Full text: Hessenland (39.1927)

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Tlcue Kunstakademie in Kassel. 
Phot. K. Eberth, Kassel. 
150 Jahre Kasseler Kunstakademie 
Zu den zahlreichen kulturellen Schöpfungen 
Landgraf Friedrichs II., des Gründers des modernen 
Kassel, gehört auch die Kasseler Kunstakademie, 
die nicht nur eine Vereinigungsstätte tüchtiger 
Künstler sein sollte, sondern auch als Lehrstätte 
durch Heranbildung eines Nachwuchses die Kunst 
des Landes zu heben bestimmt war. Diese Aka 
demie, eine der ältesten in Deutschland, entwickelte 
sich aus dem alten Collegium Carolinum, dem 
eine Lehrstelle für Zeichenkunst, Malerei, Bau- 
und Bildhauerkunst angegliedert war. Schon an 
ihm wirkte jenes Dreigestirn von Künstlern, das 
auch die neue Akademie ins Leben einführte und 
sich durch seine harmonische Schöpfung des Rokoko 
schlosses Wilhelmsthal die Bewunderung der Nach 
welt gesichert hat, der Maler I. H. Tischbein der 
Altere, der Architekt S. L. Du Ry und der Bild 
hauer I. A. Nahl. 
Am St. Lukastag 1777 wurde die nun selb 
ständig gewordene „Academie de peinture et de 
sculpture“ in einem Teil des jetzigen Bellevue 
schlosses feierlich eröffnet, und 1781 wurde ihr 
eine Abteilung für Baukunst angegliedert. Unter 
Friedrichs II. Nachfolgern verlor die Akademie 
äußerlich zwar viel vom Glanz ihrer ersten Blütezeit, 
hatte aber fast durchweg einen trefflichen Lehrkörper 
und stets eine Anzahl hervorragender Schüler. An 
stelle des älteren Tischbein war der Hofmaler Bütt 
ner getreten, Du Ry's Nachfolger war Oberbau 
direktor Jussow geworden. Auch unter den späteren 
Direktoren und Lehrern verfügte die Akademie zu 
allen Zeiten über Namen von Ruf; es sei nur an die 
Maler August Nahl, Ludwig Hummel, L. S. Ruht, 
Ludwig Emil Grimm, August Bromeis, Eduard 
Jhlee, Friedrich Müller, Louis Kolitz, Knackfuß, 
Neumann, Wünneberg, Olde, Bantzer und Baum, 
an die Bildhauer Christian Ruht und Werner Hen- 
schel, die Architekten Bromeis, Julius Ruhl und 
Hugo Schneider erinnert, und es sei weiter daran 
erinnert, daß u. a. ein Wilhelm Tischbein, Georg 
und Franz Pforr, Melchior Kraus, Westermeyer, 
Erdmann Hummel, Martin von Rohden, Friedrich 
Decker, Gerhard von Reutern aus der Kasseler Aka 
demie hervorgingen. 
Seit der französischen Fremdherrschaft war die 
dauernde Heimatlosigkeit der Akademie für deren 
Entwicklung ein großes Hemmnis. Dieser machte 
erst der 1908 unter Kolitz vollendete schöne und 
zweckmäßige Neubau in der Karlsau ein Ende. 
Nach Kolitz hatte Hans Olde die Leitung der
	        

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