute Morgen, wie ich die Stadt umher gieng 
einiges von den Lustbarkeiten der Welt für meine 
Geschwister zu kaufen, so habe ich so viel an Ma 
thilde 5 , an die Kinderchen und nach Willingshausen 
gedacht, daß mein Verlangen nicht besser als durch 
Ihre Einladung hat erfüllt werden können." Karo 
line von Schtvertzell hatte sich 1821 verheiratet 
und lebte anfänglich mit ihrem Gatten in Kassel, 
dann in Fritzlar und zuletzt in Solz bei Bebra. 
Friedrich von Schwertzell besaß ans seiner Ehe 
mit Mathilde von Boyneburg 6 Kinder, 3 Mäi>- 
chen und 3 Söhne. Bei dem am 30. Oktober 
1820 geborenen Sohn Georg von Schwertzell stand 
Wilhelm Grimm Pate. Die Taufe fand am 
10. November 1820 in Kassel statt. Der Auszug 
aus dem Taufbuch lautet: 
„In der Hofgemeinde wurde getauft am 10. No 
vember 1820 der am 30. Oktober 1820 geborene 
Junker Friedrich Karl Ludwig Wilhelm August 
Christian Gerhard von Schwertzell, Sohn des 
Forstmeisters und Kammerherrn Georg Ludwig 
von Schwertzell und dessen Ehefrau Mathilde 
Auguste von Boyneburg. 
Gevattern: Landmarschall George von Dörnberg 
zu Hausen 
Oberst Karl von Baumbach, Cassel 
Rittmeister Wilhelm von Verschuer 
Bibliothekar Wilhelm Grimm 
Oberstleutnant Gerhard von Reutern, 
in Livland in russischen Diensten." 
Durch die Übernahme der Patenschaft, die zwei- 
fellos eine besondere Auszeichnung für Wilhelm 
Grimm bedeutete, gestaltete sich das Verhältnis 
zur Familie von Schwertzell noch herzlicher 
wie bisher, und es scheint, daß Wilhelm öfter 
im Spätsommer einen Teil seines Urlaubs in 
Willingshausen zugebracht hat und dort auch 
mit Karoline von Verschuer zusammengekommen 
ist. Denn am 28. Juli 1823 schreibt sie von 
Fritzlar aus an Grimm: „Ich gedenke in diesen 
Tagen nun endlich nach Willingshausen zu 
reisen, wohin mich vielleicht mein guter Mann 
begleitet . . . Richten Sie es doch so ein, lieber 
Grimm! daß Sie auch bald nach Willingshausen 
kommen, Mathildchen 6 mit den Kindern ist schon 
0 Mathilde von Boyneburg-Stedtfeld, mit der Fried 
rich von Schwertzell seit 1813 verheiratet tvar. 
6 Die Familie von Schtvertzell wohnte nur den 
Sommer über in Willingshausen. Im Winter lebte 
sie abwechselnd in Kassel und Fulda, Frankfurt und 
Wiesbaden.
	        

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