Full text: Hessenland (39.1927)

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in der Frühlingsschönheit des Fuldadorfes, stärker, reifer 
noch ist ein überlegen gemeistertes ruhig-abgeklärtes 
Frauenbild. Mit Liebermannschem Tiefblick und Lebens 
gefühl ist die Schusterstube von Karl M o n s - Rölls- 
hausen in das Fludium von Helle, Volkstum, Arbeit 
und Alltag getaucht. Max Kneisel hat einen duftig 
hingesetzten weiblichen Akt und ein zart getöntes Still 
leben, Lola Schwarzenberg ein etwas nüchternes, 
reserviertes, gedämpftes Doppelbildnis beigesteuert. Die 
fließende flimmernde Farbigkeit des Neoimpressionismus 
verleiht Heinrich Schneiders weichen Blumen und 
Stilleben (Tempera) einen eigenen Reiz. Bedeutsam 
verraten die Bilder von Walter S ch l i e p h a ck e die 
Wandlungen, die dieser Künstler durchmachte. Die la 
gernden Zigeuner lassen die Romantik ahnen, die eigent 
aus entwickelt Karl Leyhausen sein Stilleben und 
Herrenbildnis. Kunstgewerblichen Einschlag haben Ar 
nold B o d e s Blumen-Arrangement und Paris-Aus 
blick mit gekünstelter Umrahmung, soziologischen Thea 
F e n n e r s Schwester und Margarethe Garthe Lie 
bergs knochig-harter Schlosser. Znm Konstruktiven 
hinüber streben Fritz Schneider (Stilleben mit Fisch) 
und August Anhalt (Doppel- und Frauenbildnis), 
auch Hermann Mollenhauer (Fabrik am Fluß), 
bei dem auch eine Steigerung der Farbintensität sich 
vollzreht, die sich bei Else L u t h m e r noch verstärkt 
(Gardaseebilder), bei Heinrich Schäfer-Simmern 
(Stilleben) und Johannes R e i n h o l d (puppenhaftes 
italienisches Fest) sich effektvolle Farbübergänge schafft 
und bei Clara W e i n h o l d s weiblichem Halb- und 
Lagernde Zigeuner. Gemälde von Walter Schliephacke. 
lich in ihm steckt, in dem saucigen Dunkel des Zwie 
gespräches nähert er sich der Einstellung des fran 
zösischen Realismus, an den späteren Thoma gemahnt 
die sensible, fast märchenhaft poetisierende Zierlichkeit 
des Sommertags, dazu ein fein getöntes emailleartiges 
lyrisch-keusches Früchtestück und Fabriken am Wasser 
in kühler sachlicher Strenge. Die zeichnerische Linie 
bestimmt Ferdinand Lammeyers leicht stilisierte 
Wasserkuppe. Mittelalterlich-flächig experimentiert Heinz 
Lcwerenz mit seiner überschwänglichen Taormina- 
Vision, skizzenhafte Theorie bleibt Ferdinand Gre 
be st e i n s Nilbild. Vollsaftige kraftvolle Corinthische 
Note hat ein Porträt von Karl Schulze-Jvurg, 
Temperament und Leben blitzt aus dem Selbstbildnis 
von Richard Sprich im Farbenrausch glüht das 
Blumenstück von Heinrich D e r s ch. Aus einer be 
stimmten altmeisterlichen farblichen Grundstimmung her- 
Ganzakt (Sophie I. II.) die Zauber bengalischer neo 
impressionistischer Beleuchtung auskostet. — Einige be 
deutsame Skulpturen: ein gefälliger Porträtkopf von 
Wolfgang S ch w a r tz k o p f f, zwei rhythmische Studien 
von Oskar Ufert, eine zu monumentaler Gedrungen 
heit gebändigte Trauernde Hans S a u t t e r s, I. 
R e i n h o l d s mehr ornamental gedachtes Mädchen mit 
denl Vogel und ein altertümelndes Holzrelief von August 
Anhalt (Das jüngste Gericht) sowie eine große An 
zahl interessanter Bauentwürfe, Pläne und Bilder von 
Curt von Brocke, Carl F i e g e r, Paul H e m b u s, 
Karl E. 5z. S ch m i e d t, Karl Hermann Sichel, 
Fritz C a t t a uno Otto G r o t h, Alfons B a e ck e r 
und Fritz Sirren berg und I. B r a h m und Ka - 
st e l l e i n e r ergänzen geschickt nach der Seite der 
Plastik und Architektur die umfangreiche Bilderfolge 
der hessischen Kunst.
	        

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