Full text: Hessenland (39.1927)

Robert Bunsen. 
Wilhelm Robert Bunsen, der größte Naturwissen 
schaftler unter seinen Zeitgenossen, einer der größ 
ten Naturwissenschaftler überhaupt, wurde als 
Sohn einer alten angesehenen waldeckischen Familie 
am 31. März 1811 in Göttingen geboren, besuchte 
das Gymnasium in Holzminden, kam dann als 
Student nach Göttingen, wo er 1831 in Physik 
und Chemie promovierte, habilitierte sich nach 
Studienreisen durch Deutschland, Frankreich, die 
Schweiz, Italien und Österreich, die ihm durch die 
hannöversche Regierung ermöglicht waren, im Jahre 
1834 in Göttingen als Privatdozent der Chemie, 
war schon damals weit bekannt und geschätzt in 
der ivissenschaftlichen Welt, so daß ihn die Kasseler 
Regierung am 30. März 1836 als Nachfolger des 
berühmten Dr. Friedrich Wühler zum Lehrer der 
Chemie, der chemischen Technologie und Mineralogie 
an die höhere Gewerbeschule zu Kassel berief. Nach 
31/2 Jahren wurde er am 7. August 1839 als, 
außerordentlicher Professor an die Universität 
Marburg versetzt, am 29. Juli 1841 erhielt er 
das Ordinariat der Chemie und wurde am 11. No 
vember 1841 Direktor des chemischen Instituts, 
das er bereits seit zwei Jahren geleitet hatte. Die 
zwölf Jahre, die Bunsen in Marburg gewirkt hat, 
sind von außerordentlicher Bedeutung für die Uni 
versität gewesen. Vortrag und Experiment, das 
nie mißglückte, waren aus einem Guß. Die Per 
sönlichkeit des Lehrers, eines der edelsten und lie 
benswürdigsten Menschen, war den Zuhörern un 
vergeßlich. Einer seiner berühmtesten Schüler, der 
englische Physiker John Tyndall, der übrigens die 
Zeit seines Marburger Aufenthalts als schönste 
und lehrreichste seiner Studienzeit betrachtete, 
schreibt von ihm: „Die hervorragendste Erscheinung 
an der Universität war zu unserer Zeit Robert 
Bunsen, dessen Name durch chemische Untersuchun 
gen von beispielloser Schwierigkeit und Bedeutung 
und durch die erfolgreiche Anwendung der Grund 
lehren der Chemie und Physik auf die Erklärung 
der vulkanischen Erscheinungen in Island Berühmr- 
heit erlangt hat. Er war der erste, der das Rätsel 
der isländischen Geiser löste und die richtige Theorie 
über ihre Tätigkeit aufstellte. Ich hörte in Mar 
burg die Vorlesungen vieler bedeutender Männer, 
richtete aber mein Hauptaugenmerk auf Mathematik, 
Physik und Chemie. Ich lernte Deutsch, indem ich 
Bunsen zuhörte, und mit dem Zunehmen meiner 
Sprachkenntnisse wuchs auch die Anziehungskraft 
seiner Vorlesung. Aber mein Interesse war von 
Anfang an rege gewesen, denn Bunsen beherrschte 
die Sprache des Experiments und redete zum Ver 
stand nicht bloß durch das Ohr, sondern auch durch 
das Auge. Seine Vorlesungen waren voll Inhalt. 
Bunsen war eine stattliche Erscheinung, schlank, 
schön, ritterlich und ohne eine Spur von Affek- 
tation oder Pedanterie. Er ging in seinem Gegen 
stand auf, sein Vortrag war lichtvoll, seine Sprache 
Von Carl Knetsch. 
rein; er sprach den sauberen hannoverschen Dialekt, 
der englischen Ohren so wohl klingt; er war jeder 
Zoll ein Edelmann. Nach einiger persönlicher Er 
fahrung blicke ich auf Bunsen zurück als auf den, 
der meinem Ideal eines Universitätslehrers am 
nächsten kommt." Leider verließ Bunsen am 1. April 
1851 Marburg, er folgte, durch die Hassenpflugsche 
Reaktion veranlaßt, einem Rufe nach Breslau, 
zog aber schon im August 1852 nach Heidelberg, 
wo er bis zum Herbst 1888 als Professor wirkte 
und bis zu seinem Lebensende am 16. August 
1899 wohnen blieb. Während seiner Marburger 
Bunsens Abschied von Kassel. 
Dl
	        

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